Eine Ahnung von dem Bösen

Schwalm: Freunde und Familie Carl Bantzers litten unter dem Nazi-Regime

Eines seiner berühmtesten Gemälde: Der Schwälmer Tanz von Carl Bantzer.
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Eines seiner berühmtesten Gemälde: Der Schwälmer Tanz von Carl Bantzer.

Der Maler Carl Bantzer wurde schon früh mit den Folgen des Nationalsozialismus konfrontiert. Bantzers Schwiegersohn erhielt ein Berufsverbot.

Schwalm. 1935 hatte der Maler Carl Bantzer anlässlich der Salatkirmes in Ziegenhain eine Heimatausstellung unterstützt (HNA berichtete). Dass die Nazis die Liebe zur Heimat für die Entfesselung eines Krieges um die Vorherrschaft in Europa missbrauchten und Deutschland in Trümmer und Schande zurücklassen werden, davon hatte Geheimrat Bantzer (1857 bis 1941) durchaus eine Ahnung.

Von einer Verbannung der Partei unliebsamer Künstler aus den Museen berichtete ihm im April 1933 sein Schüler Conrad Felixmüller. Ein anderer Schüler, Löbering, informierte ihn, dass sein Schüler und Freund, Karl Hanusch als Direktor der Staatlichen Kunstschule für Textilindustrie in Plauen wegen „Kulturbolschewismus“ beurlaubt und später entlassen worden ist. Er kommentierte in einem Brief an seinen Sohn Arnold: „Musterzeichner sind jetzt anstelle der Fortgejagten berufen worden! Was heute doch die Minderwertigen erreichen können, wenn sie p.g. [=Parteigenossen] sind! Das ist ein trübes Kapitel. Wie soll bei solchem Vorgehen ein einiges und glückliches Deutschland mit dem neuen deutschen Menschen entstehen!“

Mehrmals beklagte er in Briefen, dass der Druck der Partei alle künstlerische Schaffensfreude lähme. Anfang 1934 kränkte ihn sehr, dass sein großes Abendmahlsbild, das 35 Jahre in der Nationalgalerie in Berlin einen Ehrenplatz inne gehabt hatte, von dem neuen NS-Direktor Hanfstängl abgehängt und ins Magazin gesteckt worden ist.

Schwiegersohn erhielt Berufsverbot

Noch näher rückte das ungeliebte Regime, als sein Schwiegersohn, Zeichner und Illustrator Erich Ohser, der mit Bantzers Tochter Marigard verheiratet war, wegen früherer „publizistischer Tätigkeit im marxitischen Sinne“ Berufsverbot erhielt. Mit seinen unter dem Pseudonym e.o.plauen veröffentlichten Vater Sohn Geschichten konnte er bis 1937 Frau und Sohn Christian einigermaßen durchbringen. Nach einer Denunziation sollte er am 6. April 1944 auf persönliches Verlangen von Goebbels zum Tode verurteilt werden. Er erhängte sich in der Nacht zuvor in seiner Zelle.

Das Schicksal der Juden blieb Bantzer in Marburg nicht verborgen. Anfang 1936 schrieb er an Zeller, dass der Bankier Baruch Strauß bei ihm gewesen sei, um Rat zu erhalten, „wie er seine Gemälde loswerden könnte. Seine Söhne sind außer Landes, er (…) müsste aber 70 Prozent seines Vermögens einbüßen. Nun muss er ohne eigene Wohnung in einer Pension leben und kann die Bilder nicht mehr gebrauchen. Ubbelohde, Thielmann, Baum und besonders ich sind darunter vertreten. Das Museum darf nicht von Juden kaufen.“ Ob er ihm helfen konnte, geht aus dem Brief nicht hervor.

Künstler kritisiert Pogrom

Über das Pogrom um den 9. November war Bantzer sehr empört. Er teilte seinem Sohn Arnold mit: „Das unerhörte Judenpogrom war sehr niederdrückend, vor allem durch die (…) Lüge, das deutsche Volk hätte spontan seiner Empörung über den feigen Pariser Mord Luft gemacht.

Der Mord war nicht feig, denn der Jude wusste, dass er ihn das Leben kosten würde. Die Anzündung der Synagogen und die Misshandlung der Juden war feig, denn diese Helden wussten, dass sie nicht nur straffrei davonkommen, sondern auch noch gefeiert werden würden.“ Und schon fast prophetisch: „Der Schaden, der dem deutschen Volk erwächst, ist noch gar nicht abzusehen.“ (Bernd Lindenthal)

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