Autos waren sein Leben

Unternehmer und Kfz-Ehrenobermeister Wilhelm Weckesser gestorben

Schwalmstadt/Ziegenhain. Noch bis Dezember war er täglich in der Firma, Auto fuhr er nahezu bis zum Schluss, am 9. Februar ist Wilhelm Weckesser nach kurzer Krankheit im Alter von 89 Jahren gestorben.

Es ist kein alltägliches Lebenswerk, das er hinterlässt. Geboren im März 1925 musste er noch in den Krieg ziehen. In amerikanischer Gefangenschaft arbeitete er in seinem Ausbildungsberuf als Mechaniker. Die glückliche Heimkehr feierte er beinahe sieben Jahrzehnte lang alle Jahre mit einer Reihe von Schwälmer Weggefährten.

Wilhelm Weckesser startete aus recht einfachen Anfängen unter anderem mit einem kleinen Fahrradgeschäft in Ziegenhain. Nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs hielt sein Aufstreben mit dem Wiederaufbau des Landes Schritt in der Wirtschaftswunderzeit. Die Eltern hatten die erste Shell-Tankstelle in der Stadt, sie befand sich vor dem Weckesser‘schen Fachwerkhaus in der Festung, in dem später die Schlossapotheke zu finden war.

Mitte der fünfziger Jahre gründete Wilhelm Weckesser dazu eine Fahrschule, die er rund 20 Jahre betrieb, aber es deutete zunächst wenig darauf hin, dass er sich zu einer weithin anerkannten Größe in der Automobilwelt empor arbeiten sollte.

Mit seiner geliebten Frau Erika (1930 bis 2008) leitete er sein Autohaus mit klugem Gespür. Bis ins hohe Alter half er stets tatkräftig da, wo er gebraucht wurde. „Eine prägende Persönlichkeit und Feingeist in unserer vorzugsweise materialistisch überbordenden Geschäftswelt“, heißt es weiter in einem Nachruf, „ein Grandseigneur und Schöngeist, ebenso weltklug wie bescheiden“. In seiner Stadt war er bekannt wie kaum ein anderer und immer bereit zu einer freundlichen Plauderei.

Neben der Familie trauern die über 60 Mitarbeiter der Wilhelm Weckesser GmbH und der ACS Automobile GmbH & Co. KG, darunter zehn Auszubildende. Apropos: Die Auszubildenden seien ihm immer besonders wichtig gewesen, als Grundlage für die Jugendlichen und als gute Mitarbeiter bei der Übernahme.

Der Trauergottesdienst beginnt am Dienstag, 17. Februar, um 11 Uhr in der Schlosskirche Ziegenhain.

Eckdaten seines Lebens waren die Meisterprüfung 1955, Obermeister der Kfz-Innung war Weckesser von 1970 bis 1993, eine Zeitlang auch Vorstandsmitgliede Kreishandwerkerschaft Ziegenhain beziehungsweise der Kreishandwerkerschaft Schwalm-Eder.

Ab 1978 war Weckesser zuerst stellvertretender, von 1986 an dann Kreishandwerksmeister Schwalm-Eder, Nachfolger von Ludwig Lange aus Deute. Bis 1993 bekleidete er das höchste Ehrenamt im Handwerk auf Kreisebene. Der Vollversammlung der Handwerkskammer Kassel gehörte er von 1979 bis 1984 an. Zahlreiche Ehrungen wurden ihm zuteil, 1993 wurde er zum Ehrenobermeister der Kfz-Innung ernannt.

Das Handwerk im Landkreis trauere um einen, der die Kfz-Innung wie kaum ein anderer Obermeister prägte, heißt es seitens der Kreishandwerkerschaft. „Mit Wilhelm Weckesser ist ein besonderer Handwerker und Unternehmer gestorben“, so Kreishandwerksmeister Frank Dittmar (Guxhagen). Er würdigte Weckesser für seine großen Verdienste um die Einheit des Handwerks auf Kreisebene. (aqu)

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