Blühender Ersatz für Mais

Biogas: Michelsberger Landwirt pflanzt seltene Silphie an

Drei Meter hoch werden die Silphie-Pflanzen auf dem Feld von Hans-Werner und Beate Busch. Als sogenannte Energiepflanze ist sie eine blühende Alternative zum Mais.
+
Drei Meter hoch werden die Silphie-Pflanzen auf dem Feld von Hans-Werner und Beate Busch. Als sogenannte Energiepflanze ist sie eine blühende Alternative zum Mais

Gut drei Meter hoch strotzt die gelb blühende Silphie auf ihren Feldern rund um Michelsberg. Landwirt Hans-Werner Busch ließ im Frühjahr 2018 die eigentlich aus Nordamerika stammende Pflanze „Durchwachsene Silphie“ erstmalig auf einem Acker ausbringen.

Michelsberg – Die Idee zur Anpflanzung der Energiepflanze entstand in Zusammenarbeit mit dem Geschäftsführer der Biogasanlage Ransbach, Carsten Schäfer, und dem Landwirtschaftszentrum Eichhof.

„Silphie ist eine Alternative zu Mais“, erklärt Hans-Werner Busch, der inzwischen ganze 12 Hektar der seltenen Blühpflanzen angepflanzt hat. „In ganz Deutschland gibt es nur 3000 Hektar Silphie. Da ist Michelsberg ganz vorne dabei“, meint auch Christine Weingarten vom Regionalbauernverband Kurhessen in Homberg, die sich das seltene Blütenmeer zwischen Michelsberg und Rörshain persönlich anschaute.

Bis zu 150 Kilo Honig pro Hektar

Hummeln, Bienen, Schmetterlinge und Co. tummeln sich in den unzähligen Blüten, die gerade auch für Imker einen Mehrwert darstellen. „Bis zu 150 Kilo Honig pro Hektar bringt eine Silphie-Fläche“, so Busch, der daher gerne auch einen Imker mit seinen Bienen an seinen Ackerflächen begrüßen würde. Silphie gehört zur Gattung der Dauerkulturen und darf daher mindestens zehn Jahre, wenn nicht sogar noch länger, auf einer Ackerfläche wachsen, ohne dass der Bauer seinen Ackerstatus verliert.

„Silphie bringt für mich als Landwirt eine erhebliche Arbeitserleichterung, da ich mich nach den ersten zwei Jahren beispielsweise nicht mehr um eine Unkrautbekämpfung kümmern muss. Die Silphie lässt dann anderen Pflanzen keinen Raum“, so Busch. Hat die Silphie einmal ihre 2,5 Meter tiefen Wurzeln geschlagen, dann kann sie Trockenperioden gut überbrücken, zumal sie mit ihren kelchförmigen Blättern auch Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen kann.

Wenn die Silphie mal gewurzelt hat, ist sie anspruchslos

„Die kritische Phase ist die Anfangszeit, aber wenn die Silphie mal gewurzelt hat, dann ist sie anspruchslos“, sagt der Landwirt, der auf eine Anbaugarantie des Saatgutausbringers zählen kann und daher aufgrund der Trockenheit in den letzten Jahren auch noch einmal eine Nachsaat gestellt bekam.

In der ersten Zeit nach dem Säen wachse die Silphie langsam und so müssen Kamille und Co in Schach gehalten werden. Inzwischen habe man aus den schwierigen Versuchsjahren der Anfangszeit aber auch schon gelernt, sodass Silphie nun als Untersaat einer Maiskultur gesät wird. „Zwischen den Maispflanzen kann die Silphie erst einmal im geschützten Raum gut Fuß fassen. Im kommenden Jahr wird nur noch Silphie auf dem Feld zu sehen sein“, so Busch, der dann auf ein weiteres Blütenmeer rund um Michelsberg stolz sein kann.

Pflanze mit vielen Vorzügen: Herstellung von Cellulose denkbar 

Die Silphie sei eine gute Kohlendioxid-Speicherpflanze, sodass Busch beabsichtigt, sich nun auch ein Kohlendioxid-Zertifikat ausstellen zu lassen, um Fördergelder des Bundes zu erhalten. Neben ihrer Nutzung als Energiepflanze für die Biogasanlage gäbe es auch Bestrebungen, die Silphie für die Herstellung von Cellulose für Verpackungsmaterialien zu nutzen. Auch als Futterpflanze könne sie genutzt werden.

„Als die Kamille mal zu groß wurde, habe ich den Bestand gemäht und verfüttert. Meinen Rindern hat’s geschmeckt“, so Busch, der sich wünschen würde, dass der Silphie-Anbau in Hessen mehr Beachtung erfahre.

Ernte im September

„In anderen Bundesländern wie zum Beispiel in Bayern oder Mecklenburg-Vorpommern ist man da schon viel weiter“, so der Landwirt. Gerade die Neuanpflanzung der Silphie sei kostspielig: „2000 Euro pro Hektar muss man rechnen“. Busch vertraut in seine Investitionen und freut sich schon heute auf die weniger arbeitsintensiven Folgejahre.

„Die Silphie ist winterhart, treibt immer wieder von selbst neu aus dem Boden heraus, kennt hier auch keine Schädlinge und schmeckt Wildschweinen nicht. Silphie wird als Greening-Fläche gewertet, darf aber mit Substrat gedüngt werden“, so der Michelsberger Silphie-Experte, der bereits einen weiteren Michelsberger Landwirt von der neuen Anbaupflanze überzeugen konnte. Sein erstes Versuchsfeld hat inzwischen die propagierte Wuchshöhe von gut drei Metern erreicht und so sieht Familie Busch freudig der Ernte mit dem reihenunabhängigen Maishäcksler im September entgegen. „Dann wird sich zeigen, ob der Ertrag auch passt“, sagen Beate und Hans-Werner Busch. (Regina Ziegler-Dörhöfer)

Silphie

Die Durchwachsene Silphie (Silphium perfoliatum) ist eine mehrjährige, bis zu drei Meter hohe Pflanze aus Nordamerika. Verwachsene Blattpaare am vierkantigen Stängel bilden kleine Becher, in denen sich Tau- und Regenwasser sammelt, sodass die Pflanze auch als „Becherpflanze“ bezeichnet wird. Silphie wird vor allem als Energiepflanze für die Biogasproduktion, aber auch als Futterpflanze von Imkern und Kleintierhaltern geschätzt. Die Silphie stellt keine besonderen Ansprüche an Klima oder Boden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.