Dammsicherheit: Bewuchs muss verschwinden

Heimbewohner der Schwalmresidenz kämpfen gegen Baumfällung

Protestieren gegen die Fällung: Hannelore Deist (rechts) und Elfriede Klostermann. Die etwa 35 Jahre alte Birkenallee soll trotzdem verschwinden.
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Protestieren gegen die Fällung: Hannelore Deist (rechts) und Elfriede Klostermann. Die etwa 35 Jahre alte Birkenallee soll trotzdem verschwinden.

Alle Bäume und Büsche, die dicht an den Dämmen in Schwalmstadt wachsen, werden aus Sicherheitsgründen entfernt. Die Bewohner der Schwalmresidenz sind darüber entrüstet und traurig.

Schwalmstadt – Hannelore Deist und Elfriede Klostermann sind empört, wütend, traurig. Beide leben in der Seniorenresidenz Ziegenhain und protestieren entschieden gegen die Fällung der 16 Birken auf der Gebäudegrenze mit dem Damm. Sie können es nicht fassen, dass die Bäume unwiderruflich verschwinden sollen. Donnerstagmorgen, 5. November, rücken die Arbeiter an. Doch auch wenn es aussichtslos erscheint, wollen die Frauen nicht einfach aufgeben.

Beim Ortstermin versichern die beiden Damen, 89 und 90 Jahre alt, dass sie für alle 63 Bewohner und die fast ebenso vielen Mitarbeiter sprechen. Hannelore Deist ist Vorsitzende des Heimbeirats, Elfriede Klostermann Gartenbau-Meisterin. „Es sind gesunde, rund 35 Jahre alte Bäume, wir haben dafür überhaupt kein Verständnis.“ Die Schönheit und Funktionalität der Allee sei für die Residenz charakteristisch. Sie schütze gegen Nordwind und spende kühlen Schatten im Sommer. An den Ausblick ohne sie könne man sich nicht gewöhnen. „Ich lebe seit über sieben Jahren hier, wenn ich daran denke, dass die Bäume gefällt werden, möchte ich zum ersten Mal in dieser Zeit weinen“, sagt Hannelore Deist, die viele als resolute Treysaer Johannishexe kennen. Die 90-Jährige, die inzwischen völlig erblindet ist, hatte sogar erwogen, auf die Barrikaden zu gehen und sich zum Schutz der Bäume an ihnen anzuketten, „das kann ich natürlich nicht mehr, leider“. Die Bewohner verstünden den Sinn absolut nicht, bedauern, dass die Eigentümergemeinschaft der Residenz keine Klage eingereicht habe. Das Anwesen werde kahl und nackt werden.

Dabei, so seien sie überzeugt, könnten die Birken das Bauwerk doch eher stabilisieren, und das viel effektiver als absterbendes Wurzelwerk. Ein solches Vorgehen gegen Bäume als Luftverbesserer und Lebensraum für viele Vögel und Insekten könnten sie nicht akzeptieren, gerade in einer Zeit, wo Baumpatenschaften ins Leben gerufen werden und Klimawandel droht. „Die Bäume gehören zur Anlage und zu uns.“ Uwe Stumpf ist seit über 15 Jahren Hausverwalter der Seniornresidenz, und auch er bedauert es sehr, dass die Birken fallen. Er versichert, dass über viele Monate versucht wurde, dies abzuwenden. Ein Anwalt sei beauftragt worden, es sei um Einzelfallprüfung gebeten worden, eine 17-seitige Stellungnahme eines Baumsachverständigen sei erstellt worden.

Die Hoffnung, dass die einstige Bodenauffüllung unter der Birkenallee günstig ausgelegt werden könnte, habe sich zerschlagen. Dass darunter eine Sickerleitung verläuft, sei ihm zuvor gar nicht bekannt gewesen. „Wir haben uns gewehrt und alles probiert“, betont Stumpf. Es gebe leider keine weiteren Möglichkeiten, Klageinreichung sei sinnlos. So wird es am Donnerstag 5. November, für die Menschen der Schwalmresidenz ein düsterer Tag, Hannelore Deist: „Wir sind traurig, zornig und wütend, dass uns die Hände gebunden sind.“

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