Die Gsängers wollen Lebenspartnerschaft bald in Ehe umwandeln

Homosexuelles Schwälmer Paar will den Bund für das Leben

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Glückliche Partnerschaft: Florian (35, links) und Stefan Gsänger (41) aus Treysa ließen vor zwei Jahren in der Ziegenhainer Schlosskirche ihre Lebenspartnerschaft segnen. Nun wollen sie die Partnerschaft zeitnah in eine Ehe umwandeln lassen. 

Schwalmstadt. Florian und Stefan Gsänger waren im Februar 2015 das erste homosexuelle Paar im Landkreis, das sich die Lebenspartnerschaft in einem Gottesdienst segnen ließ. Nun wollen sie ihre Partnerschaft in eine Ehe umwandeln lassen. 

Das Ja-Wort durften sie sich damals nicht geben, denn die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck lässt ausschließlich kirchliche „Segnungen“ zu. Diese sind mit einer kirchlichen Trauung von Heterosexuellen nicht gleichgestellt. Die beiden begrüßten es trotzdem, dass die Landeskirche die Segnung im Gottesdienst ermöglicht hatte, wie Stefan Gsänger im Gespräch mit der HNA berichtet.

Die Männer führen seit mittlerweile zwölf Jahren eine Beziehung. Vor zwei Jahren entschieden sie sich dann, am Valentinstag den Bund fürs Leben zu schließen. Stefan Gsänger war zwölf Jahre lang im Kirchenvorstand in Ziegenhain aktiv, ihm war deshalb der Gang vor den Altar wichtig. Nochmal in die Kirche werden die Gsängers nicht gehen. Denn eine kirchliche Trauung lässt die Evangelische Kirche Kurhessen-Waldeck immer noch nicht zu. Stefan Gsänger erwartet aber auch nicht, dass sich die für etwaige Änderungen daran zuständige Landessynode in der Frage in näherer Zukunft bewegen wird.

Stefan Gsänger freut sich über die Eheöffnung. Er verweist auf die Rede des SPD-Fraktionschefs Thomas Oppermann, der gesagt hatte: „Wenn die Ehe für alle kommt, dann wird vielen etwas gegeben, aber niemandem etwas genommen.“

Mit Politikern diskutiert

Er hatte sich auch persönlich für die rechtliche Gleichstellung eingesetzt, indem er mit Bundestagsabgeordneten verschiedener Parteien aus der Region und aus anderen Teilen Deutschlands telefonierte. „Man muss schon selber aktiv werden, wenn man etwas ändern möchte“, begründet der 41-Jährige sein Engagement.

Die HNA berichtete vor zwei Jahren über die Segnung der Lebenspartnerschaft der Gsängers, weil eine solche Segnung zum ersten Mal im Landkreis stattfand. „Nach dem Artikel zu unserer Hochzeit kamen wochenlang Leserbriefe, die teilweise unter der Gürtellinie waren“, erinnert sich Gsänger.

Es habe aber auch positive Reaktionen gegeben, das Thema wurde kontrovers diskutiert. Wegen ihrer kirchlichen Segnung war ein Mitglied aus dem Ziegenhainer Kirchenvorstand ausgetreten. Allerdings sprach sich auch ein Kirchenvorstandsmitglied für die Segnung aus, von der Stefan Gsänger das nicht gedacht hätte. „Manchmal sind sie weiter, als man denkt“, sagt er. Die gleichgeschlechtliche Ehe erleichtert auch Adoptionen für Schwule und Lesben. Das Paar ist daran aber im Moment nicht interessiert. Sie hätten mit ihrem Golden Retriever Floyd genug zu tun.

Zur Person: 

Stefan Gsänger (41) wurde in Ziegenhain geboren und arbeitet als kaufmännischer Angestellter. Er lebt mit seinem zukünftigen Ehemann Florian Gsänger in Treysa. Florian Gsänger (35) ist gebürtiger Marburger und arbeitet als Flugbegleiter. 

Hintergrund

Wie genau eine Umwandlung einer Lebenspartnerschaft in eine Ehe aussehen wird, können die Standesämter noch nicht genau sagen. Auch ob dafür Gebühren anfallen, ist noch unklar. Wahrscheinlich wird sich das Ganze aber wenig feierlich gestalten. Für das Verfahren muss man sich in jedem Fall ausweisen und Dokumente unterschreiben, wie es von den Standesämtern heißt. 

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