Zwei Betriebe der Riebelings

Eine Familie, zwei Bauernhöfe: Biologische und konventionelle Landwirtschaft in Immichenhain und Zella

Vater und Sohn, Ulrich und Christoph Riebeling, setzen auf biologische und konventionelle Landwirtschaft in Immichenhain und Zella. Solch eine Kooperation ist bei EU-Biobetrieben ohne Verbandszugehörigkeit möglich. Es muss allerdings zwei Betriebsleiter geben. Bio und konventionell – für Betriebe, die einem Bioverband angehören, gilt dies hingegen nicht, dort muss eine strenge Bewirtschafter-Einheit vorliegen.
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Vater und Sohn, Ulrich und Christoph Riebeling, setzen auf biologische und konventionelle Landwirtschaft in Immichenhain und Zella. Solch eine Kooperation ist bei EU-Biobetrieben ohne Verbandszugehörigkeit möglich. Es muss allerdings zwei Betriebsleiter geben. Bio und konventionell – für Betriebe, die einem Bioverband angehören, gilt dies hingegen nicht, dort muss eine strenge Bewirtschafter-Einheit vorliegen.

Bio oder konventionell? Die Politik in Hessen fordert 25 Prozent ökologische Bewirtschaftung bis zum Jahr 2025 (aktuell liegen die Zahlen bei 15 Prozent).

Immichenhain / Zella – Mit der Pacht der Domäne Immichenhain wirtschaftet die Familie Riebeling aus Zella nicht nur auf zwei Betrieben, sondern auch auf unterschiedliche Weise: konventionell und bio. Schon kurz vor Immichenhain sind sie zu sehen, die schwarzen Rinder mit den runden Hörnern im Bodenbachtal – Wasserbüffel. Sie sind das einzige Vieh, das zum Dömänen-Hof gehört. „Die Tiere sind sehr friedlich und eignen sich sehr gut für die feuchten Wiesen hier“, sagt Christoph Riebeling, steigt aus und streichelt eine Wasserbüffel-Kuh.

Der 29-Jährige hat seit 2016 die Staatsdomäne mit ihren rund 200 Hektar – darunter 160 Hektar Acker- und 30 Hektar Grünlandflächen – vom Land Hessen gepachtet und den Betrieb nach EU-Bio-Richtlinien auf ökologische Landwirtschaft umgestellt. Im Groben heißt dies, es wird verzichtet auf chemisch-synthetische Mittel zur Unkrautbekämpfung und künstlichen Mineraldünger. Statt Pflanzenschutzspritze kommen Striegel und moderne Hacke mit Kamerasteuerung zum Einsatz, und gedüngt wird rein mit Gülle und Mist.

Zwölf Kilometer liegen die beiden Betriebe voneinander entfernt – für heutige Verhältnisse ein Katzensprung. Sie sind rechtlich und buchhalterisch getrennt, praktisch werden sie jedoch von Vater und Sohn gemeinsam bewirtschaftet, auch Maschinen sind auf beiden Betrieben im Einsatz. „Dem Traktor, Pflug ist es egal, der Mähdrescher muss vor dem Wechsel nur gut gereinigt werden“, so Ulrich Riebeling. Auch Auszubildender Jan Grein aus Fischbach arbeitet auf beiden Betrieben, im Frühjahr und Sommer helfen zudem Saisonarbeitskräfte.

Christoph Riebeling geht davon aus, dass er die Domäne bis zu seiner Rente bewirtschaften wird – wie sein Vorgänger Johannes Weber. Dabei hatte der 29-Jährige nach seinem Universitätsstudium an der Georg-August-Universität in Göttingen eigentlich vor, in Sachen Pflanzenzucht weiter zu forschen. Nun arbeitet er als praktischer Landwirt. „Mit der Domäne taten sich neue Perspektiven auf, das hat mich gereizt“, sagt er. Vor allem besondere Kulturen wie Mohn, Lein und Sonnenblumen möchte er anbauen, eine Nische finden. Denn die Preise für herkömmliches Bio-Getreide wie Hafer, Gerste und Weizen sind in den vergangenen Jahren um ein Drittel gefallen – es fehlt die Nachfrage.

Auf eine Zertifizierung durch einen Bio-Verband einhergehend mit teils strengeren Auflagen wird dabei verzichtet, nicht zuletzt der mehrere tausend Euro betragenden Mitgliedergebühren wegen. „Ich kann meine Früchte auch ohne Verband gut vermarkten“, sagt Christoph Riebeling. Um genügend organischen Dünger auf seine Felder zu bekommen und das als Zwischenfrucht zur Regeneration des Bodens angebaute Kleegras effizient verwerten zu können, kooperiert die Domäne mit dem konventionellen Milchviehbetrieb Wilke in Wincherode. Davon profitieren beide Betriebe, so Riebeling: „Wir bekommen Gülle und Mist auf unsere Felder geliefert und er hat Futter für die Tiere.“

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