Naturschützer hoffen auf Verständnis der Landwirte

Schwalm: Blühstreifen sollen bleiben

Am Feldrand: Links, wo Jörg Haafke (von links) und Sigrun Keim zu sehen sind, wurde der Blühstreifen, in dem Scharfgabe wächst, nicht abgemäht. Rechts ist jedoch kein Blühstreifen mehr vorhanden. Auch Heinz Stübing und Erika Schäfer kritisieren das.
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Am Feldrand: Links, wo Jörg Haafke (von links) und Sigrun Keim zu sehen sind, wurde der Blühstreifen, in dem Scharfgabe wächst, nicht abgemäht. Rechts ist jedoch kein Blühstreifen mehr vorhanden. Auch Heinz Stübing und Erika Schäfer kritisieren das.

Jäger, Ornithologen und verschiedene Naturschützer sorgen sich in der Schwalm darüber, dass die Wegränder an Feldern von den Landwirten zu oft und zu früh abgemäht beziehungsweise gemulcht (siehe Hintergrund) werden.

Schwalm - Argumente für den Erhalt der Blühstreifen entlang der bewirtschafteten Felder haben sie viele. „Die Wegränder sind die einzigen Refugien, in denen sich Insekten vermehren können“, sagt Heinz Stübing von der Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON). Die Acker seien „leer gespritzt“ mit Herbiziden, sodass es dort keine Pflanzen für Insekten mehr gebe.

Unter anderem Feldvögel wie Rebhuhn und Feldlerche bräuchten diese Insekten, vor allem weil ihre Küken auf das tierische Eiweiß angewiesen seien. Besonders das Mulchen ist den Interessenvertretern ein Dorn im Auge, weil viele Tiere von den Mähgeräten erfasst werden und sterben. Früher sei das Mähgut als Kuhfutter verwendet worden. Heute könnte man es auch in der Biogasanlage in Ransbach weiter verwerten, so Sigrun Keim von der Unteren Naturschutzbehörde.

„Wir sind keine Front gegen die Landwirtschaft“, betont Jörg Haafke, Vorsitzender des Fördervereins Kulturlandschaft Schwalm. Jedoch würden sie ein Missverhältnis sehen zwischen dem weitverbreiteten Mulchen der Wegränder und der Pressemitteilung des Hessischen Bauernverbandes, dass landesweit circa 1600 Hektar Blühstreifen von den Landwirten angelegt wurden.

Land fördert Blühstreifen

Die Agrar-Umweltmaßnahmen des Landes Hessen sehen vor, dass Landwirte, die ein- oder mehrjährige Blühstreifen bewirtschaften, pro Hektar mindestens 600 Euro erhalten. Folglich generieren die Landwirte so insgesamt Einnahmen von 960 000 Euro.

Durch eine rücksichtsvollere Behandlung der Wegränder könnte nach Auffassung der Naturfreunde ein ungleich höherer Nutzen zum Schutz von Blühstreifen, von Insekten und Vögeln erreicht werden, so Haafke.

Dass die Wegränder gelegentlich gemäht werden müssen, ist den Interessenvertretern klar. Sie fordern jedoch, dass sie nicht vor dem Ende der Brutzeit etwa Mitte Juni und nicht alle Ränder um die Felder herum gleichzeitig gemäht werden, sondern zeitversetzt, sodass an verschiedenen Orten immer Blühstreifen für Vögel und Insekten vorhanden sind. Wenn es nach Sigrun Keim geht, sollen nur notwendige Flächen abgemäht werden – also an den Stellen, wo landwirtschaftliche Geräte auf das Feld fahren.

Mulchen und Mähen

Mulchen und Mähen sind Techniken im Gartenbau und in der Landwirtschaft. Beim Mähen wird das abgeschnittene Mähgut, wie Gras, Sträucher und andere Pflanzen, im Anschluss eingesammelt.

Beim Mulchen wird das Mähgut gleichzeitig zerkleinert und auf den Flächen liegengelassen. Es wirkt dann wie Dünger und hat einen hohen Stickstoffgehalt, was viele Pflanzen nicht vertragen. Anzeiger für stickstoffreiche Böden sind Brennnesseln.

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