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Schwalm-Eder: Fitnessstudios verlieren Mitglieder

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Von: Lea Beckmann, Hannah Köllen

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Melanie Neumann, Inhaberin des Fitnessstudios, desinfiziert das Gerät nach der Benutzung.
Melanie Neumann, Inhaberin des Fitnessstudios, desinfiziert das Gerät nach der Benutzung. © Lea Beckmann

Seit zwei Jahren kämpfen Fitnessstudios nun schon mit der Corona-Pandemie und ihren Einschränkungen und Regeln. Dabei mussten sie schon einige Rückschläge einstecken.

Schwalm-Eder. „Die Lage ist immer noch angespannt, weil Kunden natürlich immer noch verunsichert sind – seit Samstag sind die Studios wieder regulär, das heißt ohne Testpflicht, geöffnet“, sagt Matthias Pflanz, Inhaber des Vitalis Fitness- und Gesundheitszentrums in Neukirchen. Mittlerweile kommen zu ihm noch 60 Prozent seiner Kunden. „Wir haben 30 Prozent innerhalb der Corona-Pandemie verloren“, erklärt er. Der Grund: Der Lockdown – die Fitnessstudios mussten sieben Monate komplett schließen. Für Pflanz war das eine harte Zeit. „Fitnessstudios haben die niedrigsten Inzidenzzahlen, hier wird das Immunsystem gestärkt“, ist er überzeugt. Immerhin habe es zum Jahresbeginn einige Neuanmeldungen gegeben, aber „alles nicht in der normalen Fülle“, erklärt der Betreiber. Auch aktuell sei von einer Entspannung nicht zu sprechen. „Wir sind von normalen Umsatzzahlen meilenweit entfernt.“

So fällt auch die Bilanz von Janina Kroll, stellvertretende Geschäftsführerin des Medizinischen Gesundheitszentrums in Melsungen, aus: „Wir haben, wie die meisten in unserer Branche, einen deutlichen Verlust erlitten.“ Sie sei sehr froh über die Stammkunden, die das Studio unterstützt hätten. „Dennoch ist es nach wie vor schwer für unsere Branche, weil eben auch Menschen Angst haben, zum Sport zu kommen“, erklärt Kroll. Die Pandemie habe „eine spürbare Verunsicherung bei den Menschen hinterlassen“. Im Gesundheitszentrum werden seit Beginn von Corona auch Online-Kurse angeboten. „Unsere Mitglieder haben so von überall die Chance, sich einzuwählen und mitzumachen“, sagt Kroll. Auch für Markus Küster, Betreiber des Fitnessstudios Fit for Life in Fritzlar, ist die Lage sehr schwierig. „Seit November 2021 haben wir etwa 50 Prozent weniger Neuanmeldungen im Vergleich zu den Jahren vor Corona“, sagt er. Das liege einerseits daran, dass zurzeit 20 bis 30 Prozent der Gesellschaft die Fitnessstudios nicht besuchen dürften. „Andererseits besteht gerade bei der älteren Generation eine große Angst. Diese Gruppe fehlt auch bei den Neuanmeldungen“, erklärt Küster. Der Inhaber geht aber nicht davon aus, dass die Center bei hohen Zahlen wieder geschlossen werden.

Harte Zeit für Studiobetreiber

„Das ist ein Tiefpunkt nach 41 Jahren in denen ich das Fitnessstudio betreibe“, bilanziert Rainer Harrer, Inhaber des Fitnessstudios Muskelschmiede und In-Flexx-Sport in Ziegenhain, die vergangenen zwei Corona-Jahre. Als er das Fitnessstudio schließen musste, war das eine harte Zeit. „Wir hatten zum Glück einen treuen Kundenstamm, der weiterhin die Beiträge gezahlt hat und unser Vermieter hat nur die Hälfte der Miete verlangt“, sagt er. Und auch eine Corona-Hilfe gab es, aber „das war nur ein Tropfen auf einen heißen Stein.“

Das Fitnessstudio hat in den zwei Jahren einen Mitgliedereinbruch erlitten. „Wir haben 25 Prozent der Kunden verloren“, erklärt Harrer. Die Wochen nach den Winterferien seien eigentlich die stärkste Zeit für Neuanmeldungen. Doch dieses Jahr sei es „ganz schlecht“ gewesen. Lange Zeit, nämlich bis vergangenen Samstag, galt die 3G-plus-Regel im Studio.

Die vorherige Umsetzung von 2G-plus bereitete dem Inhaber zumindest durch ein gutes System keine Probleme: „Bei uns hatten alle Kunden einen elektronischen Chip, mit dem sie sich anmelden und nach dem Training wieder abmelden können“, sagt er. So habe der Inhaber gewusst, wer wie lange im Fitnessstudio war und beim Einlesen des Chips sei der Impf- und Genesenenstatus hinterlegt. Mittlerweile läuft der Betrieb wieder regulär, auch die Umkleideräume sind wieder geöffnet. „Im vergangenen Jahr mussten die geschlossen bleiben“, erläutert Inhaberin Melanie Neumann.

Gianni Pascuzzi (43) trainiert regelmäßig im Fitnessstudio Muskelschmiede und In-Flexx-Sport in Ziegenhain.
Gianni Pascuzzi (43) trainiert regelmäßig im Fitnessstudio Muskelschmiede und In-Flexx-Sport in Ziegenhain. © Beckmann, Lea

Vorgaben irritierten Freizeitsportler

Vor allem manche Vorgaben, etwa wann und wo Masken getragen werden mussten, haben die Besucher irritiert: An den Geräten durfte sie abgenommen, beim Gang zum nächsten Gerät musste sie getragen werden. „Ich habe das nicht verstanden“, sagt Gianna Pascuzzi aus Ziegenhain. Der 43-Jährige trainiert seit zehn Jahren im Fitnessstudio. „Ich bin ein treuer Stammkunde und wünsche auch den Fitnessstudiobetreibern, dass es wieder bergauf geht“, sagt er.

Trotzdem, das gewohnte Bild wird sich wohl vor allem vor der Hintergrund der vielen Neuinfektionen so schnell nicht wieder zeigen – wer trainieren will, muss zu Desinfektionsmittel und Papierhandtüchern greifen. Der Inhaber hatte für die strengen Corona-Regeln nicht viel Verständnis: „Fitnessstudios waren und sind keine Infektionstreiber“, meint Harrer. Er freut sich deshalb sehr, dass der Betrieb jetzt weitgehend normal laufen könne. Dass er sein Fitnessstudio nochmals schließen muss, davon geht Harrer nicht aus. (Lea Beckmann, Hannah Köllen, sro)

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