Gerichtsurteil: Sozialstunden für Fahrt ohne Führerschein

+

Treysa. 35 Sozialstunden muss ein junger Mann leisten, der ohne Führerschein unterwegs war. Entdeckt wurde sein Vergehen nachdem er eine Zeugin als Pfand an der Tankstelle zurück lies.

Bereits zum zweiten Mal musste sich ein 19-jähriger Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis vor dem Jugendgericht wegen Fahrens ohne Führerschein verantworten. Seine erste Tat war 2011 mit 20 Sozialstunden bestraft worden, dieses Mal lautete das Urteil auf 35 Sozialstunden.

Der Fahrt vorangegangen war eine kuriose Geschichte, die die Zeugin ausführlich darstellte: Zwei Männer und eine Frau hatten an ihrer Tankstelle in Schrecksbach Benzin für 54 Euro getankt. An der Kasse erklärten sie, kein Geld dabei zu haben, da sie ihre Geldbörse bei einer Beerdigung in Frankfurt vergessen hätten. Die Zeugin bestand auf eine Bezahlung. Kurz darauf erschien eine weitere Frau. Sie gehörte offensichtlich auch zu der Gruppe und wollte die Tankrechnung mit ihrem Handy bezahlen, welches sie jedoch erst mit den anderen aus Treysa holen müsse. Die Zeugin bestand weiterhin auf Barzahlung, erklärte sich einverstanden, dass eine der jungen Frauen als Pfand an der Tankstelle blieb und die anderen das Geld besorgen.

Nach einiger Zeit seien sie jedoch ohne Geld zurückgekommen. Aggressiv habe ihr einer der Männer gedroht, er werde seinen Anwalt anrufen. „Da musste ich erst einmal lachen“, so die Zeugin. „Ich fragte, wie er denn einen Anwalt bezahlen wolle, wenn er nicht einmal die 54 Euro fürs Tanken habe.“

Der zweite junge Mann, der als Angeklagter vor Gericht stand, habe versucht, den Aggressiven zu beruhigen. „Es war dem Angeklagten sichtbar peinlich“, so die Zeugin. Dann sei ihr Mann gekommen und habe die Polizei gerufen, das Auto in die Werkstatt gefahren und den nicht bezahlten Sprit abgelassen. Anschließend sei der Angeklagte mit dem Auto vom Hof gefahren. „Ich glaube, er fuhr, weil der andere junge Mann ebenfalls keinen Führerschein hatte und mein Mann die Polizei gerufen hatte“, so die Zeugin.

Beim nächsten Mal Arrest

Zur Tat äußerte der Angeklagte sich nicht. Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe empfahl wegen der Wiederholungstat als erzieherische Maßnahme einen Freizeitarrest, doch der Richter schloss sich dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaß an. „Beim nächsten Mal aber gibt es Arrest“, verwarnte der Richter den Angeklagten.

Von Christiane Decker

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.