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Gericht in Schwalmstadt: Mann soll seine schwangere Frau misshandelt haben

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Das Symbolbild zeigt eine Frau, die sich auf dem Boden zusammenkauert und im Vordergrund eine Faust mit einem Ehering.
Das Symbolbild zeigt eine Frau, die versucht, sich vor der Gewalt eines Mannes zu schützen (gestellte Szene). © Maurizio Gambarini/dpa

Ein 35-Jähriger muss sich unter anderem wegen des Vorwurfs häuslicher Gewalt vor dem Amtsgericht Schwalmstadt verantworten.

Schwalmstadt – Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, seine Noch-Ehefrau zwischen 2018 und 2021 in mehreren Fällen misshandelt zu haben. Des Weiteren soll der der 35-Jährige ohne Führerschein gefahren sein und einen anderen Mann bedroht und geschlagen haben.

„Ich hatte Angst um mein Leben und das Leben meines Kindes“

Die 33-jährige Ehefrau des Angeklagten berichtete von diversen Misshandlungen durch ihren Ehemann. So soll der Angeklagte seine Frau – zu dem Zeitpunkt hochschwanger – mit einer gemeinsamen Tochter aus ihrem Auto geworfen haben. „Ich bin auf meinen Bauch gefallen, mein Mann war da schon so betrunken, ihn interessierte das alles gar nicht. Zum Glück ist dem Kind nichts passiert“, erzählte das Opfer.

Anlass für die Gewalttat sei ein Streit gewesen. Zu einer anderen Gelegenheit habe der Angeklagte sie gewürgt. Sie habe ihm nicht die Autoschlüssel geben wollen, weil er schon sehr betrunken gewesen sei.

Daraufhin nahm der 35-Jährige seiner Frau die mittlerweile geborene Tochter ab. „Ich hatte Angst um mein Leben und das Leben meines Kindes. Als mein Mann das Kind im Arm hatte, zerschlug er mit dem anderen Arm eine Glastür. Überall waren Blut und Glasscherben, auch auf meinem Kind“, sagte die 33-Jährige unter Tränen aus. Generell habe er die gemeinsame Tochter oft und gerne als Druckmittel bei Streitereien benutzt.

Angeklagte trank vor Taten exzessiv

Der Angeklagte habe außerdem versucht, sie in „Kung-Fu-Manier“ eine Treppe hinunterzutreten, habe der gemeinsamen Tochter einen Lederball an den Kopf geschossen, eine Backofenscheibe kaputt getreten und seine schwangere Frau bewusstlos gewürgt. Bei jeder Tat sei Alkohol im Spiel gewesen. Vor einer Rangelei im Treppenhaus habe der Angeklagte zum Beispiel innerhalb einer halben Stunde eine Flasche Weinbrand getrunken.

Kurz nach der Hochzeit habe das exzessive Trinken ihres Mannes angefangen. Aus Angst, er könne der gemeinsamen Tochter etwas antun, trennte sie sich nicht von ihm. Nachdem der Mann nach Entgiftung und Therapie einen Rückfall erlitt, ließ sie ihn nicht mehr in die Wohnung. Seitdem haben die Eheleute keinen Kontakt mehr.

„Er war durch die Drogen konstant gewaltbereit“

Einen durchschnittlichen Tag in ihrer Ehe beschrieb die 33-Jährige so: „Eigentlich begann das Trinken schon direkt, wenn er die Augen aufmachte. Sein erster Gang war in den örtlichen Getränkemarkt. Dann gab es über den Tag Wodka und Bier zum Nachspülen, was anderes trank mein Mann nicht mehr. Zu den großen Mengen Alkohol kamen Amphetamine. Er war so aufgeputscht, er schlief manchmal tagelang nicht und war durch die Drogen konstant gewaltbereit.“

Sie habe gehofft, dass es sich durch die Hochzeit bessern würde. Ein Trugschluss – es sei danach nur noch schlimmer geworden, so die Zeugin: „Beschimpfungen waren an der Tagesordnung. Irgendwann brach ich jeden Kontakt zur Außenwelt ab und kümmerte mich um unsere Tochter.“ Er sei tagsüber mit ihrem Auto unterwegs gewesen, so die Frau weiter: „Gegen 17 Uhr fiel er einfach um. Wenn er gegen 3 Uhr nachts aufwachte, war er wieder einigermaßen nüchtern, aber wenn er schon gegen 22 Uhr wach wurde, war das die Hölle auf Erden.“

„Zu der Zeit hatte ich ein Alkoholproblem“, gestand der Beschuldigte mit verwaschener Sprache. Entweder konnte er sich nicht mehr an die Taten erinnern oder er bestritt die Vorwürfe. Er habe nach den Gewalteskalationen Entgiftungen und Therapien gemacht, beteuerte der 35-Jährige. Es habe Klick gemacht, mittlerweile sei er trocken. Der im Gericht anwesende Arzt zweifelte das angesichts seines nervösen Zitterns zumindest an. (Philipp Knoch)

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