Im Hotel Rosengarten war auch Willy Brandt zu Gast

Schwalmstadt: Gastlichkeit mit viel Geschichte

Mit rund 400 Jahren eines der ältesten und schönsten Fachwerkhäuser der Stadt ist der Rossengarten, ursprünglich der Burgmannensitz.
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Mit rund 400 Jahren eines der ältesten und schönsten Fachwerkhäuser der Stadt ist der Rossengarten, ursprünglich der Burgmannensitz.

Römische Garküchen, Klosterschenken, Zapfwirte: Bis in die Antike reicht die Geschichte der Gasthäuser zurück. Wir stellen das Hotel Rosengarten in Ziegenhain vor.

Ziegenhain – Was verbindet so bekannte Personen wie Willy Brandt, Mike Krüger, Ilse Werner, Petra Kelly, Ingrid Steeger, Stefan Bellof, US-General Bernard Rogers, Elmar Gunsch, Heinz Riesenhuber, Tony Marshall oder Holger Obermann und Hans Meiser? Sie alle und noch viele weitere mehr oder weniger prominente Politiker, Künstler und Sportler waren über die letzten Jahrzehnte Gäste im Hotel Rosengarten in Ziegenhain.

Gegründet als Gastwirtschaft schon vor über 140 Jahren im alten Burgmannensitz im historischen Zentrum Ziegenhains (Artikel unten) wurde das damalige Wirtshaus und Speiselokal durch die Familie Schmitt betrieben. Im 20. Jahrhundert besaß und führte dann die Familie Knauf fast 90 Jahre über drei Generationen das Lokal mit Fremdenzimmern.

Burgmannensitz ist seit über 140 Jahren Gasthaus

Die Geschichte des Rosengartens ist eng verbunden mit der Geschichte der ehemaligen Wasserfestung in Ziegenhain. Da, wo heute der Rosengarten steht, hatten die Vasallen des Landgrafen von Ziegenhain, die Geschlechter von Lymesfelt und Waltvogel, bereits um 1200 einen Burgmannensitz errichtet. Städtebaulich bildete der Rosengarten mit dem gegenüberliegenden Gebäude eine Art Tor zum Festungseingang. Um 1620 wurde von einem Nachkommen derer von Waltvogel, Reinhard von Lüdden, an der Stelle des bisherigen Hauses ein neuer Burgsitz errichtet, welcher bis heute besteht.

Das Besondere an dem kunstvollen Fachwerkhaus sind die beiden dreigeschossigen Erker, welche über den schmalen Unterbau hinausragen.

Im Jahr 1760 ging der Burgmannensitz in den Besitz derer von Ditfurth. Noch heute ist das Wappen der v. Ditfurths am Säulenportal zu sehen und zeugt von der damaligen Handwerkskunst. Im Jahr 1876 wurde das Gebäude an die Familie Schmitt aus Ziegenhain verkauft. Seit dieser Zeit fand das Herrenhaus als Gastwirtschaft Verwendung. Bei Renovierungsarbeiten wurde noch die damalige Inschrift „Gasthaus Schmitt“ freigelegt.

Damals entstand auch die heutige Bezeichnung „Rosengarten“ für das Lokal. Im Jahr 1905 wechselte wiederum der Besitzer; Käufer war ein Herr Bohnsack. Dieser verkaufte das Gebäude bereits 1909 an den Gastwirt Heinrich Knauf. Im Jahr 1947 übergab dieser den Besitz an seinen Sohn Hans Knauf. 1970 übernahm Enkel Hans-Jost Knauf den Betrieb in dritter Generation. Heute werden Hotel und Restaurant von Antje und Lothar Schmidt geführt.

Eine aufwendige Sanierung ab 1996 konnte das damals marode Gebäude vor Verfall und Abris retten. Bei den Bauarbeiten fanden sich sogar Reste der alten Stadtmauer und Fundamente eines Stadttores. Das heute in alter Pracht erstrahlende Gebäude gehört zu den meist fotografierten Motiven von Stadtbesuchern in Ziegenhain und findet sich auf den allermeisten touristischen Portalen mit Reisetipps für die Schwalm. 2001 erhielten das Fachwerkhaus und sein Besitzer, Familie Knüttel, eine bundesweite Auszeichnung für denkmalgerechte Sanierung durch die Arbeitsgemeinschaft „Historische Fachwerkstädte“. zua

Wirte erinnern sich an viele Anekdoten

Annechristel (70) und Hans-Jost Knauf (79) erinnern sich noch an viele Anekdoten und Entwicklungen in der Geschichte des Gaststätten- und Hotelbetriebs im Rosengarten.

Hans-Jost Knauf am Zapfhahn.

„Bis in die fünfziger Jahre wurde unser Kinosaal auch für Sportveranstaltungen wie z.B. Boxkämpfe benutzt. Der Kinobetrieb lief noch bis 1969. Für Tanzveranstaltungen wurde die Bestuhlung immer demontiert und danach wieder fest im Boden verschraubt. Auch unsere Freiluftkegelbahn wurde gerne genutzt,“ denkt Hans-Jost Knauf zurück an seine Kindheit und Jugend im Gasthaus. „Ein ganz besonderer und Dauergast war Vincent Burek. Er hatte nach seiner Übersiedlung in die Schwalm 1947 in unserem Haus sein erstes eigenes Atelier. Bildliche Hinterlassenschaften finden sich noch immer im Gebäude“, erzählt Annechristel Knauf, geb Spanknebel, aus der Familienhistorie.

Die hier stationierten amerikanischen Soldaten nutzten den Rosengarten in der frühen Nachkriegszeit als Klublokal und konkurrierten mit den Ziegenhainer Kirmesburschen um die wenigen Musikkapellen für ihre Veranstaltungen.

Nach seiner beruflichen Laufbahn als Koch unter anderem in der Schweiz und in Frankreich übernahm Knauf 1970 den elterlichen Betrieb, modernisierte ab 1974 die Zimmer, erweiterte den Hotelbetrieb um ein neues Beherbergungsgebäude und baute zwei größere Festsäle an. Nach der Heirat 1977 unterstützte ihn seine Frau Annechristel trotz ihrer beruflichen Tätigkeit als Lehrerin nach Kräften.

Renovierung kostetet viel Geld

Über die Jahre entwickelte sich der „Rosengarten“ zu einem gediegenen und über die Grenzen der Schwalm hinaus bekannten Restaurant und Hotel. „Unser Familienleben incl. eigener Wohnung im ersten Stock des alten Gebäudes fand praktisch in der Gastwirtschaft statt“, erklärt Annechristel Knauf. „Unsere beiden Töchter erinnern sich noch heute gerne an unsere gemeinsame, manchmal trubelige Zeit im Rosengarten zurück.“

Aufgrund gravierender Schäden an der alten Bausubstanz und auch zunehmender statischer Probleme musste das Gebäude nach einer aufwendigen Begutachtung unter Beteiligung des Landesamtes für Denkmalpflege ab 1996 umfassend saniert werden. Da die zu erwartenden Kosten von damals 2,5 Millionen D-Mark trotz finanzieller Unterstützung von Land und Stadt die finanziellen Möglichkeiten der Eigentümerfamilie Knauf überforderten, wurde das historische Gebäude an einen Freund und weitläufig Verwandten, Hans-Dieter Knüttel, für einen symbolischen Betrag verkauft.

Die aktuellen und die vormaligen Wirte: Von links Antje Schmidt-Singhoff, Lothar Schmidt sowie Annechristel Knauf und Hans-Jost Knauf.

„Hans-Dieter lag der Rosengarten als auch persönlich sehr am Herzen. Ohne dessen Engagement gäbe es das Hotel und Restaurant in dieser Form nicht mehr. Dafür danke ich ihm noch heute,“ betont Hans-Jost Knauf.

Nach kompletter Kernsanierung und Neugestaltung der Gasträume konnte Familie Knauf als Pächter den Betrieb ab September 1997 wiedereröffnen.

Von Ute-anemone Lorenz

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