32-Jähriger bedrohte Frau sogar mit dem Tod 

Drama im Gerichtssaal: Mann wollte Ehe-Aus nicht akzeptieren

Schwalmstadt. Aggressiv zeigte sich ein 32-Jähriger im Gerichtssaal in Treysa. Er hatte seine Frau beschimpft und beleidigt.

Wie sich bei der Beweisaufnahme schnell herausstellen sollte, handelte es sich aber weniger um einen klassischen Beleidigungsfall, sondern eher um ein Familiendrama. Die Verhandlung in der Sache sei nur die Spitze des Eisbergs, brachte es der Vorsitzende Richter später in der Urteilsbegründung auf den Punkt.

Insbesondere während der Zeugenvernehmung herrschte im Gerichtssaal eine angespannte Atmosphäre, die sich auch für den neutralen Beobachter durchaus bedrückend darstellte. Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Marburg soll der arbeitslose Industriearbeiter seine von ihm in Trennung lebende Frau aus dem Altkreis Ziegenhain mehrfach beleidigt, gemobbt und sogar mit dem Tod bedroht haben.

Im Herbst 2013 eskalierte der Konflikt zwischen dem Ehepaar. Der Mann erschien unvermittelt vor dem Elternhaus seiner deutschen Frau und forderte lautstark eine Aussprache. Als der 32-jährige Araber immer aggressiver wurde, schloss seine Ehefrau die Haustür. Wutentbrannt soll der Angeklagte daraufhin gegen die Tür geschlagen haben. Erst eine Polizeistreife konnte die erhitzten Gemüter wieder abkühlen.

„Ich weiß nicht, wie das bei Ihnen ist, bei uns ist das jedenfalls eine Beleidigung.“ 

Ja, er habe seine Frau und deren Familie beleidigt und schlimm tituliert. Sie habe ihn aber provoziert. „Ich wollte doch nur meinen kleinen Sohn sehen“, sagte der 32-Jährige und gestikulierte dabei aufgebracht mit den Händen. Dass seine Aggressionsschwelle relativ niedrig war, sollte das Gericht im Laufe der Verhandlung noch häufiger erleben.

Immer wieder brach sich sein überschäumendes Temperament Bahn, mehrmals mahnte die Staatsanwältin den Südhessen mit scharfen Worten. Der Vorsitzende Richter drohte gar mit einem Ordnungsgeld.

Er gab alles zu 

Da der Mann die ihm zur Last gelegte Tat im Wesentlichem einräumte, verurteilte das Gericht den von Hartz 4 lebenden Mann zu dreißig Tagessätzen in Höhe von jeweils 13 Euro. „Sie dürfen Leute nicht als A... bezeichnen und den gewissen Finger zeigen. Ich weiß nicht, wie das bei Ihnen ist, bei uns ist das jedenfalls eine Beleidigung“, sagte der Richter.

Es war offensichtlich: Der Mann wollte das Ende seiner Ehe nicht akzeptieren. Er fühlte sich regelrecht in seiner Ehre angegriffen. Insbesondere die Trennung von seinem Sohn schien er als persönlichen Affront zu verstehen.

Kurios: Trotz Besuchsrecht hatte er seinen Sohn zum letzten Mal im Frühjahr 2014 gesehen und machte laut seiner Frau auch keine Anstalten an den Umständen etwas zu ändern.

Im Zeugenstand schilderten Schwiegervater und Ehefrau die für sie bedrohliche Situation im September 2013. „Er hat geschrien und ist völlig ausgerastet. Er sagte er würde uns alle umbringen“, erzählte die Zeugin.

Als der Angeklagte dazwischenredete, brach die junge Frau in Tränen aus, schrie auf und schlug wütend mit ihren Unterlagen auf die Tischplatte. Der monatelange Nervenkrieg hatte die 29-Jährige sichtlich zermürbt.

Von Matthias Haaß

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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