Ein Leben für sein Unternehmen

Nachruf: Otto Spahn baute Getränkefachgroßhandel in Ziegenhain auf

Im Bierverlag arbeitete Otto Spahn von Jugend an tatkräftig mit. Alle
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Im Bierverlag arbeitete Otto Spahn von Jugend an tatkräftig mit. Alle

Otto Spahn ist gestorben, der bekannte Ziegenhainer Unternehmer erlag im Alter von 87 Jahren schwerer Krankheit.

Ziegenhain. Als kleiner Junge war Otto Spahn 1939 mit seinen Eltern Margarethe und Willy nach Ziegenhain gezogen, die Familie kam aus Alsfeld. In der Festungsstadt gründeten sie den Bierverlag Wilhelm Spahn in der Wiederholdstraße 5/Zur Schanze, eine Art Vertriebsniederlassung der Brauerei Alsfeld. Alsfelder Bier wurde per Pferdekutsche ausgeliefert, hauptsächlich an Gastwirtschaften. Kunden konnten sich Fass- oder Flaschenbier aber auch am Standort abholen. Bestellungen erfolgten per Fernsprechanlage oder postalisch, Angestellte gab es noch nicht.

Ein Porträtfoto von Otto Spahn.

In der Zeit des Zweiten Weltkriegs, als Vater Willy in der Wehrmacht dienen musste, unterstützte der Schüler seine Mutter bereits in der Geschäftsführung, sie leitete den Betrieb nun. Nach 1945 war die Bierproduktion in Alsfeld vorerst untersagt bis 1947, erst dann lief auch der Ziegenhainer Bierverlag langsam wieder an.

Und das Sortiment wurde erweitert, per Lkw statt mit Pferden wurde nun ausgeliefert, Otto begann eine Ausbildung zum Industriekaufmann – in der Brauerei in Alsfeld. Im Anschluss arbeitete er dort noch einige Jahre weiter, bis er 1957 mit ins Geschäft einstieg.

Unternehmer expandiert

1960 war das Jahr der Hochzeit mit Ursula und der Übernahme des Verlags vom Vater, der aber weiterhin mitarbeitete. Otto Spahn wandelte das Geschäft in eine freie Vertriebsniederlassung für Getränke um, allerhand Neues kam hinzu, Limonaden der Rosbacher Mineralquellen sowie weitere Biermarken.

Bis zu den Siebzigerjahren vergrößerte sich der Kundenstamm stark, Umsätze wuchsen, Arbeitsplätze entstanden neu. Volksfeste, Vereine, Hotels, Lebensmittelgeschäfte und andere Kunden mehr waren zu beliefern, das Lager musste vergrößert werden, während weitere Getränkesorten hinzukamen, zum Beispiel ab 1980 Produkte der Marke Coca-Cola.

Bei Spahns gab es nun auch Leihgüter wie Verkaufswagen und Bierzeltgarnituren. Auch überregionale Großkunden hatte das Unternehmen auf der Liste, die Deutsche Bahn und die Bundeswehr. So wurden wöchentlich Gleisbauzüge in ganz Hessen und Kantinen der Kasernen Treysa, Stadtallendorf und Schwarzenborn beliefert. Der Fuhrpark wurde vergrößert, vier Mitarbeiter waren festangestellt, Computer und Fax hielten Einzug.

Frühes Bild der Firmenchronik in Ziegenhain, links Vater und Firmengründer Willy.

Einen großen Schritt stellte 1996 der Bau der neuen großen Halle mit Hof An der Feuerwache dar.

Sohn übernahm 2001 das Geschäft

Wenige Jahre später stieg Sohn Dirk Spahn in den Getränkefachgroßhandel ein, nachdem er sein Studium der Lebensmitteltechnologie abgeschlossen und bei einem Anlagenbauer für die Produktion von Lebensmitteln Erfahrungen gesammelt hatte. Otto Spahn übergab ihm das Geschäft Neujahr 2001.

Am gestrigen Dienstag begleiteten die Familie und viele Weggefährten seinen letzten Weg auf dem Friedhof in Ziegenhain, in der Trauerfeier wurde an das heitere, humorvolle Wesen des ausgewiesenen Familienmenschen erinnert und daran, dass der Sport, das Vereinsleben und das gesellige Leben seiner Heimatstadt ihn neben seinem Unternehmen und seiner Familie begeisterten.

Otto Spahn hinterlässt neben seiner Ehefrau und seinen drei Kindern zwei Enkelsöhne. Dieser Text basiert auf einem Chronikbericht von Enkel Niklas Albert. (aqu)

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