Neue Serie: Alteingesessene Gasthäuser

Hier war schon Roland Kaiser zu Gast: Hotel "Zum Schwarzen Adler" wird in der vierten Generation betrieben

Historische Postkarte: das damalige Gasthaus Roode in der Neuentaler Straße um 1950.

Todenhausen. Wenn die Wände des Gasthauses „Zum Schwarzen Adler“ in Todenhausen reden könnten, hätten sie sicherlich so manche Geschichte zu erzählen – von rauschenden Familienfeiern und anstrengenden Versammlungen oder dem verheerenden Brand 1992.

Römische Garküchen, Klosterschänken, Zapfwirte: Bis in die Antike reicht die Geschichte der Gasthäuser zurück. In unseren Orten werden die Lokale weniger. Dabei sind sie meist das Herz der Dörfer. In unserer Serie Lokalzeit wollen wir einige vorstellen – wie sie waren, was sie sind.

Wie das Gästebuch des Gasthauses „Zum Schwarzen Adler“ in Todenhausen belegt, schliefen Roland Kaiser und Wolfgang Petry nach Auftritten am Silbersee im Landhotel.

Heute führt Ursula Schäfer in vierter Generation das Gasthaus. Aber von vorne: 1852 baute Conrad Wiegand im Ortskern über seiner Schmiede einen Tanzsaal mit Gästezimmer und betätigte sich im Zweitberuf als Wirt. 1930 siedelte die Gastwirtschaft an den heutigen Standort in der Neuentaler Straße um.

Im Schankraum: Servicekraft Katharina Völker zapft ein Bier.

Bemerkenswert: Der Betrieb des damaligen Gasthaus Roode lag in Frauenhänden. Nach dem Tod des Ehemannes hatten sich Elise Roode und ihre Schwester Anna Wiegand zum Neubau am Ortseingang entschlossen. Eine Entscheidung, von der das Gasthaus immer wieder profitierte.

Als die an Todenhausen vorbeiführende Bundesstraße ausgebaut wurde, ergriff Elises Sohn Konrad die Gelegenheit, sicherte sich am Parkplatz bei Gebersdorf den Platz für einen Imbiss und verhalf seiner Gastwirtschaft somit zu einem zweiten Standbein. In 50 Jahren habe man lediglich 2016 im Zuge der Sanierung der B 254 pausiere müssen, sagt Ursula Schäfer.

Schon immer habe es neben der Gastwirtschaft einen Handwerksbetrieb und Landwirtschaft gegeben, so die UrUr-Enkelin des Gründers. Während Conrad Wiegand in der Schmiede arbeitete, führt Ursulas Schäfers Sohn Bernd heute den von seinem Vater gegründeten Betrieb für Elektroinstallation weiter.

1972 übernahm die Wirtin mit ihrem 2006 verstorbenen Mann Dieter das Gasthaus. Sie habe ihr Leben lang Kneipe gemacht, sagt die 73-Jährige lächelnd: „Als 12-Jährige hat mir beim Anstecken eines Bierfässchens mal die Kraft gefehlt. Das ganze Bier lief im Keller aus. Mein Vater hat nur gesagt: Lehrgeld zahlt man.“

Anlaufpunkt für Jäger

Dank der guten Verbindungen des Ehemanns entwickelte sich der Schwarze Adler seit den 1980er-Jahren zum Anlaufpunkt für Jäger. Bis heute gibt es einen Jägerstammtisch. Der Schützenverein Todenhausen hatte viele Jahre seinen Schießstand im Keller und die Tragkraftspritze der Feuerwehr stand einige Zeit bei Roodes in der Garage.

Das Gasthaus "Zum Schwarzen Adler" in Todenhausen.

Im August 1992 zerstörte ein Feuer die Inneneinrichtung der Gastwirtschaft. Die Sanierung dauerte drei Monate. „Es war alles kaputt, den Saal hatten wir schon für eine Goldene Hochzeit eingedeckt“, sagt die Wirtin.

Wie bei vielen Gasthäusern, hat sich im Schwarzen Adler das Kerngeschäft verlagert. Im Gegensatz zu Familienfeiern habe das reine Thekengeschäft nur noch einen geringen Anteil, stellt die 73-Jährige fest: „Die Zeiten haben sich in fünfzig Jahren geändert – das glaubt man gar nicht.“

Familienbetrieb mit Angestellten 

Das Hotel „Zum Schwarzen Adler ist ein Familienbetrieb und hat fünf Mitarbeiter. Drei davon arbeiten im Imbiss an der Bundesstraße. Neben einem teilbaren großen Saal und einem klassischen Schankraum gibt es für Übernachtungsgäste 10 Doppel-, 3 Einzelzimmer und einen Frühstücksraum.

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