Ein unzertrennliches Paar

Schwalmstadt: Gisela und Klemens Sack feiern Diamantene Hochzeit

Lieblingsplatz: Gisela und Klemens Sack genießen ihren Schattenplatz auf der Terrasse mit Blick in den Garten.
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Lieblingsplatz: Gisela und Klemens Sack genießen ihren Schattenplatz auf der Terrasse mit Blick in den Garten.

Gisela und Klemens Sack blicken auf eine bewegte, aber immer einträchtige Zeit zurück: 60 gemeinsame Ehejahre, dafür können sich die beiden heute feiern lassen.

Treysa. „Drei eigene Kinder, drei Schwiegerkinder und sieben Enkelkinder wurden uns geschenkt. Ein weiteres Enkelkind starb leider direkt nach der Geburt, ist aber in Gedanken immer bei uns“, erzählt die 84-jährige Jubilarin.

Als Gisela Sack im Februar 1945 als Flüchtlingsmädchen aus Schwerin in Momberg ankam, war sie gerade erst neun Jahre alt. Sie besuchte, genauso wie ihr zukünftiger Ehemann, die ortsansässige Volksschule bis zur achten Klasse. Dort begegneten sich die beiden dann auch zum ersten Mal. Obwohl gleich alt, ging der gebürtige Momberger Sack in die Klasse über ihr. In der Freizeit jedoch zog es die Schüler in die sogenannte Spinnstube, in der „die Mädchen gestrickt und die Jungs dumme Sprüche gemacht haben“, schmunzelt die Gisela Sack.

An einem dieser Abende dort kam es dann zum ersten Kuss. Der Pensionär erinnert sich noch ganz genau daran: „Wir haben uns in der Speisekammer versteckt.“ Eine schwierige Zeit sollte für die beiden frisch Verliebten folgen. „Nahezu jeder war gegen die Verbindung“, berichtet das Paar. Ein Flüchtlingsmädchen schien keine passende Partnerin zu sein.

Für Klemens Sacks Familie war der Tod der Mutter ein einschneidendes Erlebnis: Der Vater war mit der Landwirtschaft und den Kindern auf sich allein gestellt und heiratete bald wieder. Doch Klemens verstand sich mit der Stiefmutter nicht gut. Um unabhängig zu werden, begann er eine Ausbildung zum Zimmermann im Betrieb seines Onkels. Seine zukünftige Frau arbeitete in der Strumpffabrik. Sämtlicher verdienter Lohn wurde selbstverständlich zuhause abgegeben, um das Leben ihrer Eltern und der drei Geschwister mitfinanzieren zu können.

Hochzeit in Momberg

1957 wurde Klemens Sack einberufen. Zur Bundeswehr nach München, wo ihn das Heimweh plagte. Mit Gisela blieb er über Briefe in Kontakt. Bald wurde er in die Lüneburger Heide, später nach Kassel, Schwarzenborn und nach drei Jahren endlich wieder nach Treysa versetzt. Das Paar verlobte sich und wohnte bei den Schwiegereltern, „ohne fließend Wasser und eine Heizung in einer Zweizimmerwohnung“.

Hochzeit auf dem Hof: Am 23. Juni 1961 gab sich das Paar in Momberg das Jawort.

1961 fand die Hochzeit des Jubelpaares in Momberg auf dem Familienhof statt. Und es stellte sich bald Nachwuchs ein: Die Kinder der Sacks sind heute 59, 57 und 54 Jahre alt.

Familienhaus in Treysa

Seit 1990 ist der gebürtige Momberger in Pension und 1995 kauften die beiden das Familienhaus im Steinkautsweg in Treysa – ein Ort, an dem die gesamte Familie immer wieder gern zusammenkommt.

In seiner Freizeit genoss das Paar besonders in den 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre das Faschingstreiben rund um die Harthbergkanonen. Nach seiner Pensionierung war Klemens Sack 15 Jahre lang im Ortsbeirat in Treysa und zehn Jahre Stadtverordneter.

Gisela Sack ist schon immer sportlich: „Sobald wir in Treysa wohnten, habe ich mich beim ESV Jahn Treysa angemeldet und habe dort meine Gymnastikgruppe regelmäßig besucht, mit den Kindern war ich immer beim Kinderturnen.“ Es ging auch immer ein Mal pro Woche ins Europabad. Und das, obwohl sie nie Schwimmen gelernt hatte.

Mittlerweile fühlt sich das Paar zuhause am wohlsten: „Ich habe genug gesehen, quer durch Deutschland. Ich brauche das nicht mehr“, sagt Klemens Sack. Gisela fährt noch gern mit ihrer Schwester in Urlaub, unter anderem nach Israel: „Ich brauche ab und zu mal einen Tapetenwechsel.“ Die Jubilare wünschen sich noch einige gemeinsame Jahre, wissen aber, dass Zeit endlich ist: „Wenn ich sterbe, möchte ich in Treysa in einem Gemeinschaftsgrab mit meiner Frau beerdigt werden“, sagt der Jubilar. (Vanessa Schnücker)

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