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Morgan Freeman thematisiert spektakuläre Ausbrüche

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Von: Sylke Grede

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In der Doku-Reihe „Great Escapes mit Morgan Freeman“ beschäftigt sich der Schauspieler mit spektakulären Gefängnisausbrüchen. Auch die Schwalm kommt vor.

Ziegenhain - Mit einem Interview mit dem Schwalmstädter Lothar Ditter über einen spektakulären Ausbruch wird die Serie in Deutschland beworben: In Ziegenhain befreite ein Krimineller den dreifachen Mörder Lothar Luft – mit einem 18 Tonnen schweren, gestohlenen Panzer.

Der ehemalige Justizvollzugsbeamte Lothar Ditter war am 4. April 1993 im Einsatz, als der Panzer Kurs auf die JVA Schwalmstadt nahm. Im Interview mit dem History Channel erinnert sich Lothar Ditter an die schockierenden Minuten an der Außenpforte.

Spektakulärer Gefängnisausbruch in Ziegenhain im TV mit Morgan Freeman

Lothar Ditter hatte an diesem Tag, einem Sonntag, Frühdienst an der Außenpforte. Sein Dienst hatte um 6 Uhr begonnen, um 14 Uhr hätte er enden sollen. Das war ein sehr ruhiger Sonntag, ein wunderschöner Tag mit viel Sonnenschein. Der JVA-Beamte freute sich auf den nahenden Dienstschluss. Damals war das so, dass man an der Außenpforte allein Dienst hatte.

Ein Kollege, der ihn zum Spätdienst ablösen sollte, fuhr gegen 13.20 Uhr mit seinem Pkw an der Außenpforte vorbei, und so gab es die Aussicht darauf, sogar noch etwas früher nach Hause zu kommen. Die Vorfreude war allerdings schnell dahin, denn kurz nachdem der Kollege vorbeigefahren war, erreichte ihn der Funkspruch: „Alarm, Alarm! Panzer versucht, in Anstalt einzubrechen!“ Ditters erster Gedanke war: „Stopp, das kann nicht sein!“. Doch es war der 4. und nicht der 1. April.

Ausbruch aus dem Gefängnis im April 1993: Ein Panzerfahrzeug der Polizei vor dem Südtor der JVA Ziegenhain.
Ausbruch aus dem Gefängnis im April 1993: Ein Panzerfahrzeug der Polizei vor dem Südtor der JVA Ziegenhau. (Archivbild) © Lothar Schachtschneider

Gefängnisausbruch in Ziegenhain 1993: Panzer fährt durch Gefängnistor

Schon Sekunden nach dem Funkspruch hörte Ditter einen unheimlichen Schlag. Der Panzer war da bereits in ein Nebentor eingefahren. Dann kam der nächste Funkspruch: „Alarm, Alarm, Panzer befindet sich in der Anstalt!“ Der gelangte durch weitere Tore in den Innenhof, in dem die Gefangenen gerade ihre Freistunde verbrachten. Dort wurde die Klappe aufgemacht und der dreifache Mörder Lothar Luft sprang hinein. „Klappe zu – und dann ist er wieder zurückgefahren. Das Ganze hat zusammengerechnet vier, fünf Minuten gedauert, und dann war der Panzer wieder draußen.“

Der ehemalige Justizbeamte Lothar Ditter vor dem Tor, das 1993 von einem Panzer durchbrochen wurde. Darüber berichtet er dem History Channel in einem Interview.
Der ehemalige Justizbeamte Lothar Ditter vor dem Tor, das 1993 von einem Panzer durchbrochen wurde. Darüber berichtet er dem History Channel in einem Interview. © Sylke Grede

Lufts Komplize, der Panzerfahrer, hatte sich am Vortag durch einen Zaun Zutritt zur Kaserne in Stadtallendorf verschafft. Dort suchte er sich einen Fuchspanzer aus – es gelang ihm, in ihn einzudringen. Er verbrachte darin dann die Nacht und machte sich mit der Technik vertraut.

Am Sonntagmorgen haute Luft dann durch den Zaun der Kaserne mit dem Panzer ab und fuhr nach Ziegenhain. Gegen 13 Uhr stand er in einer engen Seitenstraße neben einer Pizzeria. Ein Kollege von Ditter, der zu diesem Zeitpunkt freihatte, ging dort gerade spazieren und entdeckte den Panzer. Er erkannte, dass das Fahrzeug aus seiner früheren Einheit stammte und sagte zu seiner Frau: „Die machen bestimmt ein Manöver“.

„Great Escapes mit Morgan Freeman“

Morgan Freemans Sendung wird unter anderem am Samstag (09.04.2022) um 20.15 auf History Channel ausgestrahlt. Das Interview des History Channels mit Lothar Ditter ist bereits auf Youtube zu sehen.

Fluchtfahrer wird schnell festgenommen - der Mörder Lothar Luft bleibt zunächst verschwunden

Unmittelbar nach der Flucht fuhr der Panzer in Richtung Süden aus Ziegenhain heraus. Dann bog er auf einen Feldweg ab, um über Feld und Wiese zu fahren. Angeblich, so hieß es, sei ein Streifenwagen dahinter gewesen, hätte ihn aber nicht mehr erreicht, erzählt Ditter. Dieser Radpanzer, der Fuchs, fuhr auf der Straße etwa 105 Stundenkilometer schnell, auf dem Gelände wohl immer noch 80/90. Die Täter sind dann querfeldein gefahren. Später fand man das Panzerfahrzeug in einem Waldstück bei Homberg (Ohm) in der Nähe der Autobahn 5. Wahrscheinlich hatte dort ein Fluchtfahrzeug gestanden. Der Panzerfahrer konnte kurze Zeit später verhaftet werden.

Lothar Luft wurde erst nach etwa einem Vierteljahr im Elsass festgenommen. Eine Frau begegnete Luft in einem Waldstück und erkannte ihn von einem Fahndungsfoto. Sie rief die Polizei. So kam es zur Festnahme. (Sylke Grede)

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