Müllberg auf dem Harthberg

Florian Hahn aus Treysa untersucht Biodiversität

Sechs Kubikmeter Müll, gesammelt in einem Jahr auf dem Gelände der ehemaligen Harthbergkaserne in Treysa: Die Fläche war insgesamt nur so groß wie ein Fußballfeld, auf dem von links Florian Hahn, Sheryl Ann Kurz und Sascha Hahn den Unrat gefunden haben.
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Sechs Kubikmeter Müll, gesammelt in einem Jahr auf dem Gelände der ehemaligen Harthbergkaserne in Treysa: Die Fläche war insgesamt nur so groß wie ein Fußballfeld, auf dem von links Florian Hahn, Sheryl Ann Kurz und Sascha Hahn den Unrat gefunden haben.

Nicht wegsehen, sondern handeln: Dies hat sich Florian Hahn auf die Fahne geschrieben – und sammelt seit einem Jahr Müll auf dem ehemaligen Kasernengelände am Treysaer Harthberg.

Schwalmstadt – Das Abfallsammeln ist mehr als sein ganz persönlicher Beitrag für eine saubere Umwelt. „Wir machen Umwelttechnik sexy“, sagt der 33-Jährige. Der angehende Industriedesigner aus Schwalmstadt ist dabei, gemeinsam mit seinem Bruder Sascha Hahn und dem Frankfurter Kommilitonen Lukas Porstner ein Designstudio zu gründen, das sich mit Umwelttechnologie beschäftigt. „Artenmetropole“ nennt das Team die Geschäftsidee. Genaueres dürfe noch nicht verraten werden, so Hahn, nur so viel: „Wir verbrauchen keine Fläche, sondern optimieren sie.“

Ziel sei es, auf „unkonventionelle, nachhaltige und zudem ressourcenschonende Weise“ ein Zuhause für Insekten, Vögel und Tiere aller Art zu schaffen und damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Umwelt zu leisten.

Dabei arbeitet das Team erst mal ganz bodenständig: Jeden zweiten Freitagnachmittag trifft sich der Schwalmstädter mit seinen Mitstreitern – seinem Bruder Sascha Hahn (36) und seiner neunjährigen Tochter Sherly Ann Kurz zum Müllsammeln auf dem Harthberg.

Mit Greifzange und Müllsack bestückt sammeln sie Abfall auf – vom Straßenrand, aus Hecken, hinter Firmengebäuden und zwischen Wohnungstrakts. Zwei Drittel Industriegebiet, ein Drittel Wohngebiet, zusammen so groß wie ein Fußballfeld ist die Fläche, die sie Woche für Woche auf dem ehemaligen Kasernengelände abgrasen.

Was sie in einem Jahr alles fanden, ist erstaunlich: Von verwehten Kunststoff-Isolierungsteilen über Corona-Schutzmasken, bis hin zu Elektrogeräten, Altöl, kleinen Schnapsflaschen und immer wieder Verpackungsmüll von mitgebrachten Speisen – Pizzakartons, Styrophor-Behälter, Trinkbecher – insgesamt sechs Kubikmeter Müll. Sie haben ihn gehortet in sechs großen Big Packs.

„Es hat uns überrascht, wie viel es geworden ist“, sagen die Brüder – und auch die neunjährige Sherly staunt nicht schlecht, als sie den gesammelten Müll auf einem Haufen sieht. „Die Leute lassen einfach alles liegen – Tendenz steigend“, beobachtet das Team. „Seit Corona ist es mehr geworden, hier finden am Wochenende auch oft Partys statt“, beobachten Florian und Sascha Hahn. Verschärft werde das Problem dadurch, dass es auf dem Harthberg keine öffentlichen Mülltonnen gibt. Damit die Bausteine für mehr Biodiversität funktionieren können, müssten jedoch erst einmal negative Umwelteinflüsse wie der auf dem Hartberg zu findende Müll beseitigt werden.

Florian Hahn hat als erstes kleine grüne Schilder entworfen, die dazu animieren sollen, Abfall nicht einfach liegen zu lassen. Hahn: „Die Schildern möchten wir in Absprache mit der Stadt auf dem Kasernengelände aufstellen“, sagt Hahn. Ganz nach seiner Devise: „Nicht wegsehen, sondern handeln.“

Florian Hahn aus Treysa untersucht Biodiversität: Stipendium vom Land Hessen 

Seit 2013 haben Florian und Sascha Hahn am Harthbergring auf einem ehemaligen US-Militär-Stützpunkt ein Grundstück von der Stadt angemietet. Das alte Technikgebäude in den typischen Militär-Tarnfarben ist nicht nur ein ziemlich cooler Ort, in der man auch mal die Nacht zum Tag machen kann, sondern dient nun als Keimzelle des neuen Unternehmens in Sachen Umwelttechnologie.

Wo wäre der Müll, wenn sie ihn nicht aufgesammelt hätten? Wie viel mehr Müll wäre es, wenn sie wirklich jeden Schnipsel gefunden hätten?

Und schließlich: Wie kann Produktdesign der Umwelt helfen? Es sind Fragen wie diese, die Florian und Sascha Hahn sowie ihr Partner Lukas Porstner bei den Plänen für ihr Unternehmen beschäftigen.

Das Kasernengelände sei ideal für ihre Geschäftsidee: Es bietet genügend Platz, um hier haushohe Module für Tiere und Pflanzen zu installieren und damit die Biodiversität in dem Stadtrand- und Industriegebiet zu steigern.

Für ihre Geschäftsidee hat das Team bereits ein sogenanntes „Hessen-Ideen-Stipendium“ erhalten, mit dem die Landesregierung sechs Monate lang Projekte von Hochschulabsolventen fördert. Wissenschaftlich begleitet wird die Studie zur Steigerung von Biodiversität von Biologen der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Frankfurt.

Mögliche Kunden des geplanten Designstudios könnten Firmen oder Bauträger sein, die einen Beitrag zur Umwelt leisten möchten oder Auflagen für ökologische Ausgleichsmaßnahmen erfüllen müssen. Die wissenschaftliche Studie, die Florian Hahn im Rahmen seiner Diplomarbeit an der Hochschule für Gestaltung Offenbach anfertigt, soll zeigen, welches Potenzial in dem Unternehmen steckt.

hessen-ideen.de/stipendium/stipenidaten/20211

(Kerstin Diehl)

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