Odyssee von Klinik zu Klinik

„Hier unterschreiben, sonst sind sie in kürzester Zeit tot“ - Corona-Patient über Klinikaufenthalte

Hat einen sehr schweren Coronaverlauf überlebt: Thorsten Laabs aus Ziegenhain. Das Selfie zeigt ihn im Juli während seiner Reha auf Usedom.
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Hat einen sehr schweren Coronaverlauf überlebt: Thorsten Laabs aus Ziegenhain. Das Selfie zeigt ihn im Juli während seiner Reha auf Usedom.

Thorsten Laabs war schwer an Corona erkrankt. Wir sprachen ihm über die Krankheit und seine Odyssee durch verschiedene Kliniken.

Ziegenhain – Es gab viele und lange Stunden, in denen Thorsten Laabs seinen sonst unerschütterlichen Optimismus heillos verloren hatte. Bisweilen waren seine Überlebenschancen so gering, dass der Abschiedsgruß eines befreundeten Arztes ihm wie ein wirklich allerletzter vorkam. Einer wie Thorsten Laabs erzählt eigentlich immer mit einem gewissen Schalk von seinen Plänen und Erfahrungen. Doch das ist diesmal anders.

Am 21. März war er aus den USA zurückgekommen, aktuell getestet kurz vor dem Start. Es war der Geburtstag seines Sohnes. Bald nach der Ankunft in Deutschland gingen die ersten Krankheitssymptome in hohes Fieber über: Corona. Infiziert habe er sich sehr wahrscheinlich auf dem Flug, vermutet er.

Ziegenhainer erzählt von Corona-Infektion: Wochenlang intensivmedizinische Behandlung

Laabs muss in die Klinik, im Krankenhaus in Ziegenhain scheint sich die Lage zunächst zu stabilisieren dank des Medikaments Remdesivir. Doch dann geht es ihm immer schlechter, eine Odyssee an Klinikwechseln beginnt. Kassel, dann wieder Ziegenhain, wieder Kassel, Witzenhausen, Uniklinik Marburg: Über sieben Wochen intensivmedizinische Behandlung, komplett isoliert von der Familie.

Laabs‘ Erzählfluss stockt. „Die einzigen, die du siehst, sind Pflegekräfte in Monstermonturen.“ Das Personal auf den Intensivstationen opfere sich wirklich auf, hat der Ziegenhainer erfahren, „das gibt dir die nötige Demut“. Komplikationen stellten sich ein, Organe versagten, schwere Herzrhythmusstörungen. Todesangst, nach der medizinischen Intervention nicht mehr zurückzukommen. „Die Ärztin sagte, Herr Laabs, hier unterschreiben, sonst sind sie in kürzester Zeit tot.“

Heute, immer noch längst nicht der Alte, kann Laabs seinen Leidensweg als „Lebensschule“ betrachten. Im Juni war er wieder nach Hause gekommen zu Ehefrau Jessica (43) und Sohn Noah (12). Beide waren auch erkrankt gewesen im März, die 43-Jährige brauchte zwar keine stationäre Behandlung, doch auch ihre Wiederherstellung dauerte lang. Nach etwa vier Wochen Erholung daheim in Ziegenhain ging es zur Reha nach Usedom.

Ziegenhainer erzählt von Corona-Infektion: Kein Verständnis für Verschwörungserzählungen

Intubiert werden musste Laabs in den Wochen auf Station glücklicherweise nicht, aber auf Sauerstoffgabe in zunächst hoher Konzentration war er lange angewiesen. „Ich habe Intubierte über lange Zeit direkt neben mir gehabt, die dann doch starben“ – diese Erfahrungen und das Isoliertsein waren hart.

Wie Menschen die Erkrankung als „leichten Schnupfen“ verharmlosen oder Verschwörungserzählungen herumreichen können, sei ihm ein Rätsel. Heute, da er noch immer nicht wieder ganz gesund, aber doch mit der Situation sehr zufrieden sei, könne er nur davor warnen, Corona nicht sehr ernst zu nehmen.

Eine Impfpflicht fände er konsequent, und die sei auch rechtlich möglich, „dann wäre alles in einem viertel Jahr unter Kontrolle“. Es liege ihm fern, den schwarzen Sheriff zu geben, aber der Staat habe nunmal die Aufgabe, Schaden von den Menschen fernzuhalten und die Regeln auch zu kontrollieren. Und es sei einfach gut um jeden einzelnen mehr, der sich impfen lässt.

Ziegenhainer war schwer an Corona erkrankt: Konzertveranstalter will weitermachen

Thorsten Laabs, der gerade 60 geworden ist, hofft, dass es für ihn gesundheitlich weiter bergauf geht. Mit neuer Energie will er seine Konzertreihe weiterentwickeln, wobei er schon einige Zeit wisse, dass die Verschiebung der geplanten Termine aufgrund des Pandemieverlaufs unausweichlich war.

„Das Virus wird uns noch lange begleiten, aber im Frühjahr haben wir doch eine andere Situation“, meint er. Eine schwarze Null soll unter dem Strich stehen, da ist er auch zuversichtlich. Und wenn es nicht anders geht, werde noch einmal verschoben. (Anne Quehl)

Im Kampf gegen Corona mangelt es nicht an Vorschlägen. Doch es herrscht ein Durcheinander. Ein Arzt aus Kassel fordert eine Impfpflicht für alle.

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