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Schwalm-Eder: Notruf geht jetzt auch mit einer App

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Von: Matthias Haaß

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Notrufe bei der Leitstelle und auch der Polizei im Schwalm-Eder-Kreis sind seit einiger Zeit auch über die Nora-Notruf-App möglich.
Notrufe bei der Leitstelle und auch der Polizei im Schwalm-Eder-Kreis sind seit einiger Zeit auch über die Nora-Notruf-App möglich. © Schwalm-Eder-Kreis

Es passiert schneller, als man denkt. Plötzlich tritt eine Notsituation ein – ein Brand, ein Verkehrsunfall oder ein Gewaltverbrechen. In allen Fällen ist klar: Ein Notruf muss abgesetzt werden. Alleine die Rettungsleitstelle des Schwalm--Eder-Kreises erreichten 2021 32 745 Notrufe über die 112, das sind 91 täglich.

Schwalm-Eder-Kreis. Im Notfall wählt man die 112, das weiß mittlerweile jedes Kind. Nun gibt es im Schwalm-Eder-Kreis eine weitere Möglichkeit, um Feuerwehr oder Rettungsdienst zu alarmieren – die Notruf App Nora.

Wird ein Notruf über Nora gestartet, fragt die App ab, um welche Art Notfall es sich handelt und ob Verletzungen vorliegen. Sobald der Notruf mit den kurzen Vorabinformationen gesendet wurde, wird sofort die Leitstelle in Homberg informiert. Die Frage nach dem Standort entfällt, da die App die Standortfunktion des Smartphones nutzt und somit zusätzlich wichtige Zeit gespart wird.

Im vergangenen Jahr registrierte die Leitstelle des Schwalm-Eder-Kreises insgesamt 122 360 Anrufe, 32 745 Mal wurde die 112 gewählt. Damit hat sich die Zahl der Notruf gegenüber dem Vorjahr um 2380 Anrufe erhöht. Ein Notruf über die Nora-App sei seines Wissens bislang noch nicht darunter gewesen, sagte Kreispressesprecher Stephan Bürger gegenüber unserer Zeitung.

Vier Feuerwehreinsätze täglich

Die Telefone klingeln aber nicht nur, wenn die 112 gewählt wird, auch über die Nummer 19222 kommt man bei der Leitstelle in Homberg an. Und das gar nicht mal so selten: Die Statistik zählt 64 137 Anrufe über die sogenannte Krankentransportnummer.

Zwischen 10 Uhr und 11 Uhr gehen in der Leitstelle die meisten Anrufe ein. Im Jahr 2021 waren es in dieser Zeitspanne auf 365 Tage gerechnet 9404 Anrufe, also fast 26 Anrufe an jedem Tag in dieser Stunde, so der Kreispressesprecher: „Das bedeutet: Durchschnittlich geht zwischen 10 Uhr und 11 Uhr jeweils nach 2,3 Minuten ein Anruf ein.“ Ein Großteil der Anrufe betraf mit 30 565 Einsätzen den Rettungsdienst. 157 Mal stieg der Rettungshubschrauber auf, 2020 lag die Zahl noch bei 137.

Die Feuerwehren im Landkreis mussten 2021 zu 1462 Einsätzen ausrücken: im Schnitt vier Einsätze am Tag. Die Zahl der Unfälle mit dem Stichwort „eingeklemmte Person“ hat sich gegenüber 2020 mehr als verdoppelt. Waren es 2020 noch 20 solcher Einsätze, stieg die Zahl 2021 auf 43. Besonders in Erinnerung ist dabei sicherlich der schwere Verkehrsunfall mit fünf Todesopfern im Dezember bei Fritzlar.

Interessant auch die Entwicklung der Notfalltüröffnungen: 84 Mal leisteten die Wehren 2021 Hilfe. Dabei handelt es sich meist um Unterstützung für Rettungsdienst und die Polizei. 2020 gab es kreisweit lediglich 49 solcher Einsätze

Mehr Kinder in der Jugendfeuerwehr

Im Gegensatz zum mit hauptamtlichen Kräften organisierten Rettungsdienst wird der Brandschutz im Schwalm-Eder-Kreis durch Freiwillige getragen. In jeder Kommune gibt es eine Freiwillige Feuerwehr. 4842 Frauen und Männer leisten Dienst in den Einsatzabteilungen. Die Zahl ist damit annähernd gleich geblieben, 2020 waren es 4845 – der Frauenanteil beträgt 17 Prozent. Die Zahl der Mitglieder in den Jugendfeuerwehren stieg sogar: von 1879 auf 1918.

Notruf gilt europaweit

Ob 112 oder 110, beide Notrufnummern dürften jedem Kind in Deutschland bekannt sei. Mithilfe der Nummer 112 kann man übrigens auch in allen EU-Mitgliedstaaten die nächstgelegene Notrufzentrale alarmieren. Den Notruf zu wählen bedeutet jedoch auch verbale Kommunikation mit der Leitstelle in Homberg, die den Notruf im Landkreis entgegennimmt.

Wer Hilfe haben möchte, muss sprechen können, das hört sich erst mal banal an, doch was ist, wenn die jeweilige Notlage kein Telefonat zulässt? Was machen Menschen mit einer Sprach- oder einer Hör-Behinderung? Bislang konnte man dann nur ein sogenanntes Notfallfax an Polizei und Rettungsleitstelle schicken. Was schon von zu Hause aus eher kompliziert ist, ist unterwegs im Grunde völlig unpraktikabel und in Zeiten von Smartphones auch anachronistisch.

Mit der Nora-Notruf-App gibt es nun auch im Schwalm-Eder-Kreis eine moderne Alternative, die von jedermann genutzt werden kann und auf jedes Smartphone gehören sollte.

Wir erklären die App und die Funktionsweise:

Wer hat es entwickelt?

Die Federführung lag für alle Bundesländer beim Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen. Seit September 2021 kann die App auch im Schwalm-Eder-Kreis für Notrufe bei der Leitstelle und der Polizei genutzt werden, heißt es jetzt in einer Mitteilung des Landkreises. Die Abkürzung Nora steht für Notruf-App.

Was muss der Nutzer machen?

Zunächst muss die App auf dem Smartphone installiert werden. Danach sind einige persönliche Daten einzugeben, die im Notfall von der App weitergeleitet werden. Zum Beispiel die Telefonnummer, Alter und Geschlecht, mögliche Vorerkrankungen. Die Informationen helfen den Disponenten in der Leitstelle bei der Einschätzung der Situation.

Wie funktioniert es?

Ist ein Notruf über Nora gestartet, fragt die App knapp ab, um welche Art Notfall – Brand, Unfall, Polizei-Notruf, Erkrankung, Unwetter oder etwas anderes – es sich handelt und ob Verletzungen vorliegen. Sobald der Notruf mit den kurzen Vorabinformationen per Knopfdruck gesendet wurde, ist sofort die zuständige Leitstelle in Homberg informiert. Die Frage nach dem Standort entfällt, da die App die Standortfunktion des Smartphones nutzt und somit zusätzlich wichtige Zeit gespart wird. Auch Test-Notruf ist möglich.

Was macht die Leitstelle?

Ist der Notruf eingegangen, bleibt die Leitstelle via Chat nonverbal in Kontakt mit der Person, die den Notruf abgesetzt hat. So kann die Leitstelle weitere wichtige Fragen abklären, während die Einsatzkräfte bereits alarmiert sind. Zudem besteht auch die Möglichkeit, einen sogenannten „stillen Notruf“ zu senden. Dies könnte unter anderem im Falle einer Entführung oder bei häuslicher Gewalt notwendig werden.

Gibt es einen Doppelnutzen?

Ja, sagt Landrat Winfried Becker. Mit der Nora-App habe man zusätzlich eine Rückfallebene geschaffen, die im Falle eines Totalausfalls der Telefonleitung und damit auch der Leitung zur Leitstelle lebenswichtig sein könne. „Ich kann deshalb nur an alle Bürgerinnen und Bürger des Schwalm-Eder-Kreises appellieren, sich diese App runterzuladen. Selbstverständlich immer in der Hoffnung, dass sie möglichst nie in die Situation kommen, Nora auch wirklich einsetzen zu müssen“, sagte Becker.

Wo gib es die App?

Die Nora-Notruf-App ist sowohl für Android als auch Apple-Endgeräte im jeweiligen App- oder Play-Store kostenlos verfügbar.

Informationen zur App gibt es auch auf der Internetseite nora-notruf.de.

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