Plädoyers im Prozess gegen Männer-Trio

Hohe Haftstrafen gefordert

Brrandruine der Küllbergshütte bei Harle.
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Abgebrannt: Auch der Brand der Küllbergshütte bei Harle ging vermutlich auf das Konto der Brandstifter.

Die Beweisaufnahme ist geschlossen, die Schlussvorträge sind gefallen: Laut Staatsanwalt Timo Ide hat sich von den drei Angeklagten aus dem Schwalm-Eder-Kreis der 51-Jährige in sechs Fällen des gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr, zwölf Mal der Brandstiftung und einmal der schweren Brandstiftung schuldig gemacht.

Schwalm-Eder - Der 30-Jährige und der 27-Jährige haben demnach vier gefährliche Eingriffe in den Bahnverkehr begangen, der 30-Jährige acht Brandstiftungen und sein jüngerer Mitangeklagter drei und eine schwere Brandstiftung. Angefangen habe das Ganze damit, dass im Herbst 2018 vermutlich auf Initiative der gesondert verfolgten Tochter des 51-Jährigen, damalige Partnerin des 27-Jährigen, eine Puppe auf Bahnschienen nahe Borken gelegt worden sei. Im Gespräch habe der 30-Jährige aufgrund seiner beruflichen Erfahrung bei der Bahn versichert: Es könne nichts passieren.

Nach den ersten beiden „Bahndelikten“ mit Sitzbänken und Betonplatten auf Gleisen begann die Gruppe, Hütten anzuzünden. „Es entwickelte sich eine Dynamik und irgendwann auch eine Art Selbstverständlichkeit“, fasst Timo Ide zusammen. Nach einer Polizeikontrolle am 20. April 2019 sei die Serie für dreieinhalb Monate unterbrochen worden und der 27-Jährige sei ausgestiegen. Danach kam es dann wieder zu Brandstiftungen.

Prozess: Geständnis wirkt sich positiv aus

Laut Staatsanwalt habe der 51-Jährige „eine zentrale Rolle“ gespielt, er sei bei sämtlichen Taten aktiv dabei gewesen. Der 30-Jährige war in der Gruppe demnach der „Bahn-Experte“, habe sich am Anfang noch zurückgehalten und dann auch eine tragende Rolle gespielt. Der 27-Jährige „wollte unbedingt dazu gehören“, auch aufgrund seiner problematischen Lebensphase. Mit der Zeit habe er begonnen, sich wohl zu fühlen – bis es zu einer Polizeikontrolle kam.

Explizit verweist Ide darauf, dass es ohne die frühen Geständnisse des 51- und 27-Jährigen – nämlich schon in den polizeilichen Vernehmungen – wohl gar nicht zur Anklage gekommen wäre. Das sei zu berücksichtigen. Auf der anderen Seite wiege die „hohe kriminelle Energie“.

Der Staatsanwalt beantragt: Elfeinhalb Jahre Freiheitsstrafe für den 51-Jährigen, neuneinhalb Jahre für den 30-Jährigen und sechs Jahre Haft für den 27-Jährigen. Im Falle des 51-Jährigen sei eine Sicherungsverwahrung anzuordnen, denn: „Aufgrund seines Hangs zu Straftaten ist er für die Allgemeinheit gefährlich.“ Seine frühere langjährige Haftstrafe wegen 34 Brandstiftungen habe ihn nicht von einer weiteren Serie abgehalten. Und da die Taten auch auf seine Persönlichkeitsstörung zurückzuführen seien, brauche er eine langjährige sozialtherapeutische Behandlung.

Prozess: Verteidiger lobt Plädoyer des Staatsanwalts

Die Verteidiger, allen voran Mehran Akbari, Anwalt des 51-Jährigen, finden: „Das war ein hervorragendes Plädoyer des Staatsanwalts“, und fassen sich daher kurz: „Meinem Mandanten muss eine Perspektive geschaffen werden. Er ist nach wie vor therapiewillig“, so Akbari. Eine Behandlung sei die einzige Möglichkeit in seinem Leben.

Sascha Marks, Verteidiger des 30-Jährigen, versichert mehrfach mit Bezug auf das psychiatrische Gutachten: „Mein Mandant wird keine weiteren Straftaten begehen.“

Die Sachverständige hatte die niedrigst mögliche Rückfallwahrscheinlichkeit attestiert. Der 30-Jährige habe sich in einer Lebenskrise befunden und damals seinen Platz in der Gesellschaft noch nicht gefunden. „Man könnte auch über vier bis fünf Jahre Freiheitsstrafe nachdenken“, so Marks. Christian Kunath, Verteidiger des 27-Jährigen, hat am Antrag des Staatsanwalts nichts auszusetzen.

Termin: Das Urteil fällt am Mittwoch, 4. November, um 14 Uhr in Saal 101 des Marburger Landgerichts.

Von Beatrix Achinger

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