Große Rote und kleine Feine

50 Jahre Hephata-Werkstätten: Heute in der Bürstenmacherei

Mitarbeiterin fertigt Bürste
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Echte Handarbeit: Michaela Steinhoff-Damisch ist eine von elf Mitarbeitern, die in der Bürstenmacherei der Hephata-Werkstätten tätig sind.

Seit 50 Jahren sind Menschen mit Behinderungen in den Hephata-Werkstätten tätig. In einer siebenteiligen Serie wollen wir die Arbeit und die Menschen hinter den Produkten vorstellen.

Schwalm. Vor 50 Jahren wurden die Hephata-Werkstätten für Menschen mit Behinderungen (WfbM) in Treysa offiziell anerkannt. Die Werkstätten fördern Menschen mit Behinderungen und ermöglichen ihnen Teilhabe am Arbeitsleben und der Gesellschaft.

Auch die Bürstenmacherei in Treysa ist Teil der Werkstätten, hier arbeitet beispielsweise Michaela Steinhoff-Damisch. Ihr zur Seite steht Arbeitsgruppenleiter Steffen Heinz (57). Er kennt sich aus mit den Produkten – etwa den großen Roten, die bei den Kasseler Stadtreinigern begehrt sind. Zwischen 800 und 1000 Stück kaufen sie pro Jahr in der Bürstenmacherei. „Damit kann man kehren, Laub fegen und Schnee räumen, ein echter Allrounder“, sagt Heinz. Die kleinen Feinen sind hingegen auf der Geburtsstation beliebt: Bis zu 500 Babybürsten mit extra feinem Ziegenhaar und Smileymuster verkauft die Bürstenmacherei im Jahr an das Asklepios-Klinikum Schwalmstadt.

Zwischen diesen beiden Bestsellern liegt eine Produktpalette aus 60 verschiedenen Pinseln, Bürsten und Besen: Hand- und Tischbesen, Staubwedel und Schrankbesen, Kehrbesen in verschiedenen Ausführungen, Hand- und Nagelbürsten, PC-Tastatur-, Abwasch- und Gläser-Bürsten – für drinnen und draußen, mit Natur- oder gefärbten Kunststoff-Borsten, in Kleinserien oder nach Kundenwunsch. „Das ist schon ein Trend der vergangenen Jahre, dass viel mehr Individualität gefragt ist“, sagt Steffen Heinz. Genau wie die kontinuierliche Entwicklung neuer Ideen: In der Pandemie haben Hephatas Bürstenmacher ihr jüngstes Produkt entwickelt – den „Streichelzwerg“: Eine Bürste mit langen Ziegenhaaren, die man entweder zum Streicheln, beispielsweise bei der Babymassage, oder auch im Haushalt, um Staub aus den Ecken zu holen, verwenden kann. „Ziegenhaar eignet sich hier besonders gut, weil es eine natürlich Anziehungskraft für Staub hat“, weiß Heinz.

Genauso wie die Rückbesinnung auf natürliche Materialien. „Bei einigen Besen sind Kunststoff-Borsten die erste Wahl, ansonsten verwenden wir meistens Ziegen- oder Rosshaar in Naturfarben“, erklärt der Gruppenleiter. Die Besenstiele sind aus Eschenholz, das leicht und elastisch ist. Die Bürsten- und Besenköpfe sind aus unbehandelter Buche, die dank ihrer Gerbsäure selbstdesinfizierende Eigenschaften hat. Beispielsweise würden die Borsten nicht geklebt oder eingeschossen, sondern per Hand eingezogen – das mache sie widerstandsfähiger. Das Konzept scheint aufzugehen: Im vergangenen Jahr gewann der Straßenbesen der Bürstenmacherei den Universal Design-Preis. Und seit Langem besteht eine Kooperation mit dem Bürstenmacher Hintz aus Marburg. „Wir sind ein altes Handwerk, das den Sprung in die Moderne geschafft hat. Früher sind hier Reisig-Besen oder Stroh-Reisig-Besen gebunden worden. Heute verwenden wir Bronzedraht für das Einziehen der Borsten, früher waren das mit Pech getränkte Schnüre. Geblieben ist aber die anstrengende und zeitintensive Handarbeit, die die Kunden zu schätzen wissen“, sagt Heinz. (Sandra Rose)

Modelle für die Geburtsstation: In der Werkstatt entstehen 500 Babybürsten im Jahr.

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