Erwin Palatinus geht als Schulhausverwalter in den Ruhestand

Das war‘s: Zum Jahresende gibt Erwin Palatinus den Schlüssel der Grundschule am Alleeplatz in Ziegenhain (Hintergrund) ab. Foto: Rose

Ziegenhain. „Ich möchte, dass die Kinder und Lehrer sich hier wohlfühlen. Schule ist auch ein Stück Zuhause, ein Stück Familie", sagt Erwin Palatinus, Schulhausverwalter der Grundschule am Alleeplatz in Ziegenhain.

Fast 20 Jahre war der 63-Jährige aus Rörshain hier Mädchen für alles. Alles hielt Palatinus rund um die Gebäude und den Schulhof in Schuss, zusätzlich kümmerte er sich noch als Verwalter um das jetzige Jobcenter am Wallgraben. Zum Jahresende geht die gute Seele der Grundschule in Rente: „So richtig kann ich das noch gar nicht fassen. Mir hat die Arbeit einfach immer viel Spaß gemacht.“

Als Palatinus 1995 an die Schule kam, hatte er kurz zuvor seine Stelle als Schlosser bei Naxos verloren. Vorstellungen von den Aufgaben eines Hausverwalters habe er zunächst kaum gehabt: „Allerdings hatte ich mir immer gedacht, dass ein Hausmeister im grauen Kittel umher läuft.“ Den habe er in knapp zwei Jahrzehnten aber nur ein halbes Dutzend Mal getragen. Damals habe er den Schlüssel bekommen, eine kurze Besichtigung, Blick in ssein Dienstzimmer im Erdgeschoss. „Da stand kein einziger Aktenordner drin“, erzählt er.

Heute reiht sich Dokument an Dokument. „Für alles muss es Nachweise geben“, sagt Palatinus. Manches habe er aber auch einfach spontan fotografisch dokumentiert, etwa Schulfeste, den Aufbau des Lebkuchenhauses, das viele Jahre den Weihnachtsmarkt bereicherte, die alte, geschützte Eberesche auf dem Schulhof, bevor sie ein gewaltiger Blitz zerstörte.

Verantwortlich war der Schulhausverwalter für die Koordination der Raumpflegerinnen, freitags legte er selbst mit Hand an: Tafellappen einsammeln, Seifenspender und Papier auffüllen, Schmutzzonen wischen. „Und die vielen Umbauten.“ Zeitweise sei nicht nur in der Grundschule gebaut worden, sondern im Jobcenter und der früheren Landwirtschaftsschule. „Da habe ich dann auch noch nach dem Rechten geschaut.“

Ein Handy hat der 63-Jährige übrigens bis heute nicht: „Das liegt im Auto. Für den Notfall. Ich spreche lieber persönlich mit den Leuten - das ist einfacher.“

Als die Heizung der Schule auf Pellets umgestellt wurde, das sei schon „ein Akt für sich“ gewesen. „Klar fährt man da auch am Wochenende in die Schule, um zu schauen, ob alles läuft, zuhause wäre ich da unruhig geworden.“ Dieses Pflichtbewusstsein müsse man schon aufbringen, findet Palatinus.

Selbst im Urlaub schaute er jeden zweiten Tag in der Schule vorbei. Stets gefreut habe ihn, dass die Kinder ihm vertrauten. „Wer mir beim Müllsammeln geholfen hat, wurde mit einem Bonbon belohnt. Und ich habe den Kindern immer klar gemacht, dass Dinge wie Glasscherben auf dem Hof gefährlich sein können, wenn sie mich darauf hingewiesen haben, war ich immer glücklich. Dann kann man zufrieden nach Hause gehen.“

Oft sei er mit gemalten Bildern belohnt worden, viele davon hat er aufgehoben. Froh sei er, dass in „seiner Schule“ nie etwas Ernstes passiert ist. Gut verstanden habe er sich auch mit den Lehrern und Kollegen, zu einigen Pensionären bestehe immer noch guter Kontakt.

Im Ruhestand will Erwin Palatinus mehr Radfahren, sich um die Hunde und den Haushalt kümmern: „Meine Frau arbeitet noch und ich möchte ihr künftig mehr bieten als Bratkartoffeln oder Nudeln“, hat er sich vorgenommen. Vermissen werde er die Schule, das Stück Familie. „Aber ich statte ihr sicher ab und an noch einen Besuch ab.“

Von Sandra Rose

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