Belgier begibt sich in Trutzhain auf die Spuren seines Vaters

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Plant ein Buch über das Schicksal seines Vaters: Willy Boghe (72) besuchte jetzt die Gedenkstätte Trutzhain, um sich selbst ein Bild vom früheren Lager machen zu können.

Trutzhain. Willy Boghe (72) sieht seinen Vater heute mit anderen Augen: Seit er sein Tagebuch gelesen hat, ist für den Belgier manches klarer. Aber es bleiben auch Fragen. Die will sich der Belgier jetzt beantworten.

Boghe besuchte jetzt die Gedenkstätte Trutzhain: Vater Louis Boghe war damals 20-Jährig dort interniert. Sein Sohn plant ein Buch über die Zeit, denn Louis Boghes Aufzeichnungen sind mehr als detailliert.

„Ich wusste, dass es ein Tagebuch gibt. Aber gesprochen hat mein Vater wenig über diese Zeit. Erst nach seinem Tod habe ich die Aufzeichnungen gelesen“, erzählt Willy Boghe. Am 5. Juni 1940 kam Louis in Ziegenhain an: Mit 2500 Häftlingen schipperte er von Holland in Richtung Deutschland. „In Holland kaufte er Brot und gab dem Verkäufer einen Zettel mit der Anschrift seiner Eltern, damit der sie informiert, wo sich der Sohn gerade befindet“, hat Boghe heraus gefunden. Am 8. Juli schrieb Louis Boghe den ersten Brief aus dem Lager in seine Heimat.

Eindringlich habe er beschrieben, wie er an Hunger gelitten habe. Polnische Kriegsgefangene besorgten schließlich Brot. „Dafür tauschte er seine Uhr ein, die er zur Kommunion bekommen hatte“, erzählt Willy Boghe. 

Im Juli und August gab es für die Kriegsgefangenen Arbeit auf den Feldern: Louis Boghe (rechts) half der Familie Lippert auf ihrem Bauernhof in Rainrod im Vogelsberg. Fünf Wochen war der junge Belgier dort im Arbeitskommando.

Der 20-Jährige wurde nach zwei Monaten im Arbeitskommando nach Rainrod im Vogelsberg gebracht und auf dem Bauernhof der Familie Lippert eingesetzt. „Die Gefangenen waren dort in einer Gastwirtschaft untergebracht“, erzählt sein Sohn. Die Familie behandelte Louis sehr gut. „Er durfte im Haus schlafen und er beschreibt, dass er sich in die Tochter des Bauern verliebte“, sagt Boghe. 

Mit Musik zum Bahnhof

Nach fünf Wochen wurde das Arbeitskommando zurück ins Lager versetzt. Im Lager habe es ein Fest gegeben: „Mein Vater schreibt, er habe sich mit älteren Soldaten verbrüdert, die Wachen wurden menschlicher.“ Einer habe dem musikbegeisterten Belgier sogar eine Trompete besorgt, mit der Boghe spielen durfte. Das tat er auch, als im Februar 1941 500 entlassene Gefangene in Richtung Bahnhof Treysa marschierten.

Auch seine Uhr habe Louis Boghe im Lager wieder zurückbekommen: „Der Mithäftling kam irgendwann auf ihn zu und erklärte, dass es nicht in Ordnung gewesen sei, für Brot die Uhr einzufordern.“

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