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Schwalm: Katholische Kirchen werden geschlossen

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Von: Matthias Haaß

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Schwierige Entscheidung: Pfarrer Jens Körber ist über die Kirchenschließung nicht glücklich. Bis 2030 wird es im Dekanat Fritzlar weitreichende Umstrukturierungen geben.
Schwierige Entscheidung: Pfarrer Jens Körber ist über die Kirchenschließung nicht glücklich. Bis 2030 wird es im Dekanat Fritzlar weitreichende Umstrukturierungen geben. © Matthias Haaß

Anfang kommenden Jahres möchte die Katholische Kirche im Altkreis Ziegenhain drei Kirchen schließen. Damit folgen die Katholiken in der Schwalm einer Vorgabe des Bistums Fulda.

Schwalm. Eine Ära geht zu Ende. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden auf Initiative von Heimatvertriebenen unter anderem in Frielendorf, Schrecksbach und Oberaula katholische Gemeinden mit eigenen Kirchengebäuden gegründet. Nach nunmehr 70 Jahren fehlen die Gläubigen, und die Kirchengebäude werden mangels Gottesdienstbesuchern 2022 geschlossen und entwidmet. Die Region sei protestantisches Kernland, so Pfarrer Jens Körber: „Es gibt deutlich weniger Katholiken als früher.“

Damit wird einem Beschluss des Bistums Fulda entsprochen. Im Zuge der Bistumsreform 2030 werde das gesamte Dekanat Fritzlar zu einer Pfarrei fusionieren, heißt es in einem Aushang an der katholischen Kirche, der die Gläubigen über die einschneidenden Veränderungen seit einigen Tagen informiert. Dort wird als Begründung auch die finanzielle Situation des Bistums thematisiert. Bis 2035 rechnen die Verantwortlichen mit einem jährlichen Minus von 41 Millionen Euro.

1955 erfolgte die Weihung der Kirche St. Johannes der Täufer in Frielendorf.
1955 erfolgte die Weihung der Kirche St. Johannes der Täufer in Frielendorf. © Matthias Haaß

Kirchen werde entwidmet

Nach der Entwidmung ist ein Verkauf von Kirchengebäuden und Grundstücken möglich. Den Wert der Filialkirchen St Johannes der Täufer (Frielendorf), Herz Jesu (Oberaula) und St. Bonifatius (Schrecksbach) soll ein Gutachten des Amts für Bodenmanagement ermitteln, heißt es seitens der verantwortlichen Pfarrgemeinde St. Josef Schwalmstadt - Neukirchen. Was aus den Gebäuden dann werde, sei schwer zu sagen, so Pfarrer Jens Körber. In vergleichbaren Fällen entstanden in ehemaligen Kirchen Cafés oder Versammlungsstätten.

In nur viermonatiger Bauzeit wurde im Jahr 1957 die Filialkirche „Herz Jesu“ in Oberaula errichtet.
In nur viermonatiger Bauzeit wurde im Jahr 1957 die Filialkirche „Herz Jesu“ in Oberaula errichtet. © Ina Henschel

Was mit dem Inventar, unter anderem Kirchenbänke, Orgel und Kunst passieren wird, steht ebenfalls noch nicht fest. Pfarrer Körber kann sich aber gut vorstellen, dass sich arme Gemeinden in Osteuropa oder Afrika über Gegenstände aus den geschlossenen Gotteshäusern freuen würden. „Das Bistum wird Kontakte haben.“

Er sei schon in seiner Ausbildung auf solch eine Situation vorbereitet worden, sagt der Pfarrer, schön seien die Kirchenschließungen aber nicht. Es sei aber nun einmal eine Tatsache, dass die Zahl der Gottesdienstbesucher rückläufig sei, was durchaus auch mit dem Alter der Gläubigen zu tun haben dürfte, erklärt Körber.

Die Katholische Kirche St. Bonifatius in Schrecksbach wurde 1950 errichtet. Sie war ursprünglich eine Baracke der ehemaligen Lungenklinik.
Die Katholische Kirche St. Bonifatius in Schrecksbach wurde 1950 errichtet. Sie war ursprünglich eine Baracke der ehemaligen Lungenklinik. © Matthias Haaß

Keine leichte Entscheidung

Für Menschen jenseits der 90 sei der Gottesdienstbesuch oft eine gefühlte Pflicht, weiß der Pfarrer. Für diese Zielgruppe bietet die Pfarrgemeinde St. Josef Schwalmstadt - Neukirchen bereits jetzt, aber auch in Zukunft Hausbesuche an. Ein Shuttleservice für Menschen ohne Auto soll ebenfalls eingerichtet werden. Man sei ja trotz der Veränderungen weiterhin mit der Kirche da, so Körber. In den von der Schließung betroffenen drei Kommunen möchte die Katholische Kirche zukünftig dennoch weiterhin präsent sein. Man sei mit dem evangelischen Pendant in den Orten im Gespräch, um möglicherweise Gemeinderäume nutzen zu können.

Man habe es sich mit der Entscheidung nicht leicht gemacht, aber sie sei absehbar gewesen, so Pfarrer Körber: „Die aktiven Gottesdienstbesucher hatten dafür Verständnis.“ (Matthias Haass)

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