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Ein Werk ohne Abschluss: Karl-Francis Bantzer

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Malerfamilien im Bantzer-Atelier: von links Elisabeth Bantzer, Lore Scheven, Heinrich Giebel, Hildegard Bantzer (vor dem Tisch, Frau Giebel, Wilhelm Thielmann, Alexandra Thielmann, Carl Bantzer, Helene Bantzer, Gerhard Bantzer, Herrmann Kathelhön (mit Gitarre), Adolf Lins, Francis Bantzer (auf dem Schoß von Lins), Heinrich Otto, Hermann Metz und Marigard Bantzer (auf dem Schoß von Otto), die Aufnahme könnte 1912 entstanden sein. © Johannes Prinz, Astrid Rau, Archiv

Carl Bantzer ist in der Schwalm ein wohlbekannter Name, aber nur wenige werden wissen, dass auch seine Kinder künstlerisch sehr talentiert und erfolgreich waren. Heute: Karl-Francis

Willingshausen/Marburg – Der Maler Karl Francis Bantzer ist nur wenigen Kunstliebhabern bekannt. Der Verfasser konnte durch Zufall ein Gemälde des Künstlers aus einer Sammlung in Oberursel erwerben, und so begann er mit den Recherchen über den für ihn bis dahin unbekannten Künstler.

Karl-Francis Bantzer war ein Sohn aus Carl Bantzers (1847-1942) zweiter Ehe. Seine erste Frau war nach der Geburt des Sohnes Arnold 1887 gestorben. In zweiter Ehe heiratete er Helene Darbishire und hatte mit ihr zwei Kinder (zwei Söhne und drei Töchter).

Sohn Karl-Francis, geboren am 4. August 1900 in Dresden, trat in die Fußstapfen seines Vaters. Durch ihn hatte er naturgemäß von Kindesbeinen an Umgang mit Kunst und Künstlern und sicher auch mit Willingshausen, dessen absterbende Künstlerkolonie jedoch keine sehr große Anziehungskraft auf ihn ausübte.

Viel mehr fühlte Karl-Francis Bantzer sich angezogen von der Kunst von dem damals schon sehr bekannten Maler Paul Baum, der auch sein Patenonkel war. Der Umgang mit Paul Baum, die Nähe dieser zarteren poetischen Kunst, diese Malerei, die ganz aus der Zeichnung kam, hatte ihn tief berührt. Hier spürte er etwas, das ihm verwandter war als die Kunst seines eigenen Vaters.

Seine Arbeiten waren deshalb im Stil seines Patenonkels und zeichneten sich durch zarte, helle Farbigkeit aus. Karl Francis Bantzer hat 1930 in Kassel, 1921 in Dresden bei Max Feldbauer und 1924/25 bei Walter Thielmann in Leipzig studiert. 1931 übersiedelte er nach Marburg, wo er ab 1934 als akademischer Zeichenlehrer an der Universität Marburg tätig war.

Nach einer Parisreise 1937 wurde er 1939 Soldat, 1940 entlassen und 1944 erneut eingezogen. Karl Francis Bantzer geriet 1945 in russische Gefangenschaft und wurde nach Kriegsende den Polen übergeben und kam zu einem Arbeitseinsatz in ein Kohlebergwerk bei Beuthen.

Noch in der Gefangenschaft entstanden die letzten Entwürfe zu einem großen Wandbild für die Marburger Universitätskirche. Leider konnte er diese Arbeit nicht mehr vollenden und starb am 3. Dezember 1945 im Alter von nur 45 Jahren an Entkräftung und Krankheit in polnischer Gefangenschaft.

Sein Werk blieb, wie das vieler Malerkollegen, als Torso zurück. Von den wenigen Arbeiten befinden sich einige in der Neuen Galerie in Kassel und im Universitätsmuseum Marburg. In Marburg hinterließ Karl Francis Bantzer eine Witwe mit fünf kleinen Kindern, die es in den Nachkriegsjahren sehr schwer hatte die Familie groß zu ziehen.

Zwei seiner Söhne, Claus Bantzer, geboren 1942, wurde ein bekannter deutscher Kirchenmusiker, Komponist und Dirigent in Hamburg, der ältere Bruder Christoph Bantzer, geboren 1936, wurde ein bedeutender Schauspieler. Dieser hatte als Theaterschauspieler in ganz Europa, unter anderem am deutschen Schauspielhaus, dem Thalia Theater, dem großen Schauspielhaus in Zürich und dem Wiener Burgtheater große Erfolge mit mehreren Hauptrollen.

Christoph Bantzer
Christoph Bantzer © Johannes Prinz, Astrid Rau, Archiv

Neben seinen Theaterengagements arbeitete Christoph Bantzer in vielen Filmen, hauptsächlich Fernsehproduktionen mit, unter anderem in Der Kommissar, Der Alte, Derrick, Bella Block, Tatort und vielen andere Serien. (Johannes Prinz)

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