Nager bevorzugt als Zuhause renaturierte Abschnitte

Biber siedelt an der Schwalm

Schon seit über 10 Jahren siedelt sich der Nager an der Schwalm an und ist fast überall am Fließgewässer mehr oder weniger etabliert: Nun ist der Biber auch im renaturierten Bereich des Flusses da.
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Schon seit über 10 Jahren siedelt sich der Nager an der Schwalm an und ist fast überall am Fließgewässer mehr oder weniger etabliert: Nun ist der Biber auch im renaturierten Bereich des Flusses da. (Archivfoto)

Der Biber besiedelt nun den renaturierten Bereich der Schwalm. Leser Reinhold Tripp teilte die Sichtung der Schwälmer Allgemeinen mit.

Schwalmstadt – Und tatsächlich, Peter Kugler, Leiter des Wasserverbands Schwalm, bestätigt: „Wir freuen uns über die Wiederansiedlung des Bibers.“ Schon länger sei der Biber an der Schwalm heimisch. „Ein Vorkommen ist schon seit mehr als zehn Jahren bekannt“, erklärt Kugler. Die ersten Vorkommen des Nagers seien im Naturschutzgebiet „Leistwiesen“ bei Rommershausen gesichtet worden. Seither habe sich das Tier stark vermehrt und sei nahezu überall am Fließgewässer Schwalm mehr oder weniger stark etabliert.

So hat er sich nun auch im frisch renaturierten Bereich im Hochwasserrückhaltebecken zwischen Treysa und Ziegenhain angesiedelt. Leser Reinhold Tripp hatte dort eine Biberrutsche entdeckt. Auch Fraßspuren an einem Baum nahe der Schwalm bei Allendorf brachten den Leser auf die Spur des Tieres.

Auch in Allendorf an der Schwalm soll sich der Biber angesiedelt haben.

„Es ist zu beobachten, dass gerade in naturnahen, renaturierten Gewässerabschnitten Biberspuren, wie zum Beispiel Bissspuren oder Biberrutschen, besonders häufig anzutreffen sind“, erläutert Peter Kugler.

Die Erfolge der Renaturierung spiegeln sich somit also auch in der Population der Tier- und Pflanzenwelt wider – doch Kugler macht auch darauf aufmerksam, dass es selbstverständlich auch zu Konflikten kommen könne, weil der Biber ein versierter Wasserbauer sei. Durch die Aktivität des Bibers könnten nämlich angrenzende Uferbereiche, Äcker und Wiesen überflutet werden. Außerdem graben die Nager für ihre Biberbauten Hohlräume in den Uferbereich. Solange Wege und Felder genug Abstand zum Gewässer lassen, sei das kein Problem. Werden die Bereiche jedoch bis zum Ufer bewirtschaftet, bestehe Einbruchgefahr für landwirtschaftliche Maschinen, verdeutlicht der Leiter des Wasserverbandes. Diese Randbereiche an Gewässern sollte man deshalb vorsorglich nicht bewirtschaften.

Der Nager bringt allerdings auch einen wichtigen Vorteil mit sich, denn auch andere Tiere profitieren von dem Aufenthalt des Bibers: Durch seine Umgestaltung des Lebensraumes schaffe der Biber auch viele neue Lebensräume, erklärt Dr. Wulf Rheinwald, Tierarzt und Sprecher des Nabu Schwalm-Eder für den Südkreis. Mit Tothölzern und Stauflächen zum Beispiel würden viele Tiere und Insekten einen Platz zum Leben finden. „Vor allem Frösche profitieren von dem Nager.“

Zu Gesicht bekommt man den Biber eher selten, so Rheinwald: „Die Tiere sind nachtaktiv und äußerst scheu“, sagt er. Und Peter Kugler macht noch einmal darauf aufmerksam, dass der Biber eine streng geschützte Art ist.

Comeback der Auenarchitekten ab Ende der 1980er-Jahre

Im Jahr 1956 wurde der letzte hessische Biber an der Gersprenz im Odenwald gesichtet. Die intensive Bejagung des größten europäischen Nagers sorgte dann vorerst für sein Verschwinden von der Landkarte, heißt es vom Nabu. Ein Wiederansiedlungsprojekt in den späten 1980er-Jahren ebnete den Boden für das Comeback des Auenarchitekten nach Hessen: Aus den anfänglichen 18 Pionierbibern im Spessart sind mittlerweile um die 1000 hessische Genossen geworden, viele sind nach Unterfranken abgewandert. 

(Lea Beckmann)

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