Flugfiguren in der Box

20. Kunstflugwoche endete am Wochenende in Ziegenhain

Roman Breitenbach, David Friedrich, Peter und Carsten Scholz und Martin Schmerer. Peter nahm für unser Foto Platz im Cockpit des Segelfliegers.
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Pilot von morgen: Roman Breitenbach, David Friedrich, Peter und Carsten Scholz und Martin Schmerer. Peter nahm für unser Foto Platz im Cockpit des Segelfliegers.

Eine Woche lang zeigten Segelflieger über der Schwalm ihr Können. Anlässlich der 20. Segelkunstflugwoche der Flugsportvereinigung Schwalm waren Piloten aus ganz Deutschland nach Ziegenhain gekommen.

Ziegenhain. Der zweieinhalbjährige Max konnte zwar kaum über die Tragflächen des Segelfliegers blicken, dennoch aber packte der kleine Nachwuchspilot tatkräftig mit an, als seine Mama Julia und Papa Peter Turczak die gerade gelandete Kunstflugmaschine an den Rand des Flugfeldes schoben.

„Segelkunstflug ist für uns zum Familienhobby geworden“, erklärte die junge Familie. Während der Papa sich in Sachen Segelkunstflug weiterbildete, genossen Mama und Sohnemann das familiäre Ambiente und die Weite des Flugplatzes der Schwalm.

„Da ein Flug nur 20 Minuten dauert, bleibt beim Kunstflug Zeit für die Familie. Langstreckenflüge würden für die Familie zu lange dauern“, so Peter Turczak, der so auch Zeit für Familienausflüge in der Region fand.

Die Nachfrage nach Teilnehmerplätzen war in der 20. Segelkunstflugwoche der Flugsportvereinigung Schwalm, die in Kooperation mit der Kunstfluggemeinschaft Hessen zu dem einwöchigen Lehrgang geladen hatte, ausgesprochen hoch. Viele Flugwettbewerbe seien durch die Corona-Zeit ausgefallen und so sehnten sich Newcomer und auch erfahrene Piloten nach entsprechenden Angeboten.

Anpacken: Julia, Max und Peter Turczak schieben einen Segelflieger in Position. Die Familie genoss das entspannte Ambiente auf der Kunstflugwoche in Ziegenhain..

Sicherheitstraining für den Ernstfall in der Luft

„Manche sehen die Kunstflugausbildung als eine Art Sicherheitstraining für das gewöhnliche Segelfliegen, andere lieben den Nervenkitzel des Kunstflugs so sehr, dass sie sich auf Wettbewerbe bei uns vorbereiten“, beschreibt Lehrgangsleiter Martin Schmerer die Motivation. Jeder Segelflugpilot könne immer mal in eine Situation kommen, wo er beim Fliegen aus der Normallage geraten ist, und dann sei es gut, wenn man schon Erfahrungen mit Rollen, Loopings, Turns und Co. gesammelt habe.

Die Segelflugpiloten turnten vorgegebene Figuren in einer gedachten Box von 1000 mal 1000 Metern im Himmel ab, starteten dabei in 1200 Meter Höhe und durften bis auf 200 Meter über dem Boden ihre letzte Figur fliegen. Viel Zeit blieb dabei nicht, dann nach knapp fünf Minuten war die Kunstflugerfahrung für die meisten schon wieder vorbei. „Nur die ganz Erfahrenen schaffen es, sich länger in der Luft zu halten“, so Schmerer, der in seinem Teilnehmerfeld aber auch Ebensolche ausmachen konnte. David Friedrich beispielsweise wurde 2011 Weltmeister bei der Segelfliegerteam-Weltmeisterschaft in Polen und nutzte in der Schwalm nun die Gelegenheit, um geforderte Parts seiner Fluglehrerausbildung zu absolvieren. „Wir haben zahlreiche Flugschüler aus Holland bei uns zu Gast“, erklärt Schmerer, der weiß, dass die Ziegenhainer Kunstflugwoche vor allem auch wegen ihrer guten Rund-um-Versorgung bei Piloten geschätzt wird. Ein großes Küchenteam umsorgt die Flieger vom Frühstück bis zum Abendessen und lässt damit genug Freiraum für das Hobby. So fühlten sich auch die Kinder von Carsten Scholz auf dem Flugplatz wohl.

Segelflieger ist nicht gleich Segelflieger, denn gerade die Swift S1, löste bei vielen Nachwuchspiloten ein Staunen aus. „Solch eine Maschine fliegt auf Weltmeisterschaften. Sie gehört zur Bundesliga der Segelflieger“, so Schmerer. Solch ein Wettkampfflieger sei für besondere G-Belastungen ausgelegt, dabei äußerst wendig im Flugverhalten. Für die Segelkunstfluganfänger bestimmt kein Einsteigermodell, doch im Schatten der Tragfläche konnten sich die Kunstflieger von morgen immerhin entspannen. (Regina Ziegler-Dörhöfer)

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