Gedenken an die Kaufmanns

Weitere Stolpersteine für Ziegenhainer Juden verlegt

Stolpersteine der Familie Kal Kaufmann in Ziegenhain
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Sie erinnern an das Schicksal: Stolpersteine für die Familie Karl Kaufmann, weitere fünf wurden in der Kasseler Straße 23 Foto verlegt

In Ziegenhain hat das Ehepaar Gunter und Katja Demnig weitere fünf Stolpersteine für die Familien Karl und Martha Kaufmann und dessen Bruder und Schwägerin Sally und Käthe Kaufmann in der Kasseler Straße verlegt.

Ziegenhain. Vorbereitet und organisiert war die Veranstaltung von der Gedenkstätte und Museum Trutzhain, der Stadt und dem Schwalmgymnasium. Schüler des Leistungskurses Geschichte von Bettina Jarosch von Schweder stellten die einzelnen Schicksale vor, Dr. Stefanie Sievers bot mit dem Chor und Blasmusikern einen würdigen musikalischen Rahmen.

Karl Kaufmann, Jahrgang 1874, hatte im Ersten Weltkrieg als Frontkämpfer das Eiserne Kreuz erhalten und war im Kriegerverein aktiv. Tochter Lotte und ihr Mann Julius Rosenthal konnten rechtzeitig nach Palästina fliehen. Ihre Schwester Ruth überlebte mit ihrem Sohn in den Niederlanden, versteckt von barmherzigen Menschen im Widerstand. Ihr Mann wurde in Auschwitz ermordet. Karls jüngerer Bruder Sally war viele Jahre Stadtverordnetenvorsteher und im Schützenverein engagiert. Seiner älteren Tochter Edith gelang ebenfalls die Emigration nach Palästina. Die andere Tochter, Elisabeth, wurde 1942 im Ghetto Warschau ermordet. Von den insgesamt 18 Mitgliedern beider Familien haben 11 den Holocaust nicht überlebt.

Stolpersteine rücken individuelle Schicksale in den Fokus

Bürgermeister Stefan Pinhard erklärte, dass das Stolpersteinprojekt geeignet sei, sich von den individuellen Schicksalen berühren zu lassen. Die verfolgten Familien haben seit Generationen in unserer Stadt gelebt, seien hier zur Schule gegangen und haben hier ihre Freunde und Heimat gehabt, bis der Rassenwahn allem ein Ende setzte. Er bedankte sich besonders bei den Schülern für ihr Engagement. Auch Schulleiter Mario Cimiotti begleitete die Gruppe und dankte den Kollegen – gerade in Zeiten, in denen Fremdenfeindlichkeit zunehmend offensiver auftrete und Haltung gefragt sei.

Zum Schluss überbrachte Bernhard Krane, der im Rahmen seines Einsatzes für die Aktion Sühnezeichen als Jugendlicher in Israel Ruth Jutkowski, die Tochter von Edith Kaufmann, kennengelernt hatte, deren herzliche Grüße. Dass man ihn damals offen und gastfreundlich aufgenommen hatte, sei durchaus ungewöhnlich gewesen und ein Hoffnungsschimmer. Wie bei der Familie Frank und den anderen Untergetauchten im Amsterdamer Hinterhaus war auch in Israel in den 1950er- und 60er-Jahren, deutsch zu sprechen verpönt. Er und sein Begleiter Ralph van Doorn, Studierendenpfarrer der Universität Siegen, sprachen das traditionelle Totengebet, das Kaddisch, auf Deutsch und Hebräisch.

Weil die geplante Teilnahme von Nachfahren aus Israel und den Niederlanden coronabedingt nicht möglich war, hat Fritz Prätorius vom Schwalmgymnasium die Verlegung per Video dokumentiert, damit die Verwandten auf diese Weise teilhaben können. (Bernd Lindenthal)

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