Angeklagter sprach über Schwalmstädter Drogenszene

Dealer gab die Taten zu: Es ging um Heroin und Methadon 

Treysa. Wegen gewerbsmäßigen Drogenhandels musste sich kürzlich ein 35-jähriger Arbeitssuchender aus dem Altkreis Ziegenhain vor dem Schöffengericht verantworten.

Der Prozess gab einen kleinen Einblick in die Drogenszene Schwalmstadts: Alle Zeugen hatten bereits persönliche Erfahrung im Umgang mit Rauschgift.

Laut Anklage verkaufte der 35-Jährige Anfang 2016 an einen 36-jährigen Raumausstatter mindestens sieben Mal Heroin und kassierte dabei für ein Gramm 50 Euro. Des Weiteren wurde dem Mann Drogenbesitz vorgeworfen. Im Rahmen einer Hausdurchsuchung hatte die Polizei in der Wohnung und auf dem Balkon des Mannes Methadon sowie einige Plomben – das sind in Plastikfolie eingewickelte Portionen mit Heroin – gefunden. Der Angeklagte habe mit dem Verkauf der Drogen sein Leben und seinen Eigenkonsum finanzieren wollen, so die Staatsanwältin.

Eine gewisse Eloquenz war dem 35-Jährigen nicht abzusprechen. Er wolle sich gerne zu den Vorwürfen äußern, erklärte der Mann und berichtete dem Gericht wortreich über seine aktuelle Lebenssituation. Das Wichtigste sei seine kleine Tochter, erklärte der 35-Jährige.

Zu allen Anklagepunkten hatte der Mann eine Erklärung, wollte aber trotz eindeutiger Beweislage – unter anderem gab es umfassende Protokolle der Telefonüberwachung – die ihm zum Vorwurf gemachten Taten weder abstreiten, noch zugeben.

Die gefundenen Drogen habe er selber verbraucht und der vermeintliche Käufer habe nur konsumiert, erzählte der Angeklagte. Ob so vieler Ausflüchte zeigten sich Gericht und Anklage sichtlich genervt. „Diese Geschichten nehme ich ihnen nicht ab“, sagte die Staatsanwältin und der Vorsitzende stellte fest: „Sie sind ein Mitteldealer.“

Nach der Standpauke räumte der 35-Jährige seine Taten teilweise ein, vermied es zunächst aber, eine genaue Zahl der Drogenverkäufe zu nennen. Die Zeugen aus der Szene, darunter drei Häftlinge, waren wenig konkret und wollten sich vor Gericht nicht mehr an ihre zuvor gemachten Aussagen erinnern. Insbesondere die Befragung des Raumausstatters gestaltete sich zäh. Etwa fünf Mal habe er etwas gekauft, schätzte der Mann: „Ab und zu habe ich mit ihm auch ein Näschen gezogen.“ Zur Drogenqualität in Treysa erklärte er: „Hier gibt es nur Schrott.“

Nach einer dreieinhalbstündigen Verhandlung und vor dem Hintergrund einer drohenden Haftstrafe zeigte sich der Angeklagte plötzlich kooperativ: Er gab den gewerbsmäßigen Drogenhandel zu.

Am Ende verurteilte das Gericht den Angeklagten zu einer zweijährigen Haftstrafe, die für fünf Jahre auf Bewährung ausgesetzt wurde. Es sei ein typischer Betäubungsmittelprozess gewesen, meinte der Vorsitzende: „Die Akten sind glockenklar, aber in der Verhandlung wird gelogen, dass sich die Balken biegen.“

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