Leimsfeld

Boden für Bucheckern bereit: Waldinteressenten organisieren Einsaat-Aktion

Pflanzten und Säten: von links Reinhold Kranz, Hans und Christa Wiegand, Leon Fenner und Fedor Bläse von den Waldinteressenten.
+
Pflanzten und Säten: von links Reinhold Kranz, Hans und Christa Wiegand, Leon Fenner und Fedor Bläse von den Waldinteressenten.

Die Leimsfelder Waldinteressenten wollen dem Waldaufwuchs durch das Säen von Eicheln und Bucheckern nachhelfen.

Leimsfeld - „Warum soll das, was bei unseren Vorfahren lange üblich war, heute nicht auch noch funktionieren?“, sagt Waldvorstand Eckhard George, der die Idee hatte, dem Waldaufwuchs mit dem Säen von Eicheln und Bucheckern nachzuhelfen. Im Jahr 2019 hatten die Leimsfelder Waldinteressenten eine vom Borkenkäfer geschädigte Fichtenfläche maschinell roden lassen. Als sich die Waldinteressenten nun die Entwicklung der Waldbrache ansahen, konnten sie nur wenige durch Naturverjüngung aufgegangene Baumpflänzchen ausmachen. „Wir hätten jetzt auch Pflanzen kaufen und setzen können, doch zum einen sind die Pflänzchen momentan sehr teuer und zum anderen die Qualität nicht besonders gut“, erklärt George.

Die Idee, die Selbsteinsaat von Eicheln und Bucheckern manuell zu organisieren, sei im heutigen Zeitalter sicherlich ungewöhnlich, aber auf jeden Fall einen Versuch wert. „Im kommenden Jahr werden wir sehen, ob unsere Idee aufgeht“, sagen die 16 Waldinteressenten, die sprichwörtlich Kind und Kegel zur Aktion mit in den Wald genommen hatten. So verschlief die fünf Monate alte Karla Lausmann die Pflanzaktion noch im Kinderwagen, währenddessen alle anderen Altersklassen bis hin zum 79-jährigen Ehepaar Wiegand zu Harke, Pflanzbohrer und Saatgut griffen.

Einsaat-Aktion mit Kindheitserinnerungen

„Als Kinder haben wir Bucheckern gesammelt, um sie zur Ölmühle nach Cassdorf zu bringen“, erinnerte sich Christa Wiegand. Mit dem jetzigen Sammeln und Sortieren von Bucheckern und Eicheln wurden somit auch Kindheitserinnerungen wach. „Selbst haben wir das händige Pflanzen von Eicheln und Bucheckern auch nicht mehr erlebt. Bis Mitte der 1950er-Jahre aber wurden Eicheln mit einer kleinen Rübensämaschine im Wald gesät“, wusste Ehemann Hans. Ein maschinelles Pflanzen wäre auf der gerodeten Fläche jedoch nicht möglich gewesen, hätte dafür das Areal doch gänzlich von Baumstümpfen, Astwerk und Co befreit werden müssen.

Die Leimsfelder setzten Markierungspfosten rechts und links der Fläche und brachten im Reihenabstand von zwei Metern, alle zehn Zentimeter eine Eichel oder Buchecker in die Erde. Den Bucheckern versuchten die Waldfreunde vor allem Schattenplätze zukommen zulassen, bräuchten die junge Buchen doch zum Wachsen ein wenig Schutz. „Gemischt mit den Fichten der Naturverjüngung könnte hier so ein gesunder Mischwald entstehen“, hofft George.

Einsaat-Aktion: eimerweise Eicheln und Bucheckern

Die gerodeten Fichten waren rund 60 Jahre alt gewesen und so könnten vielleicht die jüngsten Mitstreiter der Pflanzaktion einmal von der Arbeit profitieren. Jung und Alt hatten im Vorfeld eimerweise Eicheln und Bucheckern gesammelt und auch Spenden aus der Bevölkerung erhalten. „Unsere Senioren haben die unzähligen Eicheln mühselig sortiert, damit keine beschädigten Eicheln gepflanzt werden“, erklärte George. „Wir haben jetzt so viele Eicheln und Bucheckern, dass wir gar nicht alle einpflanzen können. Wir werden auf jeden Fall aber alle im Wald verteilen und auf die Mithilfe des Wildes setzen“, meinte Reinhold Kranz.

Die frisch bepflanzte Fläche soll auch ganz bewusst nicht eingezäunt werden. „Die Wildschweine könnten zwar einige Eicheln aus dem Boden fressen, zugleich aber auch andere wieder so verwühlen, dass sie aufgehen werden. Wildschweine sind Helfer des Waldes“, erklärte Kranz. „Vielleicht sind gerade unsere heimischen Eicheln und Bucheckern der Schlüssel zum Erfolg. Gezüchtete Pflänzchen sind immer einem Umzugsstress ausgesetzt, vielleicht klappt es mit dem eigenen Saatgut ja sogar besser“, mutmaßte Kai Pfaff. Die 16 Waldinteressenten gingen mit viel Eifer ans Werk, hatten Spaß an der Arbeit und genossen bei kühler Winterluft auch die gemeinsame Mittagsrast im Wald. (Regina Ziegler-Dörhöfer)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.