Ein Dorf mit zwei Bächen

Allendorf an der Landsburg: Der Ittersbach und die Gers

Umweltingenieurin Verena Barth und der stellvertretende Bauamtsleiter Tobias Biskamp stehen vor dem Bach Gers
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Erfolgreich: Nach der Renaturierung hat die Gers wieder einen natürlichen Verlauf. Umweltingenieurin Verena Barth und der stellvertretende Bauamtsleiter Tobias Biskamp sind zufrieden.

Entscheidend für den Standort einer Siedlung war oft die Verfügbarkeit von Wasser. Viele Dörfer liegen darum an einem Bach. Allendorf an der Landsburg hat sogar zwei - Gers und Ittersbach

Allendorf an der Landsburg. Als vor einigen Jahren ein Pferd beim Grasen auf der Koppel urplötzlich in einem unterirdisch führenden Rohr der Ittersbach eingebrochen war, war klar, dass am kleinen Bachlauf Handlungsbedarf besteht.

Der Ittersbach entspringt östlich der Quelle von Allendorf, führt meist schnurgerade zwischen landwirtschaftlich genutzten Flächen entlang, sammelt so manch Drainagewasser ein und mündet letztendlich, nachdem er das Dorf unterirdisch passiert hat, in die Schwalm.

Bachlauf bekommt renaturierte Struktur

„Als der Sportplatz gebaut wurde, musste das Gelände für einen geraden Fußballplatz angeschüttet werden. Der Ittersbach wurde verrohrt“, erinnert sich Günther Fenner. Nach dem Einbruch des Pferdes überlegte man, wie der Schaden zu beheben sei, und kam letztendlich auf die Idee, den Bachlauf am Sportplatz wieder oberirdisch vorbeizuführen und ihm gleichzeitig eine renaturierte Struktur zurückzugeben.

„Ein Wechsel aus flachen und steilen Böschungskanten, tieferen Stellen, natürlichen Hindernissen – all das macht einen Bachlauf für die Natur wertvoll“, sagt der stellvertretende Bauamtsleiter Tobias Biskamp, der sich bei der Verwaltung um Wasser, Abwasser und kommunalen Tiefbau kümmert. Der renaturierte Bachlaufabschnitt soll vor allem Amphibien und Vögeln einen neuen Lebensraum bieten.

Natur sorgt für neuen Aufwuchs

Nachdem ein Bagger im vergangenen Jahr den Bachlauf neu geformt hatte und das alte, unterirdisch liegende Rohr verfüllt wurde, darf nun die Natur selbst die Ausgestaltung übernehmen. „Es werden keine Anpflanzungen vorgenommen. Die Natur wird von sich aus für neuen Aufwuchs sorgen“, sagt die junge Umweltingenieurin Verena Barth, die ebenfalls im städtischen Bauamt tätig ist.

An der Gers, die schon früher in den Genuss von Renaturierungsmaßnahmen gekommen ist, ist die Rückeroberung der Natur schon gut erkennbar. Etliche Libellen tummeln sich am Bachlauf, der am Fuße des Knülls bei Obergrenzebach seine Wurzeln hat und letztlich auch in die Schwalm mündet.

Pflanzen und auch Insekten nutzen die neugewonnen Freiräume. Unser Bild zeigt eine Libelle.

Die Gers schlängele sich in weiten Teilen noch recht natürlich durch die Gemarkungen und habe nun auch in Allendorf wieder ein ursprüngliches Gesicht erhalten. „Die Gers ist ein Gewässer, das im Zuge der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie renaturiert wurde. Die neue Flutmulde bei Allendorf wird auch Fischen wieder neue Rückzugsmöglichkeiten bieten“, sagt Biskamp.

Gewässerqualität wird geprüft

Insgesamt leiten drei anliegende Kläranlagen in die Gers ein und so würde das Gewässer in regelmäßigen Abständen auf seine Gewässerqualität überprüft. Bei den Renaturierungsarbeiten der Gers seien, wegen der Nähe zum Flugplatz Rörshain, Kampfmitteluntersuchungen nötig gewesen. Im Zweiten Weltkrieg war der Platz bombardiert worden. „Am Ende waren es dann aber doch nur eisenhaltige Basaltsteine des Landsburgabbaus“, erklärte der stellvertretende Bauamtsleiter.

Bei Renaturierungsprojekten seien stets die Interessen der Anlieger zu berücksichtigen und so setzt sich Günter Fenner als Ortskundiger immer wieder für das Finden von Kompromisslösungen für alle Beteiligten ein. (Regina Ziegler-Dörhöfer)

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