Geschichte einer Region

Der Schwälmer Sagenborn II. nimmt mit in die Vergangenheit

Taucht auch im Schwälmer Sagenborn auf: Seigertshausen, benannt nach Sigerta von Falkenhain. Erzählt wird vom „Licht am Opferstrauch“.
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Taucht auch im Schwälmer Sagenborn auf: Seigertshausen, benannt nach Sigerta von Falkenhain. Erzählt wird vom „Licht am Opferstrauch“.

So vieles geriet in der Pandemie ins Hintertreffen, wurde aufgeschoben, vertagt, hintangestellt. Im Fall des zweiten Teils des Schwälmer Sagenborns ist das vielleicht weniger tragisch, denn der dicke, kunstvoll illustrierte Band versteht sich als ein zeitloses Schwälmer Hausbuch.

Altkreis Ziegenhain – Ein Buch, das man nicht in einem Rutsch liest, sondern in dem man, wenn man es von Zeit zu Zeit zur Hand ninmmt, zu einer Fülle von Orten zwischen Schwarzenborn und Wiera, Breitenbach/H. und Mengsberg auf Wanderschaft im Geiste gehen kann.

Das Buch enthält 150 Schwälmer Sagen, überwiegend aus mündlicher Überlieferung, außerdem Aufsätze über Mythologie und Geschichte der Sagen nach wissenschaftlichen Erkenntnissen. Auch die Entstehungsgeschichte des Buches selbst wird beschrieben.

Dem Lehrer und Wieraer Volksschulleiter Heinz Krause (1921-1994), mit dem Erika Eckhardt seit Mitte der Achtzigerjahre zusammenarbeitete, ist das vorangestellte in-memoriam gewidmet. Krause hatte ihr aus seiner großen Sammlung zahlreiche Sagen überlassen, über 60 sind in das Werk eingegangen. Die Autorin konnte zudem auf einen Pool aus Erzählungen und Erinnerungen an Schauplätze aus ihrer Kindheit in Wasenberg zurückgreifen. Während sie Theologie studierte, begann sie mit dem wissenschaftlichen Quellenstudium. Parallel sammelte in der Schwalm weiter, ließ sich von vielen Menschen unterschiedlicher Dörfer Sagen erzählen, zum Beispiel von Adam Bauer aus Schrecksbach. Eckhardt: „Ich habe oft gestaunt, wie reich die Volksüberlieferung in einem so kleinen Gebiet wie dem Altkreis Ziegenhain ist.“ Die Geschichte der Region sei in vielen Sagen gespeichert, „oft hatte ich das Gefühl, mit einem Fahrstuhl in die verschiedenen Jahrhunderte zu reisen“. Zu den nach Orten und Städtchen gebündelten Kapiteln packt die Autorin je Einordnungen in Bezug auf die Entstehungszeit und auch ihre Quellen, was besonders Interessierte zum Eigenstudium anregen kann. Dabei geht es wahrlich sagenhaft zu, wenn es um Werwölfe bei Michelsberg oder Zauberbesen im Hochland geht, um Borne, Glocken und örtliche Bräuche.

Vielfach wird auf die Namensentwicklung eingegangen und wie ihre Entstehung verbunden ist, wie zum Beispiel für Aste-, Christe-, Friedige- und Olberode.

Der Kasseler Maler und Grafiker Michael Lampe, in der Schwalm recht bekannt seit seinem Willingshausen-Stipendium 1999, steuerte zahlreiche Illustrationen bei, die sehr gut passen, da auch er sich mit dem Themenkreis und der Schwälmer Motivsprache intensiv beschäftigt hat.

Das Buch ist der Nachfolgeband des 1982 bzw. 1987 erschienen Schwälmer Sagenborns. Erika Eckhardt hat immer weiter am Thema gearbeitet und 2013 auch ihren eigenen, den Verlag edition dietz gegründet. Dort ist Teil zwei 2020 erschienen, er hat 461 Seiten, und ist für 27,95 Euro im Buchhandel sowie, wenn sie öffnen können, in der Touristinformation Ziegenhain und in den Museen in Ziegenhain und Willingshausen erhältlich. Die 150 Sagen werden von 46 Aufsätzen zu Mythologie und Geschichte begleitet. (Anne Quehl)

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