Nach Misshandlungen in Nordrhein-Westfalen

Flüchtlinge im Schwalm-Eder-Kreis werden zu keiner Zeit bewacht

Schwalm-Eder. Schockierende Bilder von Flüchtlings-Misshandlung in Heimen in Nordrhein-Westfalen werfen Fragen auf: Sind solche Übergriffe durch private Sicherheitskräfte im Schwalm-Eder-Kreis ausgeschlossen?

Immerhin 900 Frauen, Kinder und Männer leben derzeit bei uns, in Heimen und Privatunterkünften. Das ist eine Rekordanzahl, wie Silvia Scheffer vom Diakonischen Werk des Kreises (Flüchtlingsberatung, Homberg) berichtet.

Verträge mit privaten Sicherheitsfirmen gibt und gab es im Kreisgebiet aber überhaupt nicht, antwortete der Erste Kreisbeigeordnete Winfried Becker auf HNA-Anfrage. Vor Jahren sei ein Nachtdienst zum Schutz des mit weit über 100 Menschen belegten Hauses auf dem Treysaer Harthberg im Gespräch gewesen, so Silvia Scheffer, doch realisiert wurde das nicht.

Tatsächlich ist tagsüber ein Hausverwalter der Betreiberfirma Human Care anwesend, zu festen Zeiten sind Mitarbeiter von der Betreuerstelle des Kreises in den Einrichtungen anzutreffen. Sie zahlen den Bewohnern auch ihre Unterstützung aus, laut Silvia Scheffer 290 Euro pro Erwachsenen.

Eine Beaufsichtigung rund um die Uhr, eine Überwachung oder gar Verriegelungen gibt es in den Unterkünften definitiv nicht.

Und was passiert, wenn es zum Beispiel nachts zu einem medizinischen Notfall oder einer handgreiflichen Auseinandersetzung kommt? Laut Silvia Scheffer rufen die Menschen dann durchaus wie jeder andere die Polizei oder den Notarzt - „die haben alle ein Telefon“.

Zugleich liege es auf der Hand, dass zumindest vor und nach den Dienstzeiten der Hausverwalter auch Menschen in den Unterkünften ein- und ausgehen können, die dort nichts verloren haben. Auch deshalb sind „große Häuser immer nur ein Notbehelf für Übergangsphasen“, sagt Silvia Scheffer.

Von Anne Quehl

Mehr in unserer Donnerstagausgabe.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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