Gute Arbeit, gutes Miteinander

50 Jahre Hephata-Werkstätten: In Ziegenhain werden Anhänger aus Metall gebaut

Gehen die gemeinsamen Schritte für den Anhängerbau durch: von links Abteilungsleiter Martin Burger und Mitarbeiter Mark Müller.
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Gehen die gemeinsamen Schritte für den Anhängerbau durch: von links Abteilungsleiter Martin Burger und Mitarbeiter Mark Müller.

Seit 50 Jahren sind Menschen mit Behinderungen in den Hephata-Werkstätten tätig. In einer siebenteiligen Serie wollen wir die Arbeit und die Menschen hinter den Produkten vorstellen.

Schwalmstadt. „Irgendetwas müssen wir ja richtig gemacht haben. Der erste gebaute Anhänger der Werkstatt fährt noch immer“, sagt Martin Burger, Abteilungsleiter der Hephata-Metall-Werkstatt in Ziegenhain. Die Anhänger sind heute ein Aushängeschild der Werkstatt für Menschen mit Behinderungen. 105 Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen arbeiten hier.

Einer davon, der sich an seinem Arbeitsplatz in Ziegenhain richtig wohlfühlt, ist Mark Müller. Der 48-Jährige kommt aus Fulda und ist hörgeschädigt. Als Schweißer ist er einer von 30 Mitarbeitern, die gemeinsam mit den 105 Menschen mit Behinderungen in der Werkstatt arbeiten. Müllers beruflicher Werdegang zeigt, dass sich die Werkstatt in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert hat: Sie bietet einen geschützten Raum für Menschen mit Behinderungen und öffnen sich gleichzeitig dem freien Arbeitsmarkt.

Gute Arbeitsatmosphäre in der Werkstatt

„Es war nicht immer gut“, macht Mark Müller mithilfe von Gebärdensprache deutlich. Als Leiharbeiter hat er bereits in vielen Industriefirmen gearbeitet. Mit seiner Beeinträchtigung alleine mehr als acht Stunden lang an einer Maschine zu stehen – ohne, dass ihn jemand versteht, ohne, dass jemand mit ihm spricht – man kann sich den Arbeitsalltag kaum trister vorstellen. Bemühungen, ihm sein Arbeitsumfeld angenehmer zu gestalten, habe es seitens seiner damaligen Arbeitgeber nicht gegeben. 2016 dann die Kehrtwende: Er heiratete, seine Frau und seine Schwiegermutter gaben ihm den Tipp, sich mal bei der Hephata-Metall-Werkstatt in Ziegenhain zu bewerben. „Jackpot“ - lacht Müller.

In der Werkstatt schweißt Müller nun seit einigen Jahren unter anderem Rahmen für die Anhänger zusammen. Und während der Arbeit ist er nun unter Kollegen, die ihn verstehen. Denn neben Müller gibt es einen weiteren gehörlosen Mitarbeiter und einen gehörlosen Beschäftigten – in der Mittagspause kickern sie gemeinsam oder lassen das letzte Fußballspiel Revue passieren. „Das Klima und die Arbeitsatmosphäre sind gut“, so Müller und schreibt dann auf einen Zettel das Wort „Glücklich“.

Aufgaben werden an Beschäftigte angepasst

Martin Burger ergänzt: „In der Werkstatt wird auf das Bedürfnis eines jeden Einzelnen geachtet. Es geht nicht darum, Produktionsrekorde aufzustellen oder gar Akkordarbeit.“ Vielmehr ist es das Ziel, Menschen mit Behinderungen Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen. „Es geht darum, sie in dem wertzuschätzen, was sie machen und leisten“, sagt Burger. Dies muss zugleich aber im Einklang mit qualitativ hochwertiger Arbeit sein: Neben den Anhängern werden unter anderem noch Gewindestangen für Motorblöcke, Einzelteile für die Solartechnik und Lebensmittelbranche gebaut.

Die Hälfte der 105 Beschäftigten sei so selbstständig, dass sie ihren Weg zur Arbeit alleine mit dem Rad oder Wagen meistert. „Der andere Teil wird gebracht und abgeholt“, erklärt Burger. Für den Großteil der Beschäftigten werden die Aufgaben angepasst oder Hilfsmittel entworfen, manche qualifizieren sich so weiter, dass sie einen Job auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bekommen.

Kontakt: Metall-Werkstatt, An der Feuerwache 2, Ziegenhain, Tel. 0 66 91/9 11 84 18, Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag: 7.30 bis 12.30 Uhr und 13 bis 16 Uhr. Freitag: 7.30 Uhr bis 12.30 Uhr und 13 bis 15 Uhr. (sro)

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