Bemühungen waren vergeblich

Keine Landesgartenschau 2027 in Schwalmstadt

Ein Fluss, zwei Städtchen, eine Region: Unser Drohnenfoto zeigt das Rückhaltebecken Treysa-Ziegenhain, wo die Landesgartenschau unter anderem stattfinden sollte.
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Ein Fluss, zwei Städtchen, eine Region: Unser Drohnenfoto zeigt das Rückhaltebecken Treysa-Ziegenhain, wo die Landesgartenschau unter anderem stattfinden sollte.

Enttäuschung bei den Verantwortlichen in Schwalmstadt: Die Landesgartenschau 2027 kommt nicht in die Schwalm, sondern geht nach Oberhessen. Am Mittwoch teilte das Land diese Entscheidung mit.

Schwalmstadt – Auch für Frankenberg ist damit der Traum von der Landesgartenschau geplatzt. Die Stadt an der Eder hatte sich ebenfalls beworben. „Wenn man so viel Zeit und Mühe investiert, wie wir es getan haben, ist man natürlich enttäuscht“, so Schwalmstadts Bürgermeister Stefan Pinhard in einer ersten Reaktion auf Anfrage der HNA.

Mittelpunkt der Landesgartenschau in Schwalmstadt sollte das Hochwasserrückhaltebecken zwischen Ziegenhain und Treysa werden. Unter den Titel „Schwalmstadt – Gemeinsam! Wachsen!“ wurde eigens eine Studie erstellt. Dabei entstanden Kosten in Höhe von 73 000 Euro. Auf gut 35 Hektar Fläche waren verschiedene Projekte, zum Beispiel Schwimmpontons und Kunstaktionen, geplant. Daueranlagen sollten auch nach der Landesgartenschau eine Verbindung zwischen den beiden Stadtteilen schaffen. Man sprach von einem grünen Band und grüner Mitte. Daraus wird nun wohl erst einmal nichts.

Für Schwalmstadt hatten sich unter anderem auch Bürgermeister angrenzender Kommunen starkgemacht. Es gab einen Imagefilm, Videos und eine Kampagne in sozialen Medien. Federführend dabei die Abteilung Wirtschaftsförderung der Stadt.

Sieger des Wettbewerbs wurde nicht eine einzelne Kommune, sondern erstmals in der Geschichte der Landesgartenschau ein Verbund von elf Städten und Gemeinden. Gewonnen haben Büdingen, Echzell, Gedern, Glauburg, Hirzenhain, Kefenrod, Limeshain, Nidda, Ortenberg, Ranstadt und Schotten.

„Der Verein Oberhessen e.V. hat die Hessische Landesregierung mit seiner Bewerbung überzeugt und daher fördern wir die Landesgartenschau des interkommunalen Zusammenschlusses mit bis zu 3,5 Millionen Euro“, erklärten Ministerpräsident Volker Bouffier und Umweltministerin Priska Hinz nach der Kabinetts-Entscheidung.

Keine Landesgartenschau 2027 in Schwalmstadt: Überall Riesen-Enttäuschung

Schwalmstadt – Die Nachricht war für viele sehr enttäuschend: Der Traum einer Landesgartenschau für Schwalmstadt im Jahr 2027 ist geplatzt. Die Jury in Wiesbaden hat der neuartigen Gemeinschaftsbewerbung von oberhessischen Kommunen den Zuschlag gegeben. Es ging um viel für Schwalmstadt und die Region. 3,5 Millionen Euro für wegweisende und die Lebensqualität der Menschen verbessernde Vorhaben bleiben aus.

Wie sich das Kostennutzen-Verhältnis darstellt, war zumindest am Anfang, als die Idee aufkam, recht umstritten. Über mehrere Jahre reiften die Pläne dann heran. In Umlauf gebracht worden war der erste Funke vor einigen Jahren von Aktiven aus dem Aktionsbündnis Wallgraben. In die Arbeit des Stadtparlaments brachten die Freie Wähler das Thema, nach anfänglicher Skepsis fanden auch andere Fraktionen wie die CDU und die SPD immer mehr Gefallen daran und erkannten viel Potential.

Dem Stadtmarketing, das das Bewerbungsverfahren führte, werden allenthalben gute Noten für die geleistete Arbeit ausgestellt. Jörg Haafke als Sprecher der Wallgrabeninitiative und des Fördervereins Kulturlandschaft Schwalm zeigte sich daher am Mittwoch geradezu konsterniert darüber, dass der Zuschlag nicht kam, „es wäre für die Stadt ein Jahrhundertereignis gewesen, viel nachhaltiger als der Hessentag“. Er kann nicht nachvollziehen, wie das „Konglomerat“ aus etlichen Kommunen sich durchsetzte, gehe es doch ausdrücklich um zusammenhängende Flächen. Haafke ist der Meinung, dass es sich um eine regelrechte Fehl- oder Freundschaftsentscheidung in Wiesbaden handele, die der Institution Landesgartenschau den Garaus machen könnte. Denn: Welche Kommune werde sich noch einmal so ins Zeug legen, wenn nach undurchsichtigen Kriterien entschieden werde, frage er sich. Der Einigungsprozess in der Stadt über eine Schwalmstädter Landesgartenschau und die Qualität der Bewerbung seien indes bleibende Pluspunkte, und die hätte das Land zusätzlich anerkennen müssen, so Haafke.

Enttäuschung und Unverständnis herrschen überall vor. Markus Stübing vom Wallgrabenbündnis spricht von einer „verlorenen großen Chance, die Landesgartenschau hätte Schwalmstadt so gutgetan“. An vielen Stellen bedürfe es dringend mehr Pflege und besserer Infrastruktur. G.u.T.-Vorsitzender Björn Spanknebel, der die Nachricht ebenfalls von der HNA-Redaktion erhielt, sprach auch von einer „echten Enttäuschung“. Der Gewerbe- und Tourismusverein habe die Bewerbung aktiv unterstützt und sei von ihr überzeugt gewesen. Die Gartenschau hätte auch den umliegenden Kommunen sehr genützt, die Voraussetzungen der Stadt seien ausgezeichnet. Spanknebel geht von einer „offenkundig politischen Entscheidung“ aus und empfiehlt eine neuerliche Bewerbung.

Engin Eroglu sagte der HNA, es sei in Wiesbaden seiner Meinung nach keine „farbenpolitische Entscheidung“ getroffen worden, sondern eine, die die Bevorzugung interkommunaler Zusammenarbeit signalisiert. Das sei aber eben auch kritisch zu betrachten, „wir kämpfen ja noch immer darum, ein Schwalmstadt zu sein“. Die Bewerbung aus Oberhessen habe vermutlich gewonnen, weil sie Schlüsselbegriffe bediene. Man solle aber jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken, viele der entwickelten Ideen vom attraktiven Wohnmobilpark bis zu dringend nötigen Verbesserungen etwa im Geh- und Radwegebereich und vorhandenen Anlagen wie dem Stadion in Treysa und der Totenkirche müssten weiterverfolgt werden, die Freie Wähler wollten dazu in Kürze einen neuen Bürgerrat ins Leben rufen.

Das sagt Bürgermeister Stefan Pinhard: Motivation und Wir-Gefühl

Man nehme es sportlich, so Bürgermeister Stefan Pinhard in einer ersten Stellungnahme. Er gratulierte dem oberhessischen Zusammenschluss herzlich zum Gewinn. Der Bürgermeister zeigte sich aber dennoch klar enttäuscht. Er habe sich für seine Stadt sehr gute Chancen ausgerechnet, vor allem, weil die Richtlinien des Landes Hessen zur Vergabe der Gartenschau besagen, dass auf die Folgen des Klimawandels zu achten sei. Schwalmstadt habe sich unter anderem mit dem Bahnhof und dem Ziel, diesen direkt an den Bahnradweg anzubinden, als geeigneten Austräger der Schau dargestellt. Aus der Machbarkeitsstudie ergebe sich aber viel Potenzial, jetzt werde geprüft, welche Einzelprojekte Priorität haben. In der Stadt und der Region habe sich ein Wir-Gefühl entwickelt.

(Anne Quehl und Matthias Haaß)

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