300.000 Euro Schulden

JVA-Beamter betrog und ließ sich bestechen: Nun steht er vor den Trümmern seiner Existenz

Schwalmstadt. Dass er einmal ohne Schlüssel mit einem Bein in einer Gefängniszelle stehen würde, hätte sich ein 41-jähriger JVA-Beamter aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf wohl nicht träumen lassen.

Wegen Bestechlichkeit und Betrugs musste sich der Mann kürzlich vor dem Amtsgericht Schwalmstadt verantworten. Eine desolate persönliche Finanzsituation und Gutgläubigkeit waren dem 41-Jährigen zum Verhängnis geworden.

Am Ende stand der Angeklagte nach 22 Dienstjahren im Justizvollzug vor den Trümmern seiner Existenz. Laut Anklage hatten sich die Taten zwischen Sommer 2015 und Frühjahr 2016 ereignet. In diesem Zeitraum besorgte der mittlerweile suspendierte Bedienstete der JVA Schwalmstadt für einen Gefangenen zwei Mobiltelefone und kassierte dafür 550 Euro. In einem weiteren Anklagepunkt warf der Staatsanwalt dem 41-Jährigen vor, einem Bekannten ein Darlehen in Höhe von 5000 Euro nicht zurückgezahlt zu haben.

Der Angeklagte gab seine Vergehen zu und zeigte sich kooperationsbereit. Sichtlich geknickt berichtete er von den Delikten. Ursächlich für beide Vorfälle war wohl die hohe Schuldenlast des Mannes. Mit rund 300.000 Euro stand der Angeklagte zum Tatzeitpunkt bei Gläubigern in der Kreide und griff augenscheinlich nach jedem sich bietenden Strohhalm. Kurios: Obwohl der Mann mit seiner Familie bereits ein Haus besaß, wollte er mithilfe der 5000 Euro als Anzahlung ein weiteres Haus kaufen.

Ehe stand auf der Kippe

Seine Ehe habe damals auf der Kippe gestanden, und er habe mit einer anderen Frau neu anfangen wollen, erklärte der Angeklagte. Im Fall der Smartphones handelte der Justizvollzugsbeamte naiv und ließ sich von dem Gefangenen regelrecht um den kleinen Finger wickeln. Er habe den Eindruck gehabt, der Häftling sei ein ehrlicher Typ, rechtfertige sich der 41-Jährige.

„Sie sind bestechlich“

Eine Aussage, die der Vorsitzende Richter so nicht stehen ließ: „Sie haben ihre Dienstpflicht verletzt und er hat ihnen etwas gegeben. Das nennt man Bestechung und Sie bestechlich.“ Das letzte Jahr sei eine Qual gewesen, sagte der Mann, als der Richter wissen wollte, wie viele Tränen er ob seiner Dummheit vergossen habe.

Durch seine kriminellen Handlungen habe sich der Angeklagte als Amtsträger einen Vorteil verschafft und die Sicherheit der JVA gefährdet, sagte der Staatsanwalt: „Das war ein erheblicher Vertrauensbruch.“ Der Verteidiger appellierte an die Milde des Gerichts: „Mein Mandant hat für einen geringen Geldbetrag sein Leben vernichtet.“

Das Gericht verurteilte den 41-Jährigen zu einem Jahr Haft, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden. Der Richter erklärte: „Sie waren für die Sicherheit verantwortlich. Jeder draußen erwartet, dass Sie sich nicht auf Du und Du mit Häftlingen gemeinmachen.“

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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