Verlagerung des Tegut-Marktes und vieles mehr

Björn Spanknebel vom Gewerbe- und Tourismusverein Schwalmstadt: "Handel wird verdrängt"

+
Die Schmelzau in Treysa: Nach den Plänen eines Investors sollen Tegut und ein Büromarkt auf das ehemalige Kohl-Gelände verlagert werden, an die Friedrich-Ebert-Straße soll ein weiterer Discounter kommen.

Schwalmstadt – Die weit entwickelten Plänen einer Investorengruppe hat der Gewerbe- und Tourismusverein (GUT) beraten. Wir sprachen mit Björn Spanknebel, dem GUT-Vorsitzenden, über die Entwicklungen.

Es geht um die Verlagerung des Tegut-Marktes an den Walkmühlenweg, einen neuen Discounter am alten Standort, aber auch weitere Geschäftsflächen in der Schmelzau, dem Gelände des früheren Autohauses Kohl. 

Wer war denn bei dem Infoabend und wie war die Reaktion?

Es waren alle GUT-Mitglieder eingeladen. Der Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Nordhessen, Martin Schüller, berichtete über die geplante Vergrößerung und Erweiterung der Lebensmittelverkaufsflächen im Stadtteil Treysa und die zu erwartenden Auswirkungen auf Schwalmstadt und die umliegenden Gemeinden. Das Projekt fand bei uns keine Zustimmung. Das liegt an der völlig überzogenen Angebotsmonokultur aus Lebensmittelmärkten mit Non-Food-Abteilungen, die sich bilden würde. Anstatt das Angebot in Schwalmstadt zu bereichern, führt diese Planung lediglich zu einer Verdrängung auch des klassischen Einzelhandels.

Was steht denn zu befürchten, wenn die Investoren die Pläne realisieren?

Die Verlagerung und Vergrößerung des einen Lebensmittelmarktes sowie die Errichtung eines neuen Discounters am bisherigen Standort entzieht den umliegenden Gemeinden das Angebot.

Rechtsanwalt Björn Spanknebel, Vorsitzender GUT Schwalmstadt

Sie sprechen davon, dass gewaltige Verkaufsflächen vorgesehen sind.

Im Schnitt werden pro 1000 Einwohner 500 Quadratmeter Lebensmittelmarkt als verträglich angesehen. In Schwalmstadt liegen wir bereits bei 1000 Quadratmeter. Diese Fläche noch zu vergrößern, kann letztlich nur zu Schließungen und Leerstand an anderer Stelle führen.

W elche Sortimente sollen denn da kommen laut der Pläne?

Laut Planung sollen Lebensmittel und Backwaren angeboten werden. Es werden aber auch Nicht-Lebensmittel außerhalb des Fachhandels angeboten. Jeder zehnte Euro wird im Lebensmittelmarkt mittlerweile mit Nicht-Lebensmitteln umgesetzt. Bei der großen Gesamtfläche ergibt sich ein sehr großer Umsatz, der dem örtlichen Fachhandel entzogen wird und ihn zum Erliegen bringt. Wir möchten jedoch den qualitativ hochwertigen Fachhandel vor Ort stärken und Schwalmstadts Angebot vom Internetbillighandel dadurch absetzen.

Hat die Lokalpolitik die Tragweite bisher gar nicht erfasst?

Die Lokalpolitik beschäftigt sich mit diesem Thema. Unsere Aufgabe ist es, aus Sicht unserer Mitglieder hier zur richtigen Entscheidung beizutragen. Die kaufmännische Kompetenz liegt nun mal beim Handel, und der wird durch die GUT verteten.

Es ist von 4000 Fahrzeugen pro Tag die Rede, die den Parkplatz anfahren würden, ist das verkehrstechnisch lösbar?

Das nächste Problem! Niemand kennt die Auswirkung des zusätzlichen Verkehrs an dieser Stelle. Fast alles konzentriert sich dort im Kreuzungsbereich. Kaum vorstellbar, was passiert, wenn ab 2022 auch die A 49 bis Abfahrt Frankenhain in Betrieb genommen wird und dieser Verkehr noch hinzukommt.

Wie sind die mutmaßlichen Auswirkungen auf Ziegenhain?

Ein Discounter betreibt keine zwei Standorte in unmittelbarer Nachbarschaft. Wir sehen besonders für Ziegenhain eine Standortschwächung durch mittelfristigen Abzug von Verkaufsfläche. Die Einzel- und Fachhändler werden dem Kundenstrom, der durch die großen Lebensmittelmärkte gesteuert wird, folgen.

Gehen denn solche Bedrohungen aus den Gutachten hervor, warum schaltet sich die Regionalversammlung nicht ein?

In der Branche ist bekannt, dass man das Ergebnis von Gutachten steuern kann. Dies geschieht beispielsweise über Herunterrechnen von Verkaufsflächen beziehungsweise erweitern von Einzugsgebieten. Die vorliegenden Gutachten wurden zum Teil vom Investor selbst in Auftrag gegeben. Wir haben hier bezüglich der Objektivität Bedenken.

Wird das ganze Vorhaben jetzt in der Stadt neu bewertet?

Die Bewertung ist doch bisher nicht abgeschlossen. Wir hoffen jedoch, dass das geplante Projekt so nicht umgesetzt wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.