Gemeinschaftsgefühl ist groß

Angela King spricht im Interview über das Fest im Heim

Herzliche Grüße an die Menschen im DRK-Heim Steinweg Ziegenhain vom benachbarten Kindergarten: Auf dem Banner stehen Grüße an die Bewohner und Pfleger
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Herzliche Grüße an die Menschen im DRK-Heim Steinweg Ziegenhain vom benachbarten Kindergarten: Die Aktion während der ersten Welle der Coronapandemie hat die Senioren erfreut.

Viele Menschen verleben die Weihnachtstage dieses Jahr anders als gewohnt, wir sprachen mit Angela King vom DRK-Kreisverband über das Fest im Seniorenheim.

Frau King, fällt Weihnachten dieses Jahr für Bewohner der Einrichtungen mehr oder weniger aus?
Nein, natürlich nicht. Wir feiern auch unter Corona-Bedingungen den Advent und das Weihnachtsfest, aber eben unter Einhaltung von Abstand- und Hygieneregeln so gut es uns möglich ist. Natürlich ist es nicht jedem zu erklären, wie die Regeln lauten und umzusetzen sind, manch demenziell erkrankter Bewohner kann das nicht verstehen und umsetzen. Es ist für uns aber auch keine Option, jede Form von Gemeinschaft zu meiden. Die Menschen leben ja in unseren Einrichtungen. Es ist ihr Zuhause. Und natürlich sollen sie es dort genauso schön, festlich und gemütlich haben wie unserem eigenen Zuhause, wo wir Weihnachten ja auch feiern in diesem Corona Jahr. Wenn auch sicherlich anders als sonst.
Die Öffentlichkeit empfindet in diesen Tagen vielleicht nur pauschales Mitleid mit Menschen in Alten- und Pflegeheimen, was sagen Sie dazu?
Ich finde das einerseits sehr bedauerlich, aber andererseits auch verständlich, denn in den Medien erfahren wir ja täglich, wie gefährdet die alten Menschen sind und im Besonderen die Bewohner von Senioreneinrichtungen. Menschen über 60 – zu denen ich ja auch zähle – gehören ja zur sogenannten Risikogruppe. Aber ich kann Ihnen versichern, weder ich fühle mich zu dieser Gruppe zugehörig, noch wollen unsere Seniorinnen und Senioren als solches bezeichnet werden. Ja es stimmt, in Seniorenheimen leben viele unter einem Dach, und wenn das Virus im Haus ist, dann sind eben leider gleich sehr viele betroffen. Das hatten wir zu Beginn der Pandemie leidvoll erlebt in unserem kleinsten Haus in Schwalmstadt.
Wie kann das Fest konkret in diesem Jahr dort gefeiert werden?
Wir gehen das ganz pragmatisch an und machen das Beste draus. Und es ist auch in jeder Senioreneinrichtung des DRK anders, denn die räumlichen Gegebenheiten sind auch sehr verschieden. Was nicht mehr geht, sind Besuche von Angehörigen und Betreuern während der Feiern, wo alle zusammen sind in einem großen Raum wie sonst all die Jahre. Besuche sind nach wie vor nur unter strengen Hygiene- und Abstandsregeln möglich. Und wenn ein Infektionsgeschehen im Haus ist wie zurzeit in Ziegenhain und Treysa, dann sind leider gar keine Besuche möglich. Auch nicht an den Feiertagen.
Bitte beschreiben Sie doch mal, in welchen Zusammensetzungen und wie genau die Menschen miteinander feiern.
Wir feiern in den Wohngruppen, in denen sich die Seniorinnen und Senioren auch sonst aufhalten. Es gibt keine übergreifenden Feiern, sondern nur wohngruppenbezogen. Dort bemühen wir uns, Abstandsregeln einzuhalten, und setzen alle weit genug auseinander. Räumlich halten wir Abstand, aber im Herzen sind wir uns ganz nah. Zwar dürfen keine Pfarrer ins Haus kommen in Ziegenhain und Treysa, aber wir halten trotzdem eine Andacht. Wir hören die Weihnachtsgeschichte, wir beten zusammen und wir hören uns die schönen, altbekannten Weihnachtslieder an. Die Live-Musik die wir sonst durch Angehörige, Nachbarn und Freunde hatten in unseren Häusern, werden wenn möglich in den Garten verlegt oder wir hören sie per CD oder im Fernsehen. Wir lesen besinnliche und humorvolle Geschichte, wir essen und trinken weihnachtliche Spezialitäten, genau wie in den Familien auch.
Das klingt nach viel Harmonie.
Ich bin davon überzeugt, dass bei uns mehr Gemeinschaftsgefühl entstehen kann als in einigen privaten Haushalten, wo die Menschen sich nicht besuchen wollen oder dürfen. Und Geschenke verteilen wir natürlich auch. Und wo wir nicht in Gruppen zusammen kommen können, da besuchen wir die Bewohner in ihren Zimmern und gestalten das Weihnachtsfest dort ganz persönlich. Kurz aber festlich.
Wie würden Sie die allgemeine Befindlichkeit der Bewohner derzeit beschreiben, herrscht mehr Bekümmertheit oder sogar Niedergeschlagenheit?
Nein, unsere Senioren lassen sich nicht unterkriegen. Jedenfalls im Großen und Ganzen nicht. Das ist auch natürlich ein bisschen typabhängig. Die einen machen sich mehr Sorgen als die anderen, aber wir hören auch Sätze wie „wir haben schon ganz andere Dinge erlebt und lassen uns die Freude nicht nehmen“. Ich erlebe in unseren Häusern Fröhlichkeit, Lachen und Freude auf Weihnachten, und das macht mir Mut.
Wie erleben eigentlich Beschäftigte ihre Dienstzeiten an solchen wichtigen Feiertagen, ist es nur Arbeit, oder können sie an Schönem teilhaben?
Diejenigen, die an den Feiertagen im Dienst sind, erleben es ganz sicher nicht nur als Arbeit. Ich bin lange genug Einrichtungsleiterin um jedes Jahr mitzuerleben, wie sich auch die Beschäftigten mitfreuen, wie die Musik, die Andacht, das Krippenspiel, die Geschichten auch sie erreichen und fröhlich stimmen. Ich für mich empfand es immer als Geschenk, an Heilig Abend in der Einrichtung zu sein. Dann konnte ich den Geist von Weihnachten erst so richtig spüren und ich glaube, das geht vielen meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern so. (Anne Quehl)

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