LOKALZEIT Das „Markteck“ in Treysa ist eine Institution

Kneipier aus Leidenschaft

Nicht nur Treesern ein Begriff: Das „Markteck“ ist beliebt bei Vereinen, die dort regelmäßig Stammtisch halten.
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Nicht nur Treesern ein Begriff: Das „Markteck“ ist beliebt bei Vereinen, die dort regelmäßig Stammtisch halten.

Seit mehr als 25 Jahren ist das Treysaer Markteck eine Institution am Marktplatz: Im Oktober 1993 übernahm Stefan Sieckenius die zum damaligen Zeitpunkt nicht mehr bewirtschaftete Gaststätte in der Oberstadt.

Eine Zukunft als Kneipier war ihm eigentlich nicht in die Wiege gelegt. Als Sohn eines Soldaten 1956 in Brasilien geboren und mit seiner Familie 1968 nach Frielendorf gezogen, begann Sieckenius nach Abitur und Wehrdienst zunächst ein Studium des Bauingenieurwesens in Kassel. „Ich habe aber schon damals bis zu 50 Stunden in der Woche am Silbersee bedient und dabei die Liebe zur Gastronomie entdeckt,“ erinnert sich Sieckenius gern zurück.

Die Studienpläne fanden somit ein schnelles Ende und nach einer Station im Hotel Hassia in Frielendorf übernahm er 1985 für vier Jahre zunächst auf Vermittlung der Firma Getränke Hahn die Bewirtschaftung des „Typograph“ in Treysa. Danach wechselte Sieckenius als Betriebsleiter nach Kassel in die Diskothek „New York“. „Ein damals sehr angesagter Laden,“ so Stefan Sieckenius.

Gute Kontakte zur örtlichen Brauerei

Durch die bestehenden guten Kontakte zur Brauerei Haaß in Treysa, die zu der Zeit einen neuen Wirt für das „Markteck“ suchte, folgte Sieckenius dem Ruf aus der Schwalm und eröffnete im Herbst 1993 die Gastwirtschaft neu. Gemeinsam mit dem damaligen Chef Friedrich Haaß wurde das „Markteck“ komplett renoviert und neu eingerichtet.

Startete 1993: Wirt Stefan Sieckenius hängte sein Studium an den Nagel, weil er unter anderem im Hotel Hassia in Frielendorf die Liebe zur Gastronomie entdeckte.

Gezapft wird Haaße-Bier und Sieckenius bot gleich vom Start weg eine umfangreiche Karte an Cocktails an. Geöffnet war sein Lokal zunächst nur abends, später dann auch mittags, am Wochenende wurde ein Frühstücksbuffet angeboten. 

Für kurze Zeit zwei Betrieb - Kulturminister

„Ich hatte gerade zu Beginn meiner Zeit im „Markteck“ tolles Personal,“ betont Sieckenius. „Zum Michaelismarkt 1996 hatte ich 35 Mitarbeiter in zwei Kneipen beschäftigt,“ erinnert er sich im Gespräch. Die zusätzliche Bewirtschaftung des Lokals „Kulturminister“ – die älteren Leser erinnern sich vielleicht noch – im damalig neuen Geschäftshaus am Bahnhof beendete er jedoch relativ schnell, weil das dahinter stehende Konzept einer Kette von Lokalen gleichen Namens doch nicht seiner Vorstellung eines Wirtes entsprach. 

Parallel zum „Markteck“ betrieb Sieckenius für kurze Zeit Anfang der Nullerjahre auch den Biergarten am „Alten Bahnhof“ in Treysa zusammen mit Frank Heynmöller und zu Kirmeszeiten auch für zehn Jahre den Geflügelgarten in der Lehmkaute.

Seine große Liebe war und ist aber das „Markteck“. „Die ersten Jahre war es natürlich viel hektischer als heute. Zum Teil war mein Lokal auch schon während der Woche abends brechend voll. In der ganzen Zeit hat mich meine Ehefrau Doris unterstützt und mir den Rücken freigehalten, auch wenn ich mich erst nachts um drei Uhr vom Zapfhahn lösen konnte“, erzählt der Wirt.

Ausgehkultur hat sich gewandelt

Die Zeiten und die Ausgehkultur der Menschen hätten sich jedoch geändert. Das klassische Feierabendbier würde heutzutage häufiger mit einem Restaurantbesuch verbunden. „Ich hätte vielleicht doch die Möglichkeiten meiner vorhandenen großen Küche mehr nutzen sollen“, überlegt Sieckenius.

Heute bietet er gemeinsam mit seinem Nachbarn Toni Pizzen, Burger und Pasta als Snack zum Getränk an. Hochbetrieb herrscht weiterhin vor allem zu den Markttagen in der Oberstadt. Auch beim Kneipenfest mit Livemusik und den Kulturaktionen der Altstadtfreunde macht das „Markteck“ mit.

„Außerdem habe ich als Erster meine Kneipe zum Heiligabend für Familienmüde, Singles und späte Gottesdienstbesucher geöffnet. Zur Begrüßung verpasste ich jedem Gast eine Nikolausmütze“, schmunzelt Sieckenius. Viele Stammgäste sind ihm treu geblieben, in den vergangenen zehn Jahre ist es zwar ruhiger geworden, „aber es war rückblickend die beste Zeit“, betont Sieckenius.

Gemütlich: Auf einem alten Sofa und Sesseln können die Gäste Platz nehmen.

Bis heute finden wöchentliche Pokerabende statt – coronabedingt aktuell nur als gemeinsame Onlineaktivität. Auch die Dartspieler treffen sich normalerweise in der Kneipe zum Training. Stammtische jeglicher Art und Couleur sind regelmäßig vertreten. Sieckenius freut sich schon, wenn die Beschränkungen durch Corona ein Ende finden.

Corna-Pandemie gut überstanden

„Ich hatte zwar wie alle Gastronomen natürlich große Einnahmeausfälle wegen der Komplettschließung. Da ich keine großen Personalkosten habe und mein Vermieter, Familie Asteroth, sogar auf eine Monatsmiete verzichtete, bin ich ganz gut über die Runden gekommen,“ sagt er.

VON UTE ANEMONE LORENZ

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