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Schwalmstadt: JVA-Beamter vor Gericht

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In der JVA Schwalmstadt ereignete sich der Vorfall. Archi
In der JVA Schwalmstadt ereignete sich der Vorfall. Archi © Sylke Grede

Im zweiten Prozesstag verhandelte das Amtsgericht den Fall eines Beamten der Justizvollzugsanstalt Schwalmstadt. Der Beamte soll laut Anklage einem Insassen – nachdem der Gefangene ihn mit Wasser übergossen hatte – mit Kollegen am Boden fixiert und dabei dem Mann das Nasenbein gebrochen und Prellungen zugefügt haben.

Treysa. Die Staatsanwaltschaft plädiert auf Körperverletzung im Amt. Anfang Dezember wird das Urteil erwartet. Am ersten Prozesstag (HNA berichtete), hatte der Angeklagte ausgesagt, das er sich von dem Insassen angegriffen gefühlt habe. Er habe dem Opfer zweimal auf den Oberarm geschlagen, jedoch nicht das Nasenbein gebrochen, so der Beamte.

Beim zweiten Prozesstag mussten nun sechs Justizvollzugsbeamte vor Gericht aussagen. Sie hatten dem Angeklagten geholfen, den Insassen zu fixieren und in einen gesicherten Haftraum zu bringen. „Die Situation insgesamt war unübersichtlich“, berichtete einer. Der Alarmmeldung waren viele Beamten gefolgt. Es hätte ein Durcheinander geherrscht und sei relativ laut gewesen.

Der Gefangene wurde nach seinem Angriff auf den Beamten fixiert, mit mindestens sieben Leuten in die Einzelzelle getragen und entkleidet – darin waren sich alle Zeigen einig. Der Angeklagte kniete während der Fixierung in der Zelle am Kopf des Insassen und hielt ihn fest, wie auch auf Überwachungsaufnahmen zu sehen war.

Unterschiedliche Zeugenaussagen

„Der Kollege war schon aufgebracht. Mehrmals wurde ihm gesagt, er solle aus dem Haftraum rausgehen, schließlich waren genug Beamte da, die übernehmen konnten“, berichtete ein Justizvollzugsbeamter.

Der Angeklagte soll mit den Worten „Das machst du nicht mit mir, du Drecksack“ den Kopf des gefesselten Insassen mindestens zweimal auf den Betonboden der Zelle gedrückt haben, so der Zeuge weiter. Da war er sich mit zwei weiteren Beamten einig.

Ein JVA-Beamter sagte aus, der Angeklagte habe den Kopf mit beiden Händen wie bei einer Herzdruckmassage ruckartig auf den Boden gedrückt. Jemand anderes wollte gesehen haben, wie der Angeklagte den Kopf des Gefesselten kurz angehoben und dann auf den Boden geschlagen habe. Die Bewegung hätte auch vom Gefangenen ausgehen können, vermutete daraufhin der Verteidiger.

Andere Beamte hatten keine Schläge gesehen. Auch die Beamten, die Schläge des Angeklagten wahrgenommen hatten, konnten auf den Aufnahmen einer Überwachungskamera diese Handlungen aber nicht eindeutig erkennen und zuordnen.

Ärzte stelle unterschiedliche Diagnosen

Ein Anstaltsarzt, der den Insassen kurz nach den Vorfällen untersucht hatte, sagte ebenfalls vor Gericht aus: Der Häftling habe über eine Nasenbeinfraktur, eine Gehirnerschütterung und eine Nackenfraktur geklagt. „Es waren äußerlich keine Verletzungen sichtbar, weder eine Fehlstellung der Nase noch Nasenbluten. Ein Nasenbeinbruch ist für mich unvorstellbar.“

Während der Untersuchung sei er mindestens einen Meter vom Gefangenen entfernt gewesen. „Wenn mir jemand was von Nackenfraktur erzählt, aber trotzdem noch normal laufen kann, kann das schon nicht sein“, führte der Anstaltsarzt weiter aus. Er habe deswegen den Ausführungen seines Patienten nicht geglaubt.

Ein anderer Arzt konnte ein paar Wochen später einen Bruch des Nasenbeins feststellen. „Der Bruch war noch nicht verheilt, also jünger als sechs Wochen“, erklärte er anhand der Röntgenbilder im Gerichtssaal. Ein Bruch könne sehr wohl ohne Fehlstellung und Nasenbluten vorliegen. (Philipp Knoch)

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