Heidelmann

CSL Plasma bleibt in der Schwalm

Blick auf den CSL Plasma-Bereich An der Feuerwache in Ziegenhain: Heidelmann arbeitet bereits seit 2006 mit dem Unternehmen zusammen.
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Blick auf den CSL Plasma-Bereich An der Feuerwache in Ziegenhain: Heidelmann arbeitet bereits seit 2006 mit dem Unternehmen zusammen. (Archivfoto)

Der Logistiker Heidelmann erweitert in Schwalmstadt, die Gesamtinvestition beläuft sich auf 25 Millionen Euro, wie die HNA auf Nachfrage erfuhr. Für Schwalmstadt sind das ausgezeichnete Nachrichten: Das neue Gebäude wird für CSL Plasma gebaut, eine Tochtergesellschaft des Biotech-Unternehmens CSL Behring.

Schwalmstadt – Durch die kürzliche Unterzeichnung der Verträge bindet sich der Weltkonzern CSL mit Sitz in Australien langfristig an das Schwälmer Unternehmen und den Standort. Geschäftszahlen nennen die Partner nicht, doch gilt CSL als der mutmaßlich größte Gewerbesteuerzahler der Stadt.

Seit 2006 betreibt CSL sein Logistikzentrum unter dem Dach von Heidelmann in Ziegenhain. 2017 kam dann die Hiobsbotschaft, dass die Lagerung von Blutplasma nach Lahntal bei Marburg abwandert – um Synergieeffekte durch die Zusammenlegung der Logistik-Aktivitäten mit CSL Behring an der Lahn zu erzielen. Jetzt aber ist klar, dass die Umzugspläne endgültig vom Tisch sind und damit eins der größten Logistikzentren der Welt für Blutplasma aus mehreren europäischen Staaten und den USA in der Schwalm sogar ausgebaut wird.

Der neue Gebäudekomplex entsteht auf dem neuen Areal von Heidelmann an der Bundesstraße 454. Es besteht aus zusätzlichen Tiefkühl-Lagerflächen, Wareneingang- und Warenausgangszone und einem Bürogebäude. Die CSL Plasma GmbH wird sowohl Mieter des Neubaus als auch der bereits heute durch CSL Plasma genutzten Logistikflächen auf der anderen Straßenseite sein.

Mit der Fertigstellung des Erweiterungsbaus in eineinhalb Jahren wird Heidelmann die Lagerlogistik der CSL-Tiefkühlhäuser übernehmen. Komplett neu integriert wird der Bereich der Einzelspendenidentifikation, der ebenfalls im neuen Gebäude angesiedelt ist. Nurmehr diese Abteilung wird dann noch durch CSL Plasma in Eigenregie betrieben. Alle Mitarbeiter, die von der Umstrukturierung betroffen sind, erhalten von Heidelmann ein Übernahmeangebot, teilt das Unternehmen mit. Aus Schwalmstadt werden die CSL Behring Produktionsstandorte in Marburg und Bern mit Blutplasma beliefert, es wird für die Herstellung von lebensrettenden Medikamenten benötigt.

Ein riesen Pfund für die Stadt

CSL Plasma bleibt in Schwalmstadt, und es wird sogar maßgeblich erweitert: Wie bedeutsam der Vertragsschluss zwischen Heidelmann und CSL ist, zeigt ein Blick in den Bundesanzeiger. Der Jahresumsatz zum Stichtag 30. Juni 2020 betrug über 900 Millionen Euro, 3,4 Mio. Gewinn vor Steuern. Zur Einordnung: Schwalmstadt erwartet fürs laufende Jahr gut 6 Millionen Euro an Gewerbesteuern.

Es ist Steuergeheimnis, aber es ist bekannt, dass ein ganzer Brocken davon von CSL Plasma abgeführt wird.

Entsprechend groß war bei den Eingeweihten in der Schwalm das Aufatmen, als nach drei Jahren des Bangens im März 2021 der CSL-Neubau in Lahntal abgesagt wurde und es sich abzeichnete, dass CSL Plasma nicht weggeht. „Wir freuen uns die professionelle Zusammenarbeit mit der Firma Heidelmann auch in Zukunft fortführen zu können“, sagte zur Vertragsunterzeichnung vor Kurzem Berthold Süsser, Geschäftsführer von CSL Plasma Deutschland. „Das Logistikzentrum in Schwalmstadt ist ein wichtiger Standort, der uns hilft, die Herstellung unserer lebensrettenden Medikamente zuverlässig zu gewährleisten und unser Versprechen an unsere Patienten zu erfüllen.“

Ute Bischoff, geschäftsführende Gesellschafterin der Heidelmann Kühllogistik GmbH, unterstrich, dass die über 15-jährige Zusammenarbeit auch durch den Erweiterungsbau für CSL Plasma langfristig fortgeführt und intensiviert werde, „dies ist ein wichtiges Signal für den Standort Schwalmstadt und geht einher mit unserem strategischen Ausbau des Geschäftsfeldes der Pharmalogistik“. Bürgermeister Stefan Pinhard äußerte auf HNA-Anfrage, wie sehr er sich freue, „mein besonderer Dank gilt den Verantwortlichen des international agierenden Unternehmens Heidelmann“. Es gehe um qualifizierte Arbeitsplätze und die Stärkung der Wirtschaftskraft in der Stadt.

Komplett neu integriert wird der Bereich der Einzelspendenidentifikation, der ebenfalls im neuen Gebäude angesiedelt ist und als einziger Bereich durch CSL Plasma in Eigenregie betrieben wird. Es handelt sich um die Vorsortierung und Zusammenstellung von Spenden zu Plasmapools („ready to use“) für die Produktion in Marburg und Bern. Hier erfolgen Aussortierungen von defekten und aus anderen Gründen nicht verwendbaren Spenden. Es ist der erste Schritt zur Herstellung von qualitativ hochwertigen Produkten.

Lebensrettende Therapien

CSL Behring informiert, dass Blutplasma als Basis potenzieller Therapien gegen Covid-19 verstärkt an Aufmerksamkeit gewinnt. Traditionell wird gespendetes Plasma zur Entwicklung lebensrettender Therapien für Patienten mit seltenen und schweren Erkrankungen wie beispielsweise bei Hämophilie oder primären Immundefekten verwendet. Bei vielen Operationen kommt es zudem zum Einsatz. Über eine Millionen Menschen weltweit sind auf Medikamente aus Blutplasma angewiesen. (Anne Quehl)

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