Kirchenland im Landkreis

Evangelischer Kirche gehören im Schwalm-Eder-Kreis fast 2000 Hektar Pachtland

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Nicht allein der Preis darf entscheiden: Landwirte kritisieren, dass Kirchengemeinden die Vergaberichtlinien für Pachtland unterschiedlich auslegen.

Schwalm-Eder. Kirchenland zur Pacht ist bei Landwirten sehr gefragt. Die Vergabe durch ein Bieterverfahren sehen viele von ihnen kritisch.

Pachtland ist bei Bauern im Kreis gefragt. Viele Landwirte, die ihren Betrieb auf wirtschaftlich stabile Füße stellen wollen, pachten Land hinzu. Nicht nur von Privatleuten, auch vornehmlich von der Evangelischen Kirche. 

In der Schwalm stehen 533 Hektar verpachtbare Flächen zur Verfügung, im Kirchenkreis Fritzlar-Homberg 1030 und im Kirchenkreis Melsungen 340 Hektar. 

Während andernorts, beispielsweise bei der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland (EKM), die Pachtpreise als verhältnismäßig hoch gelten, orientieren sich die Pachtpreise für Kirchenland im Kreis am ortsüblichen Niveau, heißt es aus dem Kirchenkreisamt. In der Schwalm ist ein Hektar ab 120 Euro zu haben, jedoch richtet sich der Preis stark nach der Bodenqualität – bis zu 450 Euro werden für ertragreiche Böden geboten. 

Land wird öffentlich ausgeschrieben 

Als Richtwert dienen sogenannte Bodenmesspunkte. Auch für Kirchenland gilt, dass es öffentlich ausgeschrieben werden muss. „Unser Anspruch ist ein transparentes Pachtverfahren“, erklärt Markus Eydt, Sachgebietsleiter Finanz- und Grundstückswesen beim Kirchenkreisamt Ziegenhain. 

Oberste Prämisse bei der Vergabe sei, örtliche Betriebe zu berücksichtigen. Und dass die Pächter erwerbsmäßig von der Landwirtschaft leben. Dabei sind etwa zwei Drittel der Flächen Pfarreiland, ein Drittel gehören der Kirchengemeinde, sagt Christian Wachter, Dekan des Kirchenkreises Ziegenhain. 

Die Erträge des Pfarrereilandes fließen in eine innerkirchliche Stiftung der Landeskirche, aus der auch die Besoldung der Pfarrer erfolgt, ein Teil bleibt den Gemeinden. In Melsungen haben aktuell 172 Landwirte Flächen von der Kirche gepachtet, in Fritzlar-Homberg sind es 536, in der Schwalm 362 Pächter. Gleichwohl sehen die Landwirte im Kreis die Entwicklung der Pachtpreise seit der Vergabe durch ein Bieterverfahren kritisch.

Die Gemeinden entscheiden

„Pachtland ist gefragt“, bestätigt Rainer Ochs, Landwirt aus Todenhausen und stellvertretender Vorsitzender des Regionalbauernverbandes Kurhessen. Galt vormals Kirchenland als günstig, seien durch das Bieterverfahren auch die Pachtpreise gestiegen. Was die Kollegen kritisieren sei, dass das Hauptkriterium in manchen Kirchengemeinden tatsächlich der gebotene Pachtpreis ist.

„Die Kirchengemeinden legen die Vergaberichtlinien unterschiedlich aus“, beschreibt Ochs den Eindruck vieler Landwirte. In Todenhausen beispielsweise habe der Kirchenvorstand entschieden, dass ein entscheidendes Kriterium die Mitgliedschaft des Landwirtes in ihrer Gemeinde sein soll. Ochs hält das für vernünftig und versteht auch, dass die Kirche ihre Preise angepasst hat. „Auch die Kirche muss sparen. Hinzu kommen viele nötige Kirchensanierungen.“ 

Markus Eydt vom Kirchenkreisamt Ziegenhain erläutert, dass das Land seit Jahrhunderten Eigentum der Kirche sei. „Die Kirche tritt nicht als Käufer auf. Grundstücke können nur im Tauschverfahren weitergegeben werden.“

Klassische Pachtdauer sind bei der Evangelischen Kirche zwölf Jahre, im Kirchenkreis Ziegenhain hat man sich auf eine Dauer von neun Jahren verständigt. „In Gesprächen mit den Landwirten haben wir erfahren, dass ihnen diese Dauer eher zupasskommt“, erklärt Eydt. Eine Praxis könne jeder Kirchenkreis selbst entwickeln.

Klärschlamm ist untersagt

Wer Kirchenland pachtet, der muss einiges beachten: Nicht gern gesehen wird es etwa, wenn das Feld an Sonntagen bewirtschaftet wird. Strikt untersagt ist das Aufbringen von Klärschlamm, auch genmanipuliertes Saatgut darf nicht verwendet werden.

Lokal in der Verantwortung stehen die Mitglieder der Kirchenvorstände, verdeutlicht Dekan Christian Wachter (Ziegenhain): „Das Thema ist sensibel. Da kann es bei der Vergabe in einem Ort durchaus zu Konflikten kommen. Man will ja auch keinen Unfrieden im Dorf schaffen.“

Im Kirchenkreis Ziegenhain klappe die Praxis gut. Härtefälle, in denen sich Kirchenvorstände ratsuchend an ihn gewandt hätten, habe es bisher nicht gegeben, so der Dekan. Beratend stünden den Kirchenvorständen die Mitarbeiter der Fachstelle Kirche im ländlichen Raum rund um den Verpachtungsprozess zur Seite.

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