Es wird eng für den Müll

Hausverwaltungen sehen Einführung der Biotonne kritisch

Biologisch abbaubare Kunststoffbeutel wie hier in Kassel dürfen beispielsweise nicht in die Biotonne, die ab 1. Juli im ganzen Kreis eingeführt wird.
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Biologisch abbaubare Kunststoffbeutel wie hier in Kassel dürfen beispielsweise nicht in die Biotonne, die ab 1. Juli im ganzen Kreis eingeführt wird.

Zum 1. Juli bekommt jeder Haushalt im Schwalm-Eder-Kreis die Biotonne. Doch nicht jeder sieht den Nutzen, es ergeben sich auch Fragen. Insbesondere die Hausverwaltungen sind mit dem Thema beschäftigt.

Schwalm – In Schwalmstadt flatterte zwar der Abfallkalender für das erste Halbjahr ins Haus – eine Information zur Einführung der Braunen Tonnen gab es allerdings nicht. Stattdessen den Jahresgruß des Bürgermeisters, was im Rathaus dem Vernehmen nach zu etlichen irritierten Rückfragen führte. Begründet wurde dies damit, dass die Umstellung der Abfuhrtermine bei Druck des Abfallkalenders noch nicht feststand. Die Termine für das zweite Halbjahr erscheinen, wie in allen anderen Kommunen auch, erst Mitte des Jahres wieder.

Bürgermeister Stefan Pinhard erklärt auf Nachfrage: „Um die Kosten der Erstellung des Abfallkalenders zu reduzieren, hat sich meine zuständige Fachabteilung dazu entschlossen, den Abfallkalender in einem kleineren Format drucken zu lassen. Hierdurch wurden die Druckkosten für die Abfallkalender – trotz zweimaliger Erscheinung in diesem Jahr – reduziert. Unsere Kosten für den ersten Druck belaufen sich auf knapp über 500 Euro, ebensolche Kosten werden für den zweiten Druck anfallen.“

Einführung der Braunen Tonne: Hausverwalter sieht Platzproblem

In anderen Schwälmer Kommunen blieb man bei einer einseitig bedruckten Version, teils war darauf aber kommuniziert, dass die Braunen Tonnen überhaupt eingeführt werden. Auf der Internetseite der Stadt Neukirchen sind beispielsweise bereits Fragen und Antworten zur Biotonne einsehbar. Auf diese Informationen wartet etwa auch Heinz Mölleken. Der Ziegenhainer ist Hausverwalter und für 14 Liegenschaften und für mehr als 40 Wohnungen zuständig. Er schätzt das Platzproblem als kritisch ein: „Die Gelben Tonnen waren eine gute Entscheidung, aber die Braunen Tonnen sehe ich hier auf dem Land kritisch. Viele Haushalte haben einen Kompost. Und bei einem Sechs-Familienhaus kommen so schnell 24 Tonnen zusammen.“ Unklar sei ihm, ob man die Tonne auch abbestellen könnte. Und in engen Altstadtbereichen sei für die Tonnen schlichtweg kein Platz. Selbst in und an Mehrfamilienhäusern gestalte sich das mittlerweile schwierig, meint Mölleken: „Ich werde dafür mancherorts Grünflächen am Haus opfern müssen.“

Außerdem rechnet er damit, dass es nicht bei den aktuellen Gebühren bleibt. In Marburg beispielsweise seien alle Tonnen mit einem Chip versehen, der es ermögliche, den Abfall zu wiegen. Hiernach richteten sich die Entsorgungskosten. Auch die Biotonnen im Kreis müssen identifiziert werden können, erläutert Mölleken. Sie müssen von den Hausverwaltungen nummeriert und beschriftet werden.

Einführung der Braunen Tonne: Häuser mit Garten haben häufig eigenen Kompost

Mit Schwierigkeiten sieht sich die Hausverwaltung Wigbert Hill GmbH, ein Tochterunternehmen der VR-Bank Hessenland, nicht konfrontiert. Wie das Unternehmen mitteilt, habe man aus anderen Kommunen bereits Erfahrung mit der Einführung der Biotonne. Auch böten die betreuten Mehrfamilienhäuser ausreichend Platz, um diese zusätzlichen Behälter unterbringen zu können. Insbesondere für kleinere Objekte mit Garten sehe die Hausverwaltung in der Anschaffung jedoch wenig Nutzen, weil hier der Garten meist eigenständig gepflegt und häufig der Kompost auf dem Grundstück gesammelt werde, um ihn zu verarbeiten. Die Restmülltonnen seien darauf ausgelegt und durch die Reduzierung von 26 auf 18 Abholtermine im Jahr bliebe oft nur die Anschaffung von größeren, teureren Restmülltonnen. (Sandra Rose)

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