Hinter Gittern zum Koch

Zauberten bei ihrer Prüfung ein Drei-Gänge-Menü für sechs Personen: von links die Häftlinge Benjamin R., Klaus S., Esat P. mit ihrem Ausbildungsleiter Gerd Conradi. Fotos: Müller

Schwalmstadt. Gemüse putzen, Fleisch braten, Suppe abschmecken - konzentriert und ruhig arbeiten die Prüflinge in der Ziegenhainer Justizvollzugsanstalt an ihren Gerichten. Zehn Häftlinge legten ihre Gesellenprüfung zum Koch ab.

Die Prüfung

In der Ausbildungsküche des Gefängnisses arbeiten die Prüflinge an den Kochplatten, rühren in den Töpfen, schneiden die Zutaten für ihre Gerichte. Auszubildende aus dem ersten Lehrjahr unterstützen die angehenden Köche und räumen Abfall weg, legen schmutziges Geschirr beiseite. Die Häftlinge nehmen ihre Aufgabe ernst. „Für einige ist es die erste Prüfung in ihrem Leben“, sagt Gerd Conradi, Ausbildungsleiter und Küchenchef.

Drei Gänge müssen die Auszubildenden kochen, neben vorgegebenen Zutaten dürfen sie Beilagen aus einem Warenkorb wählen und ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Sechs Wochen hatten die Prüflinge, die alle zwischen 25 und 50 Jahren als sind, um ihr Menü zusammenzustellen. Am Prüfungstag selbst wird aber nicht nur gekocht: „Während ihrer Prüfung führen die Auszubildenden gastronomieorientierte Gespräche mit den Prüfern“, sagt Conradi. Die angehenden Köche müssen also Auskunft zu möglichen Allergenen, dem passenden Wein oder dem Fleisch geben können.

Die Ausbildung

Die zweijährige Ausbildung zum Koch ist in der JVA Ziegenhain sehr begehrt, auch aus Gefängnissen aus dem Saarland und Rheinland-Pfalz bewerben sich Häftlinge. „Wir haben immer mehr als 20 Bewerber für die 16 Ausbildungsplätze“, sagt Frank-Helmut Welz-Detroy vom pädagogischen Dienst. Nach bestandener Prüfung werden die Häftlinge in der Anstaltsküche eingesetzt, fügt Welz-Detroys Kollege Jochen Schäfer hinzu.

Die angehenden Köche Sven W. und Kajhan S. sind im ersten Ausbildungsjahr, sie halten die Arbeitsflächen der Prüflinge sauber. Beide sehen die Ausbildung als ersten Schritt für ihr Leben in Freiheit.

„Die Arbeit macht Spaß und man kann immer etwas damit anfangen“, sagt Sven W. Beide bestätigen: Es kommt auch hier auf die eigene Initiative an. Wenn man nicht will, lernt man auch nichts.

Kurz vor Ende der Prüfung wird es hektisch - die Hauptspeisen für die Prüfer müssen angerichtet werden. Die angehenden Köche legen letzte Hand an und dekorieren ihre Teller. Conradi kann nur noch kleine Tipps geben, damit die Prüfung ein Erfolg wird.

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