Einer, der die Leute vom Baum holt

Gartenfreunde treffen sich bei Rainer Bönisch an der Grünsammelstelle in Treysa

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„Was haben wir denn?“: Rainer Bönisch (links) nimmt erst einmal den Anhänger von Benjamin Kellermann aus Niedergrenzebach in Blick, bevor er eine Entsorgungsgebühr kassiert.

Leben und Arbeiten im Garten – viele zwischen Schwalm und Knüll lieben es. Wir treffen Menschen mit dem grünen Daumen. Diesmal an der Grünsammelstelle zwischen Treysa und Ziegenhain.

Endspurt an der Grünsammelstelle zwischen Treysa und Ziegenhain: Wer jetzt noch nicht seinen Garten geputzt hat, sollte sich sputen. Kommenden Samstag ist vor der Winterpause letzte Gelegenheit, Laub, Heckenschnitt oder Sträucher los zu werden.

„Hier ist das ganze Jahr über was los“, sagt der Mann in orangefarbener Arbeitskleidung mit dem breiten Lächeln im Gesicht. „So, was haben wir denn?“ Rainer Bönisch, 57, ist nicht zu übersehen. Jedes Auto fängt er an der Müllentsorgungsstelle ab. 

Jetzt im Spätherbst steht er direkt am Eingang, sommers, wenn hier Hochbetrieb herrscht, auch schon mal mitten auf der Kanonenbahn, „dann warten manche eine Stunde und die Autos stehen bis zum Joneleit.“ 

Sack Laub im Kofferraum

Doch auch am Samstag ist hier ohne Unterlass Betrieb, Autos und kleine Lkw mit und ohne Anhänger reihen sich wie ein Reißverschluss Glied an Glied, das Fenster der Beifahrertür schon unten. „Der ist ein Original, der ist gut, der passt hierher“, sagt Rainer Maikranz über Rainer Bönisch. Der Treysaer ist Stammkunde, diesmal hat er einen Sack Laub im Kofferraum dabei. „Für zwei Euro schmeiße ich das nicht in die Walachei.“

Wegen seines 900-Quadratmeter-Gartens kommt regelmäßig zur Grünsammelstelle: Marek Wienzek, 40, aus Neukirchen, hinten Gerhard Henke.

Elektromüll oder Grünes ist hier erst einmal die Frage. Und wenn Grünes, dann was und wie viel - an der Grünsammelstelle geht es zu wie im Parlament, alles ist eingeteilt in Fraktionen: Fraktion eins Stammholz, Fraktion zwei Hecken- Strauch- oder Blumenschnitt, Fraktion drei Gras, Laub, Fallobst und Moos. Bönisch sagt den Fahrern, wo sie hin müssen und kassiert ab: ein Kofferraum voll Äste, Laub oder Kompost 2 Euro, ein Anhänger voll fünf, jeder halbe Kubikmeter fünf mehr.

 „Die meisten Leute sind relativ ehrlich“, sagt Bönisch. Bei so viel Frohnatur fällt es wohl auch jedem schwer, unfreundlich zu werden. „Wenn sehr viel los ist, sind die Leute manchmal genervt, aber ich versuche sie dann immer wieder vom Baum zu holen“, sagt Bönisch - kein Zweifel, dass ihm das gelingt.

„Es ist gut, dass es solch eine Stelle gibt, wild abladen kann man das Zeug ja nicht“, sagt Gerhard Henke, der mit seinem Anhänger voller Laub aus Zella angefahren ist, neben ihm parkt der Treysaer Marek Wienzek vor der riesigen Laubhalde.

Schlechte Laune bleibt zuhause

Bönisch hat ein Augenmaß für Masse und Preis, seit vier Jahren leitet er die Grünsammelstelle der Stadt, drei Tage in der Woche. Die übrige Zeit ist er seit vielen Jahren im Bauhof eingesetzt. „Davor war ich elf Jahre auf der Straße“, sagt der Mann - „als Lkw-Fahrer“.

Wer Bönisch begegnet, bekommt gute Laune, zwangsläufig. „Die schlechte Laune lasse ich immer zu Hause“, sagt er, der vor 30 Jahren aus Leipzig in die Schwalm gekommen ist. Am 11.11. 1989 war das, mitten in der Wendezeit. Erst ins Übergangslager nach Schwarzenborn, dann hat er in Sebbeterode gewohnt, seit vielen Jahren lebt er in Treysa. Den sächsischen Akzent hört man auch nach 30 noch heraus, aber vielleicht macht auch gerade das ihn so sympathisch.

Öffnungszeiten:dienstags 9 bis 16 Uhr, donnerstags 9 bis 18 Uhr, samstags 8 bis 13 Uhr – noch bis einschließlich kommenden Samstag, 7. Dezember, Winterpause bis 3. März.

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