Fangstation für die Forschung

Hessenweites Pilotprojekt: Universität Gießen untersucht Wildschweinjagd mit Fallen

Wildschwein mit Kindern
+
Gefahr der Schweinepest: Groß ist auch in Hessen die Sorge, dass Wildschweine die Seuche übertragen können.

In einem bundesweiten Pilotprojekt untersucht die Uni Gießen im Auftrag des Landes, wie Wildschweine tiergerecht erlegt werden können – auch im Bundesforst des Truppenübungsplatzes in Schwarzenborn.

Schwarzenborn / Oberaula. Während es den Wildschweinen dank ausreichender Nahrung in Flur und Furche besser geht denn je, steigt die Gefahr, die Tiere könnten die in Brandenburg und Sachsen grassierende Afrikanische Schweinepest (ASP) nach Hessen übertragen. In einem bundesweiten Pilotprojekt untersucht die Uni Gießen im Auftrag der Landesregierung, wie Wildschweine tiergerecht erlegt werden können – auch im Bundesforstgebiet des Truppenübungsplatzes Schwarzenborn.

Hier im abgeriegelten militärischen Gebiet standen bis vor wenigen Tagen zwei von acht großen Wildschwein-Fallen im Wald. Um das Forschungsprojekt nicht zu stören, sollte der genaue Standort der acht Mal acht großen Fallen geheim bleiben, so Christoph Göbel, Leiter des Bundesforstbetriebs Oberaula. Die Fangstationen waren mit Wildkameras und hoch technisierten Kameras bestückt. Die mit Futter in die Falle gelockten Wildschweine wurden so lange rund um die Uhr beobachtet, bis eine ganze Rotte in die Falle gegangen war – „dies dauerte oft über Wochen“, sagt Johannes Mies. Er ist einer von sechs Mitarbeitern des Bundesforsts in Oberaula, den die Universität Gießen geschult hat, um die Tiere in der Falle zielsicher zu erlegen.

„Wir können die Fallen per Funk in Echtzeit auslösen“, beschreibt Veterinär Prof. Dr. Michael Lierz von der Uni Gießen den Vorteil – „ohne Zeitverzögerung“. So bestehe keine Gefahr, dass ein Tier wieder ausbreche und allein zurückbleibe. Dafür brauche es eine ausgeklügelte Technik: „Schweine sind sehr schlau, wahnsinnig intelligent.“ Wenn ein einzelnes Schwein in die Falle gehe, müsse das Team sicher sein, dass es sich um ein männliches Tier handele.

Stressbelastung wird verglichen

Am Ende werde in der wissenschaftlichen Untersuchung die Stressbelastung der Tiere in der Falle mit ihrem Zustand bei herkömmlichen Fangmethoden verglichen. „Wenn die Schweinepest irgendwo ausbricht, will man nicht, dass die Wildschweine weglaufen und die Erreger verteilen“, verdeutlicht Lierz.

Das Thema Saufang sorgt unter der Jägerschaft indes für Emotionen. Während der Landesjagdverband das aus der Jagdabgabe des Verbandes finanzierte Projekt von Beginn an kritisiert, distanziert sich der Verband entschieden von anonymen Schreiben, wie sie der Leiter des Bundesforstbetriebs Göbel im Mai erhalten hat. Der HNA vorliegende anonyme Brief endet mit dem Satz: „Passen Sie gut auf sich auf.“

Der Drohbrief sei ein Einzelfall, sagt Lierz. Anders als in Bayern oder Brandenburg gebe es in Hessen keine Tradition für den Saufang als Jagdmethode. Der Saufang an sich stehe nicht mehr zur Diskussion. Allerdings, so Lierz: „Saufänge sind kein Allheilmittel, um sich der Wildschweine zu entledigen.“ Es sei ein extrem aufwendiges und teures Verfahren.

Der Saufang werde daher nur ganz spezifisch eingesetzt werden können in Situationen, in denen die auseinanderlaufenden Wildschweine mit bloßen Waffen nicht getötet werden können – wie etwa in der Nähe von Autobahnen. (Kerstin Diehl)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.