Berührende Schicksale

Gemeinsames Essen für Schüler und Flüchtlinge

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Im Gespräch: Melanchthon-Schüler unterhielten sich in der Gedenkstätte mit jungen Flüchtlingen aus Michelsberg und Ziegenhain.

Trutzhain/Steinatal. Eine große geschmückte Tafel stand kürzlich für etwa vierzig Gäste - Flüchtlinge und Schüler - im Vortragsraum der Gedenkstätte Trutzhain bereit.

Eingeladen waren Flüchtlinge aus der Region sowie Schüler aus zwei Deutschkursen der Oberstufe der Malanchthon-Schule Steinatal. Auf Anregung von Patricia Kaiser-Rickert, die sich als Flüchtlingsbetreuerin und Deutschlehrerin engagiert, und der Leiterin der Gedenkstätte, Karin Brandes, trafen sich die Jugendlichen aus der Schwalm und ihre Lehrerinnen, Gudrun Münzer und Stefanie Wagner, mit den Asylbewerbern zum Gespräch beim gemeinsamen Mittagessen. Es gab Speisen aus Äthiopien, Eritrea und dem Irak, die die Flüchtlinge mitgebracht hatten. Die Schüler hatten Kuchen gebacken.

Nach der gemeinsamen Mahlzeit, während der bereits lebhafte Gespräche in Deutsch, Englisch sowie mit Gestik und Mimik stattfanden, berichteten mehrere Flüchtlinge über ihre gefahrvollen Fluchtwege nach Deutschland: Abdul Malik schilderte seine Flucht aus Äthiopien, die ihn über den Sudan nach Libyen führte, von wo er mit einem Boot nach Italien gelangen konnte. Die Schleuser hätten etwa 1500€ für die Überfahrt verlangt. In dem unsicheren Boot seien auch schwangere Frauen und kleine Kinder gewesen, die unter dem Mangel an Wasser und Nahrungsmitteln sehr gelitten hätten. Überzeugend erzählte er aber auch von positiven Erlebnissen seiner Flucht - so half ihm eine italienische Lehrerin etwa durch die Bereitstellung eines Zimmers für einige Tage.

Besonders eindrucksvoll war auch der Bericht von fünf Geschwistern aus dem Irak, die aus dem Irak in die Türkei, von dort über Griechenland und die Balkanroute und Österreich nach Deutschland geflohen waren. Vier Monate hätten sie nur für den Weg in die Türkei gebraucht, den sie zum Teil auch zu Fuß hätten zurücklegen müssen. Besonders eindringlich waren ihre Schilderungen des Terrors des sog. IS gegen die jesidische Minderheit, die wegen ihres Glaubens verfolgt werde.

„Mir lief eine richtige Gänsehaut über den Rücken“, so fasste Schülerin Victoria Bieber angesichts der Berichte ihre Eindrücke zusammen. Angesichts der schockierenden Fluchtgeschichten empfand es Annika Freund als bewunderswert, dass die Flüchtlinge so viel gelacht und über ihre Erfahrungen auf der Flucht so offen gesprochen hätten. „Die Einzelschicksale haben mich sehr berührt und auch schockiert“, sagte Annika Freund und Samuel Mühling fasste seinen Eindruck folgendermaßen zusammen: „Es war etwas ganz anderes, den Menschen gegenüberzusitzen, deren Fluchtgeschichte man gerade gehört hat, als wenn man die Nachrichten im Fernsehen oder Radio hört“. Luisa Diebel erklärte hinterher, sie könne jetzt besser verstehen, warum so viele Flüchtlinge fliehen und nach Deutschland kommen wollen.

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