Malerin Marianne Heinemann lieferte Vorlage

Schwälmer Weihnachtskarte: Ein Gemälde geht per Post in die Welt

Das Aquarell
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Das Aquarell malte Marianne Heinemann. Es erschien auch als Postkarte im Kunstverlag Mandt /Lauterbach. Die Künstlerin lebt mit 106 Jahren in einem Altenheim in Karlsruhe.

Vielen Menschen haben die Schwälmer Poskartenmotive ein Lächeln auf die Lippen gezaubert. Bekannt sind insbesondere die Weihnachtsmotive. Zu einem haben wir recherchiert.

Schwalm – Pausbäckig, mit dicken Fausthandschuhe übermittelt das hier abgebildete Schwälmerchen seinen Weihnachtsgruß. Was viele nicht wissen: Als Vorlage diente ein Aquarell der Künstlerin Marianne Heinemann, geborene Thielmann. Die Willingshäuserin malte es 1942. Das Gemälde erschien als Postkarte im Kunstverlag Mandt /Lauterbach. So fand ein Gemälde durch diese Vervielfältigung den Weg in die Welt.

Marianne Heinemann ist unter kreativen Köpfen aufgewachsen. Ihr Vater gehörte der Willingshäuser Künstlerkolonie an. Es war der Maler Wilhelm Thielmann, Carl Bantzer war ihr Patenonkel. Bantzer sei einerseits herrisch, andererseits tolerant gewesen, beschrieb die Patentochter einmal den Künstler. Während Thielmann sich streng an die Naturmalerei gehalten habe, sei Bantzer offen auch für andere Kunstrichtungen wie etwa dem Impressionismus gewesen. Abends versammelten sich die Maler oft im Atelier, es wurde, Geschichten erzählt, gesungen und viel gelacht. „Wir Kinder sollten ja früher ins Bett, aber die Tür musste offen bleiben“, erinnerte sich Marianne Heinemann gegenüber der HNA.

Die Künstlerin Marianne Heinemann an ihrem 90. Geburtstag.

Laut Künstlerlexikon Hessen Kassel absolvierte sie in den 30er-Jahren eine Schneiderlehre in der Werkstätte für „Schwälmer Bauernkunst“ (Damenschneiderei, Musterzeichnen, Handstickerei), besuchte eine Kunstschule in Düsseldorf (Malen, Zeichnen, Modzeichnen) studierte an einer Akademie in Berlin und bildete sich bei Carl Bantzer weiter. Schwerpunkte ihrer Arbeit bildeten Porträts und Landschaftsmalerei.

Ab den 70er-Jahren unterstützte sie ihren Ehemann, Günter Heinemann, bei Hobbymalkursen in Willingshausen. Den Kasseler Maler hatte Marianne Heinemann 1942 geheiratet. Der Künstler hatte unter anderem mit Friedrich Wilhelm Bogler im Knüll gewirkt.

Heinemann war es, der Anfang der 1970er-Jahre die Idee etablierte, Laien das Zeichnen und Malen beizubringen. Nachdem er überwiegend mit Aufträgen wie Kunst am Bau sein Geld verdient hatte und die zu jener Zeit knapper wurden, entschieden er und seine Frau sich für das Unterrichten.

Marianne Heinemann lebt inzwischen nicht mehr in Willingshausen, sondern laut Kunstexperten Johannes Prinz mit 106 Jahren in einem Altenheim in Karlsruhe. (Sylke Grede)

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