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Die Vorfreude auf die WM ist in der Schwalm gering

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Von: Maike Lorenz

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Bernd Gundlach steht in seinem Sportgeschäft in Treysa hinter der Kasse. Er ein Trikot der deutschen Nationalmannschaft in der Hand.
Bernd Gundlach in seinem Sportgeschäft in Treysa, er zeigt die aktuellen Auswärts- und Heimtrikots der deutschen Nationalmannschaft. © Maike Lorenz

Am Sonntag beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar. Die Redaktion hat sich erkundigt, wie die Menschen in Schwalmstadt und Umgebung die WM verfolgen werden.

Schwalmstadt – Größere Fanzusammenkünfte wird es zu den Spielen wohl nicht geben. Die Stadt Schwalmstadt organisiert zum Beispiel kein Public Viewing zur Weltmeisterschaft, sagt der künftige Bürgermeister Tobias Kreuter. Gründe dafür seien „die zahlreichen Menschenrechtsverstöße in Katar, aber auch die Energiekrise und die noch immer kaum abzuschätzende, pandemische Entwicklung“.

WM-Spiele auf dem Weihnachtsmarkt in Ziegenhain zu übertragen, lehnt Kreuter auch deshalb ab, weil es sich seiner Meinung nach nicht „in die vorweihnachtliche Atmosphäre auf dem historischen Paradeplatz integrieren lässt“.

„Wir übertragen alles, was geht“

Wer nicht alleine schauen will, kann sich die Spiele aber in einem Lokal ansehen. Der Lokschuppen am Bahnhof in Treysa wirbt zum Beispiel mit „Stadion-Atmosphäre“. Roy Hasenpflug (62) betreibt den Lokschuppen mit seiner Frau Heike Hasenpflug. Er versichert: „Wir übertragen alles, was geht.“ Die WM zu boykottieren habe nie zur Debatte gestanden.

Erst kürzlich hat der Lokschuppen investiert, um die Bar für Sportfans attraktiver zu machen: In dem Raum, wo sich nun neue Sitzgelegenheiten befinden und eine große Leinwand an der Wand hängt, habe früher ein Billardtisch gestanden, berichtet Heike Hasenpflug.

Heike Hasenpflug steht vor der Leinwand im Lokschuppen. Links sind beleuchtete Tische zu sehen.
Heike Hasenpflug steht vor der Leinwand im Lokschuppen. © Maike Lorenz

Da es anders als bei bisherigen Weltmeisterschaften jetzt im Winter keine Konkurrenz durch größere Public-Viewing Angebote gibt, sagt Roy Hasenpflug sogar: „Wir rechnen mit mehr Andrang als zu vorherigen Weltmeisterschaften.“

Auch für Sergej Lichonin (32), Inhaber des „Treffpunkts“ in Ziegenhain ist klar: „Wir werden die Spiele übertragen.“ Lichonin stellt aber auch fest, dass einige seiner Gäste diese WM eher ablehnen. „Wir hängen die Übertragung deshalb nicht an die große Glocke“, sagt Lichonin.

Fanartikel verkaufen sich schlecht

Die Vorfreude auf die WM scheint in Schwalmstadt bisher allerdings noch gering zu sein. So stellt zum Beispiel Andreas Lohr, stellvertretender Marktleiter im Hagebaumarkt Schwalmstadt fest, dass sich WM-Fanartikel wie zum Beispiel Fahnen und Schminke deutlich schlechter verkaufen als in anderen WM-Jahren: „Die Fanartikel stehen seit drei Wochen im Regal. Seitdem sind vielleicht zwei Produkte verkauft worden.“ Der 31-Jährige schlussfolgert: „Die WM scheint wirklich boykottiert zu werden.“

Das Sportgeschäft Gundlach in Treysa macht beim Verkauf der Nationalmannschaftstrikots ähnliche Erfahrungen. Geschäftsinhaber Bernd Gundlach (55) sagt: „Die WM hat momentan niemand auf der Agenda.“

Bei der letzten WM habe er etwa 200 Trikots verkauft, doch schon jetzt sei absehbar, dass er dieses Jahr deutlich weniger verkaufen werde. Dabei sei sein Geschäft eines der wenigen, die überhaupt Trikots der Nationalmannschaft im Angebot habe, sagt Gundlach.

Fans ist nicht nach Feiern zumute

Markus Diehl, Fußballpräsident des Frankfurt-Fanclubs EFC Eintracht-Knüller, hat ebenfalls den Eindruck, dass das Interesse an der WM gering ist. Grund dafür sind seiner Auffassung nach die Menschenrechtsverstöße in Katar. Er kann sich aber auch gut vorstellen, dass vielen Menschen aufgrund der eigenen finanziellen Situation aktuell nicht nach Feiern zumute ist.

Harald Becker (54) ist Vorsitzender des HSV Fanclubs in Schorbach. Er sagt ganz klar: „Ich lehne die WM ab.“ Becker will deshalb kein WM-Spiel offensiv schauen und freut sich auch nicht auf die Weltmeisterschaft. Die Spiele werde er nur verfolgen, falls diese zum Beispiel während seiner Dienste im Vereinsheim übertragen werden.

Auch Jochen Helwig (69), Vorstandsmitglied des ESV Jahn 1871 Treysa, sagt: „Ich habe Bedenken wegen der Menschenrechte.“ Er denkt, dass er sich die deutschen Spiele im Fernsehen ansehen wird. Euphorie komme bei ihm aber nicht auf.

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