Es geschah im Abteil

Prozess: Angeklagter masturbierte im Zug neben drei Frauen

Treysa. Wegen Erregung öffentlichen Ärgernis wurde jetzt vor dem Amtsgericht Schwalmstadt gegen einen 43-jährigen Frührentner aus dem Altkreis Ziegenhain verhandelt.

Laut Anklageschrift soll der Mann im Sommer vergangenen Jahres bei einer Zugfahrt von Gießen nach Marburg bis zum Erguss masturbiert haben. Dabei habe er sich im Abteil ganz bewusst neben drei junge Frauen gesetzt.

Vom Vorsitzenden Richter mit diesem Vorwurf konfrontiert blieb dem eher unscheinbar und schüchtern wirkenden Mann nur eine Antwort: „Vom Tatbestand stimmt das so.“ Er habe die Frauen jetzt nicht unbedingt verärgern wollen. Er sei vielmehr in seiner Kindheit selber Opfer eines sexuellen Missbrauch gewesen und habe daher nie eine richtige Beziehung zu Frauen aufbauen können, so der Mann weiter.

Angeklagter saß gegenüber 

Als einzige Zeugin sagte eine 25-jährige Frau aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf aus. Die junge Frau saß damals mit ihren Bekannten spätabends im Zug. Der Angeklagte sei erst durch den Waggon gegangen und habe sich dann gegenüber auf die Bank gesetzt.

„Ich habe ihn schon da als auffällig bemerkt“, sagte die 25-Jährige. Der Mann habe die Frauen dann durch die spiegelnde Fensterscheibe beobachtet und sich mehrmals über den Schritt gestrichen. Beim Aussteigen habe sie dann die nasse Hose des Mannes wahrgenommen. Die ganze Situation sei sehr unangenehm gewesen, so die Zeugin: „Wir haben uns an direkt an den Schaffner und die Polizei gewandt.“

Da der Frührentner schon mehrmals mit ähnlichen Taten auffällig geworden war und die Vorstrafen ihn bislang in keinster Weise beeindruckt hatten, plädierte der Staatsanwalt dieses Mal für einen eindeutigen Warnschuss und forderte für den 43-Jährigen eine sechsmonatige Haftstrafe auf Bewährung: „Die Frauen fühlten sich nicht geehrt, sondern in höchstem Maße angeekelt und belästigt. Das war kein Kavaliersdelikt.“ In Anbetracht der Forderung der Staatsanwaltschaft erwachte der Angeklagte aus seiner vermeintlichen Lethargie und versuchte sich nochmals als Opfer zu stilisieren.

Bemüht sich um Therapieplatz 

Die Strafe sei im Verhältnis zur Tat doch sehr hoch, befand der ehemalige Hilfsarbeiter und wies daraufhin, dass er sich zurzeit ja um einen Therapieplatz bemühe.

Das Gericht ließ sich von den Bedenken des 43-Jährigen nicht beeindrucken, sondern folgte im Wesentlichen dem Antrag des Staatsanwalts. Für seine Tat wurde der Frührentner zu einer Strafe von vier Monaten verurteilt. Die Bewährungsfrist beträgt drei Jahre. Darüber hinaus muss der Mann 100 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.

Von Matthias Haaß

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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